Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1850)
- Date
- 1850-06-22
- Page
- Seite 100 (sequence 7)
- Language
- German
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100 der besonders vorgesehenen Theilnahme an den Einrichtungen und Benesicien der Gemeinde. Die Ehrenrechte innerhalb der Gemeinde bestehen: .») in dem Rechte, bei den Wahlhandlungen der ganzen Gemeinde zu erscheinen und zu stimmen. d) in der Befugniß zuUebernahme von Gemeindeämtern. Die Mitglieder sind verpflichtet, sich den Anordnungen dieses-Statuts und den auf Grund desselben gehörig gefaßten Beschlüssen zu unterwerfen, so wie zu den Bedürfnissen der Gemeinde Geldbeiträge zu leisten. (§. 8.) Die besoldeten Beamten der Gemeinde werden in Betreff ihrer Rechte und Pflichten den übrigen Mitgliedern gleichgestellt. (Bergt. §. 53.) §.10. Zur Ausübung des Stimmrechts ist gleichzeitig erforderlich: a) männliches Geschlecht z b) bürgerliche unbeschränkte Dispositionsfähigkekt; c) persönliche Anwesenheit des Berechtigten. Eine Vertretung findet nicht statt. ä.) Entrichtung der ausgeschriebenen Beiträge. Das Mitglied darf mit keinem Beitrage bis zu dem der Wahl vorangehenden Quartale (incl.) im Rückstände sein. Erlaß der Beitrage schließt vom Stimmrecht aus. Außerdem darf das Mitglied nicht wegen eines entehrenden Vergehens oder Verbrechens mit dem Verlust der Nationalkokarde bestraft sein. Die Wiederverleihung der Nationalkokarde hebt diesen Mangel auf. Wählbar zu den Ehrenämtern der Gemeinde sind alle diejenigen, welche stimmberechtigt sind. Die Fortführung eines übertragenen Ehrenamts erlischt, sobald eine der Bedingungen der Wählbarkeit nicht mehr vorhanden ist. Nur einstw.'ilige Abwesenheit bildet eine Ausnahme. (Forts, folgt.) Oesterreich. Preßburg, Anfang Mai. Wenn man die Schicksale des jüdischen Belkes, sein ewiges Umhccirreu, seine Bedrückung, Knechtung, Beraubung, Ermordung und dennoch Festhalten an dem, welches die Ursache all seines Elends ist, unter dem Alles sagenden Namen: „Ewiger Jude" begreift; so kann-man füglich seine Unterdrücker mit dem, jede Art von Unduldsamkeit, Bedrückung, Plünderung in sich begreifenden Namen: „Spießbürger" zu samrnen fassen. Denn so wie der Jesuitismus dem politisch-religiösen L>äen den christlichen Völkern gegenüber, trotz seinen Intervallen sowol in der ganzen christlichen Welt, als in der einzelnen Staaten, sich ewig gleich bleibt, so bleibt der Bürger in Gesinnung, Gesittung und Handlung dem Juden gegenüber derselbe, wie sein Verfahr vor Jahrhunderten. Und wenn gleich die Neuzeit, das unausweichliche nähere Zusammenrücken aller Nationalitäten in seinem Betragen nach Außen einige Politur bervorbnngen mußte, so ist er nur desto ungehobelter in seinem Jn- Vertag von C. L. Fritzsche. nern. Der Verdruß, daß er-mit der wahrhaften Farbe nicht Herausrncken darf, macht ihn zu einem im Iranern wüthenden Heuchler — und wehe dem Inden, der jenen Zeitpunkt erlebt, wo der Spießbürger seine Maske abwerfen kann! Die Ostern des Jahres 1848 bethätigen die Wahrheit dieser Behauptung in ihrer weitläufigsten Ausdehnung. Wenn wir aber vom „Spießbürger" sprechen, so meinen wir zunächst ven ungarisch-deutschen Michclbürger und insbesondere den preßburger, den Anshecker und Erfinder der neuzeitlichen Judenplüuderung, die so anlockend ist, daß sie jetzt noch so viel Nachahmung findet! Die Ursache der nie anszusöhncnden Feindschaft zwischen dem hiesigen Juden und Bürger liegt aber - ganz nahe. Die deutsche Bürgerschaft der ungarischen Slädte ist eine Mnsterkarte von ganz Deutschland. Es dürfte schwerlich einen Winkel in dem Reiche Wodans geben, der nicht sein Kontingent zu der d erlisch en Bürgerschaft Ungarns geliefert hätte. Es ist für den Kenner der verschiedenen deutschen Dialekte und den slavisch-deutschen Aussprachen" sehr interessant, ein Gespräch mehrerer Bürger mit anzuhören. Unter zehn sind gewiß 4- Ausländer. Und vielleicht kaum Einer wird ans das Halls seines Großvaters im Lande Hinweisen könilen. Das ist ein Sicherer, dort ein Schwabe jener eimBaier, dieser ein Preuße, hier „powidall" ein Tscheche, da jüdelt ein verschmitzter Polak re. Ungarn, das gesegnete, ehemals freie europäische Amerika, absorbirte allen Abfluß imt> Auswurf, was Deutschland aussollderte. Ganze Schiffsladungen voll kamell die Kandidaten der verschiedenen Meisterschaften, Kramerlinge, Wirthslente ins „Ungarlandl" herangcschwommeu. In Lumpen und Fetzen gehüllt stieg man in Preßbnrg aus, suchte und fand Arbeit, die zu Hause kaum trocknes Brod gab, weil bei dem dortigen Einandcrüberbieten in Besserlieferungen mit schwacher Kenutniß des Faches mit zu konkurrireu nicht möglich war. Hatte man sich ein wenig ausstaffirt, so sah man sich um eine „Geliebte" um, die man oft genug in der Meisterin selbst oder deren Tochter fand, heiralhete, ward Bürger, Meister und — Judenfresser. Das vagirende Leben als wandernder Handwcrksbnrsche machte ihm das Wirtlsshaus zur Heimath, und diese Gewohnheit verläßt ihn nie, selbst wenn er Familie hat. Er verzehrt allabendlich im Wirthöhäuse so viel, wovon'seine ganze Familie sich hatte sättigen können; halt redlich seine blauell Molltage, versetzt seine Uniform, um sein Letztes ans der Schießstatt geben zu könne«; wandert Sonn- und Feiertage schaarenweise in Wirthshäuser, Gärten und entlegene Lustplätze; sein Gewölbe muß eine mauerfcste Auslage haben, hält eine Menge Diener, die gut salärirt werden müssen, vor acht Uhr Morgens ist seine Handlung n i e offen, von ,12 bis 2 Uhr ist sie gesperrt. Abends lockt der Wein im Wirthshause zu sehr, als daß man es dem Juden gleich thlm könnte im Ausharren. Fortsetzung folgt. Briefkasten. 1) Hrn. M. St. in P.: bitte mir eine Reihe kleinerer Mittheilungen aus Ungarn zukommen zu lassen, namentlich über das politisch-sociale Leben. 2) Hrn. St. —l einen Gruß. Die poetische Sendung möge bei Gelegenheit erfolgen. Druck von I. H. Nagel.