Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 24 (15.6.1850)
- Date
- 1850-06-15
- Page
- Spalte 369-370 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9891031-9891072--6416-3535803- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
des Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. ♦ 24» Leipzig, tocn 15. Juni Sn t)alt. Kritiken. Kurze Ueber sichten. Moral und Politik von L. N. Landau. Beurtheilt von M. B. Fri ed ent ba l. Das Moralprinzip der Bibel. — Studien. Die Familie Kimchi. Josef Kimchj's Komm, zu Mischte. Von Leop. Dukes. — Die jetzigen Gemeinderustaiide. Ein hebr. Gedicht v. M B. Friedenthal. — Kulturhistorische Miscellen von L. Dukes. Die Hamilton'sche Methode. Eine Dedikaüon an Gott. — Literarische Miscellen. Bibliographisches, die Juden in Cochin betreffend. Bon F. — Ankündigungen. Kurze Ueberstchten. 10) Moral und Politik, oder Versuch über das Prinzip der Sittlichkeit und dessen Anwendung in den Staatsangelegenheiten u. s. w. von L. R. Landau. Prsth, 1848, 8. Ein Reis aus edlem Stamme, wo schon manche Frucht gereift, die Gott und Menschen erfreute, brachte wiederum eine grudjt, die den früheren jedoch nicht ähnlich ist. Die Gewässer der Zeit haben freilich. sein Wachsthum geföcd>ert und die in ihm wirkenden Stoffe sind auch an jener zu bemerken; ein gründliches Studium der Philosophie und Ethik, sowie eine gediegene Beurteilung der behandelten ethischen Gegenstände und mancher Systeme sind überall wahrzunehmen; allein das Moralprinzip der Bibel, welches genau mit der Politik verbunden ist, wird darin ganz und gar vermißt. Es ist eine fremdländische Frucht. Der allzermalm ende Geist der Zeit hat die Gelehrten unseres Geschlechts ergriffen, welche sich meistens dahin neigen, das scharfschneid ende Schwert der philosophischen Kritik an unsere Gesetze, Einrichtungen, an Traditionen und Meinungen unserer früheren Gelehrten anzulegen und selbst die universelle Tendenz der Uroffenbarung dadurch zu vernichten. * Es hat daher auch ’) Auf gleiche Weise wird schon das Ansehen der Bibel beim Unterricht der Jugend untergraben. Wenn die Lehrer der Weltgeschichte die Prämissen dev Bibel, durch die Meinungen der großen Gelehrten neuerer Zeit veranlaßt, erschüttern, und daher die Basis der heiligen Schrift' als falsch darstellen müssen, wie soll alsdann die Schrift selbst Wurzel fassen? Ich finde daher die Manier des Hrn. Notteck, daß er in seiner Weltgeschichte die Geschichte der Bibel ganz beim Unterricht der Geschichte ausgeschlossen' har, sehr angemessen, zwar nicht aus den von ihm angeführten Gründen, selbst eine Rückwirkung und Einfluß auf die Geschichte der Wissenschaften und auf die der Kultur anderer Glaubensgenossen. Woher soll dann sonst eine Volksindividualität kommen, die verdiente Anerkennung erhalten, wenn ihre Antiquitäten und die Verdienste ihrer Geehrten ganz in Schatten gestellt werden? Bei dm Anfängen der Entwickelung der Wissenschaften und Künste, sowie der Kultur, oder bei den sogenannten Anknüpfungspunkten, werden zwar Griechen, Römer, Perser, Chaldäer und Egypter erwähnt, aber das von seinen Söhnen selbst verachtete Volk der Hebräer bleibt in der Regel völlig unerwähnt, als wenn es entweder gar nicht existirt hätte, oder den Irokesen und Samojeden stets gleich gestanden und nicht die geringste bemerkenswerte Vergangenheit gehabt. Wenn die Gelehrten anderer Nationen des Alterthums, wie Thales rc., evidente Jrrthümer gelehrt, so werden diese dennoch unberücksichtigt gelassen und das Wahre daraus gleich Körnern, die die Vögel aus der Spreu suchen, ermittelt und gewürdigt; hingegen wird das Wahre aus unseren Schriften verdunkelt und durch Vergleichungen entstellt. Dies ist die Schmach, die auf Israel ruht. Man sucht die Tradition herabzusetzen und sich von ihr loszusagen, man sucht selbst Angriffe auf die heiligen Urkunden der Uroffenbarung und der Menschheit zu machen, wie jener große Feldsondern aus dem einfachen Grunde, um das Ansehen dev Bibel zu erhalten. Der Gläubige kann alsdann die Prämissen der Bibel durch die Meinungen und Erklärungen religiöser Gelehrten unterstützen, und dem Rationalisten wird es überlassen, nach seiner eigenen Weise die Jugend zu unterweisen. Das Kind ''besucht dann das Gymnasium und nimmt einen vollkommnen Unterricht in seiner Religion aus der Elementarschule mit und der spätere Unterricht in der Geschichte kann den früheren gründlichen in der biblischen Geschichte nicht erschüttern. — 24