Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1850)
- Date
- 1850-05-25
- Page
- Seite 81 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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WZ Berichte, Studien und Kritiken Elfter Das Abonnment auf ein Jahr ist 5 Tbtr. Man abonnirt bei allen lodl. Postämtern und allen sotid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Jahrgang. Bon dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Litcraturblatt mitaerechnet, zweiBoam, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M 21 1850 Inhalt. Deutschland Bingen. Brand der Judengasse. Nürnberg. Erschwerung der Aufnahme. Lrebitfch. Mittelalterliche Scenen. — Schwei«. Bern. Auch eine Republik. — Italien. Die Emanzipation in Piemont. Turin. Einzelnes aus Rom. — Frankreich. Vermischte Nachrichten. — Großbritannien. Der Eid zum Eintritt ins Parlament. — Ein Bild aus dem ungarischen Kriege — Personalchronik und Miscellen. Berlin. Hannover. Prag. Leipzig. — LB. b. Dr. Deutschland. Bingen, 30. April. Hier ist unsere Stadt von einer großen Feuersbrunst heimgesncht worden j in der Juden gaffe brach das Feuer aus und fast diese ganze sehr gedrängte Gasse ist abgebrannt- Die Verluste haben Juden und Arme betroffen. Der Pöbel war leicht, zu überreden, dieses Unglück den Demokraten zuznschicben. Nürnberg, 6. Mai. Das Gesuch des Kaufmanns Cohn ans Markt Erlbach, der erste Jude welcher seit einigen Jahren hier auf Aufenthalts karte mit Familie wohnt, um Ausnahme in den Bürgcrverband ist von dem Armenpflegschastörath abschlägig beschieden worden. Die diesen in unserer Zeit fast unmöglich gewordenen Entscheid herbeiführende Majorität des letztem bildeten acht geistliche und zwei weltliche Beisitzer. Trebitsch (in Mähren) 3. Mai. Seit acht Tagen leben wir hier im vollen Mittelalter. Das Faustrecht und die in wahre Willkür fauatisirte Fraetion hat sich bereits durch mehrere Judcnpli'mdenmgen geltend gemacht l Seit alten Zeiten wohnen hier Juden m:d Christen in abgesonderten Stadttherlen, aber stets in Völliger Harmonie, Erst in neuerer Zeit kaufte ein Jude mit. Bewilligung der Behörde ein Stadthaus, und bezog dasselbe ungeachtet mehrfacher Drohungen am 24. April. Gleich am ersten Abmde wurden ihm die Fenster eingeworfen, am folgenden Abende wurde das Haus mit Kvth besudelt und da er sich dadurch nicht Abschrecken ließ, erhielt er in der Nacht vom 28. April eine Katzenmusik. Von diesen unter dem Auge der Behörde stattsindenden Scandalen wurde sofort an die Oberbehörde in Jglau berichtet, die in ihrer Weisheit den weiteren Verlauf ruhig abzuwarten beschloß. — In der Nacht vom 1. Mai überfielen einige hundert Individuen mit Aexten und Beilen das Haus des Juden, erbrachen Thnren, Fenster und das Magazin, zertrümmerten die Meubet, zerstreueten die Bettfedern und raubten überdies aus dem Magazin 130 Stück feines Tuch, einige hundert Ellen Wollstoff u. s. w. Während dieser entsetzlichen Vorfälle wollten Vater, Mutter und Kinder bei einer Nachbarin Schutz und Obdach suchen, wurden jedoch hartherzig abgewiesen und mußten, um das Leben zu retten, in später Nachtstunde in einem Kahn über, die Jglawa setzen. Von Seiten der Judengcmeinde wurde noch in der Nacht die Anzeige an die BezirkShauptmannschaft gemacht, um sogleich Hilfe und Schutz für Leben uub Eigenthum zu erbitten. Heute kam der. Bezirkshauptmann in Begleitung eines Conuniffärs hier an, um die Sache zu untersuchen. Seine an Ort und Stelle getroffenen Maaßregeln (!) konnten jedoch,nicht verhindern, daß gestern in der Nacht eine zweite und dritte Plünderung stattfand. Schweiz. Bern, 29. April, In der heutigen Sitzung der zu einer Bundesversammlung vereinigten beiden Räche, wurde die Frage über Zulassung aargauischer Israeliten 21