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Der Orient · 1850-06-15 · Heft 24 (15.6.1850) · p. Seite 93

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 24 (15.6.1850)
Date
1850-06-15
Page
Seite 93 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken Mer Das Abonnment auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allensolid. Buchhandlungen auf ein Jahr« kür jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 185« Leipzig, den 15. Juni Inhalt. Deutschland Berlin. Die Ritter der Kreuzzeitung neue Harnarie. Kriegßzug gegen die Getauften. Nürnberg. Die erste Aufnahme eines Juden. Hamburg. Betrachtung. — Oesterreich. Wien. Judenkrawall in Prerau. Raab. Mas gegen jüd. Barte. Krakau. Konflikte. — Großbritannien. London. Die dortige Synagoge. Adler. — Polen und Rußland. Kali sch. Neue Rabbinerwahl. MisceUe. Aus Rußland. — LB. b. Or. Deutschland. Berlin, den 29. Mai. Die sich bis zur completen Tollheit entwickelnde Schrulle der neuen preußischen Zeitung gegen die Juden hat in der Form, in der sie im Leitartikel deö gestrigen Blattes austrat, eine namenlose Empörung hervvrgerufen. Die Gemeingefährlichkeit dieses Organs fängt nunmehr an selbst den Conservativsten einznleuchten. Erstaunt fragt man sich, ob in einem Staate, wo Gesetze und geordnete Zustände herrschen, selbst wenn keine Verfassung vorhanden wäre, welche die Gleichheit aller Unterthanen vor dem Gesetz auöspricht, förmlich zur Verfolgung einer großen Klasse des Volkes durch Anreizung der schmutzigsten Leidenschaften aufgcstachelt werden dürfe? Kaum vergeht ein Tag, vernicht eine Confiscation demokratischer Blätter anfzuweisen hätte. Aber' man wird vergeblich in diesen von der Polizei und den Gerichten verfolgten und oft gestraften Blättern eine so direkte und unverhnttte Aufreizung der Burger gegen die Bürger, der Besitzlosen gegen die Juden, die sich ,,vom Schweiße bedürftiger Christen vollgesogen haben" suchen. Es gieht kaum eine Strafbestimmung des Preßgesetzes, welche nicht durch jenes Blatt schon aufs Gröblichste verletzt wäre. Der §. 17 des Gesetzes vom 30. Juni 1840 (,,Wer den öffentlichen Frieden dadurch zu stören sucht, daß er die Angehörigen des Staats zum Hasse oder zur Verachtung gegeneinander öffentlich ayreizt, wird ruit Geldbuße von 20 bis zu 200 Thalern pder mit Gefguguiß von 4 Wochen bis zu 2 Jahren bestraft") , der §. 19, der die Erregung von Haß gegen eine im Staate bestehende Religionögesetlschaft mit denselben Strafen bedroht, von unseren Beamten täglich im ausgedehntesten Maaße in Anwendung gebracht, scheinen gegen die N. P. Z. nicht maaßgebend zu sein. Wäre die Sache nicht so furchtbar ernst, so müßte der Eifer des christlichen Blattes erheiternd wirken, der die Fanatiker schon besorgen läßt, es könnten einige Juden ihrem Hasse durch die Taufe entgehen. Sie will ihre Autodafes ausdrücklich auch an den getauften Juden vollzogen wissen. Da wird es also auch dem Pros. Stahl und Hrn. Ohm, zwei der ausgezeichnetsten Mitglieder ihrer Partei, übel ergehen. Nürnberg, den 25. Mai, Gleich dem Collegium der Genu'indebevellmächtigten hat sich nun auch der Magistrat, dieser mit 9 gegeu 8 Stimmen, für die Aufnahme des Kaufmanns Cohn als Staatsbürger ausgesprochen: seit Vertreibung der Juden zu Ende des 15. Jahrhunderts der erste Israelit, dem die Niederlassung hier gestattet ist. Hamburgl. Juni. Jeder, der bfe Erscheinungen der letztverfloffenen Jahre mit nur einigermaaßen aufmerksamen Blicke verfolgt hat, kann sich nicht verhehlen, daß sie trotz aller wiederum eingetretener Reaktion manche Veränderung bewirkt haben. Sie haben manche Freiheiten gebracht, manchen, der dem monarchisch-absolutistischen Prinzip huldigte, zu einem Demokraten gemacht, aber auch andere, die dem Liberalismus huldigten und über die mancherlei Verirrungen dex Demokratie erschreckt waren, dem alten vormarzlichen 24

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