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Der Orient · 1850-06-29 · 26 (29.6.1850) · p. Spalte 413-414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
26 (29.6.1850)
Date
1850-06-29
Page
Spalte 413-414 (sequence 7)
Language
German
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414 413 Studien. Sülamith und Eusebia. gefertigt wurden, so scheinen sie nicht blos aus den großen Scheeltot ausgezogen und abgekürzt, sondern auch zuweilen ja der Sprache, durch Umsetzung des weniger verstandlichern Ausdrucks in einen verständlichen, wie in der Anordnung und Verrückung vom rechten -Platze gelitten zu haben. 13 Es ist daher sehr begreiflich, wenn Asulai" versichert, das; er ein handschriftliches Exemplar der Scheeltot gesehen, das viel vollständiger als die Abgedruckten gewesen, obgleich es die große nicht gewesen zu sein scheint; denn von den kleinen Scheeltot selbst mögen verschiedene Recensionen existirt haben. Handschriftlich finden sich die Scheeltot in der Oppenheimer'- schen Bibliothek m Folio, eben so im Vatikan, in der Bod- Injana und in der Ocakoire zu Paris. Das ganze Werk in unserer Ausgabe besteht aus 171 Schcetta's, und wenn wir citiren, so geschieht es nach diesen. Folgende Derascha's (ntsm) sind blos arrgerncrkt und fehlen in unserem Werke. 1) mw ü)pD ntam, nach Sch. i. 2) pl? ]’iO yssm 'iyi Ti^y nttm, nach Sch. 29. 3) Q'Owü ht jncrmDn ny^ty jpjn niern, nach Sch- 30. 4) -]m TJ3. T7W O'M ntm, nach Sch. 31. 5) N2NQ .TW bpDH H&m nach Sch. 32. Sirlamith und Eusebia. So heißt die schöne Cantate, welche der Professor Uamler auf Mendelssohn's Tod verfaßt und Beruh. Wessely, ein jüd. Tonkünstler aus Berlin, in Musik gesetzt hat. Dieselbe ist den 9. Mai 1787 1 in Königsberg in Pr. zu Ehren des verewigten Philosophen von Dessau aufgesiihrt worden. Es war ein tiefrührender Aktus, arrangirt von der „Gesellschaft der hebr. Literatur fr rund e",2 welche das Andenken ihres unsterblichen Meisters nicht würdiger hätte feiern können. Der intelligenteste und vornehmste Theil der Einwohnerschaft K.'s nahm lebhaften Antheil an 13) Rapaport a» a. O. 14) Schem Ha-Gedolim Iß. Anf» 1) Nach jüdischer Zeitrechnung den II.Ijar 5547. Dieses Datum haben wir aus einem, das hier zu beschreibende Faktum ausführlich behandelnden, gegenwärtig unter den Papieren unseres Freundes C. in P. sich befindenden, hebräischen Briefe, welcher unterm *io"pnn Mw TDiyn i'p yV? (d. i. 18. Jjar 5547) von einem jüdischen Schriftgelehrten, Namens .n''ti aiTD (f° ist' der Brief unterzeichnet) an dessen Onkel F. Lippmann in R. geschrieben worden. — Außer dieser glaubwürdigen Handschrift haben wir noch die Ne. 19 des Danz. Wochenbl. aus d. I. 1787 sowie die Nr. 26 der „Deutschen Zeitung f. d. Iug. und ihre Freunde" aus demselben Jahre zu benutzen gesucht. — Die Data haben wir in allen 3 Quellen ganz übereinstimmend gefunden. 2) Ueber diesen im Jahre 1763 gegründeten Verein, so wie über die von demselben ins Leben gerufenen hebr. Zeitschrift „Der Sammler" wollen wir ein andermal berichten. der würdevollen Todtenfeier, die in dem großen und angemessen dekorirten Saale des Kneiphöf'schenJtrnkevhofes3 abgehalten wurde. Unter der zahlreichen Menge gebildeter Zuden und Christen, männlichen und weiblichen Geschlechts, hatten sich auch mehrere Standespersonen von der Generalität und den Ministern, so wie Mitglieder von allen Kollegien und Behörden eingefuriden.4 5 6 Es war eine glänzende Versammlung,3 glänzender, als in der großen Pregelstadt bei ähnlicher Gelegenheit je eine war gesehen worden. Der Oberbürgermeister der Stadt, Herr Geheimerath Dr. Hippel hatte, ohne erst darum angegangen zu sein, die besten Anstalten getroffen, einer etwaigen Unordnung vorzubeugen, welche in Folge des ungewöhnlichen Zusammenflusses von Menschen und Wagen * sehr leicht hätte entstehen können. — Das Orchester war aus den besten Musieis der Stadt und das Chor der Sänger aus dem berühmten Alt stad tischen Kantor und 27 Studenten zusammengesetzt. Die „Sülamith" wurde von Fräulein Berenice Jtzig, die „Eusebia" von Fräulein Johanna Setigmann gesungen. Jene war nach orientalischem Geschlnacke (in schwarzen Sammet), diese nach hellenischem (in weißen Atlas) gekleidet. Beide Mädchen sangen vortrefflich, und die heilige Stille, welche in dem Saale herrschte, wo nahe an 500 Menschen beisammen sich befanden, war gewiß der lauteste Beifall, der ihnen nur zu Theil werden konnte. Nach Beendigung der Cantate wurden die junge» Jüdinnen von allen Seiten mit Lobsprüchen überschüttet, und auch die Säuger und Musiker, so wie die Veranstalter der Feierlichkeit ärnteten von allen Anwesenden Dank und Anerkennung. Eine Kollekte zum Besten jüdischer wie christlicher Waisenkinder, welche sehr reichlich ausfiel, machte der würdigen Feier ein würdiges Ende. — Der Philosoph, Immanuel Kant, welcher sich auch unter den zahlreichen Hörern befunden halte, soll beim Weggehen folgende merkwürdige Worte geäußert haben: „In 18 Jahren habe ich keinem öffentlichen Spekracula mit bei gewohnt; aber ich war Mendelssohn's Freund zu sehr, als daß ich hierbei nicht zugegen sein sollte."^ — Die Summe, welche für die Texte der Musik 3) Beweis genug von der Achtung gegen Mendelssohn, wenn dessen Andenken in einem' Gebäude gefeiert werden durfte, daß sonst bei allen Gelegenheiten den Juden verschlossen war (D. Z. f. d. I. rc. 1786 S. 237) und noch dazu in einer Zeit, wo die christliche Kaufmannschaft K.'s mit der jüdischen gerade nicht im besten Einvernehmen gestanden hat. jOstpreuß. Zustände von Müller Kap. 18.) 4) Nach dem Danz. Wchbl. (s. Anm. 1) soll von dem akadem. Kolleg, auch nicht Einer gefehlt haben. 5) Der Korr, der D. Z. rc. sagt von dieser Versammlung: „sie war die Quintessenz der Toleranz,. der Borschmack einer wahrhaft menschlichen Zukunft." — 6) D. Z. f. d. Zug, rc. ,1787 in der Beilage für den Monat Juli Col. 15.

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