Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 15 (13.4.1850)
- Date
- 1850-04-13
- Page
- Spalte 225-226 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatnrblatt des Berichte, Studie« und Kritiken für jüdische Geschichte «nd Literatur. o M 15 Leipzig, den 13. April 1850. In da lr. Stu di e n. Die literarischen Vorlagen des Talmuds. Der bibl. Kanon des Talmud's. Von Jul Fürst. (Forts.) — Ueber das apokryphische Buch Esra. Anhang zu dem Kanon des Josefus Von Dr. Treuen fels in WeUburg. — Kulturhistorische Miscellen von L. Dukes. Avicena. — Slijja ha - Saken b. Menachem und seine Asharot. Von I. Fürst. (Schluß.) — Ankündigungen. Die literarischen Vorlagen des Talmuds. (Fortsetzung.') Hierauf folgt VM. das „Prophetenbuch des Cdabak-!uf 307 b. Z e sch u a, aus dem Stamme Lewi"»3^ bestehend theils aus Klage und Drohweiffagungen oder Massa,309 theils aus einem Hymnus mit einleitender Theophanie,310 als durch die Schreckensweissagung hervorgerufen. In Betracht, daß der Benennung Massa damals noch keine gehässige Nebenbedeutung gegeben wurdet" und daher die Seher sie noch nicht wie später vermieden haben,312 daß Chab. das verkündete durch die Chaldäer auszuführende Strafgericht Gottes als etwas natürlicherweise Unglaubliches darstellte313 und doch seitdem Jirmijja bereits den Joschijja einen Chaldäerzug wider Judäa verkündet314 dies gar nicht eine so unbekannte Erscheinung sein konnte, und daß endlich umgekehrt des assy- 307) ppan -0D. 308) So lauter der vollständige Name des Propheten in der alexandrinischen Uebersetzung, in der Überschrift des Apokryphon vom Be! und Drachen, ebenso in der syrischen Uedersetzung der Hexapla. Diese Angabe ist nach einer jüdischen Sage. 309) Chab. 1, 1. 310) ^^85, rb. 3, 1. 311) Jirm. 23, 33—39. 312) Jirmijja und Jecheskel vermieden bereits diesen Ausdruck, wie Gott es geheißen (Jirm. 23, 38). 313) Chab. 1, 5. 314) Jirm. 5, 15 flg. rischen Reiches, das doch den früheren Propheten so nahe lag, gar keiner Erwähnung geschieht, alles das veranlaßt die talmudische Ueberlieferung, den Beginn derChabakkuk'schen Weissagungen in die letzten Jahre Menasche's (e. 645 v. Chr.) zu versetzen,3^3 zumal auch die Schrift berichtet,316 daß unter Menasche Propheten aufgestanden, welche Zerstörung Jerusalem'6 verkündet. Me nasche batte seine Regierung im Jahre 696 v. Chr. angetreten und nach zwei und zwanzigjährigem gottlosem Regimente desselben,317 nämlich im Jahre 674, wurde er von einem assyrischen Vasallenkönig Babyloniens in Ketten nach Babylonien gebracht, und gebessert und geläutert kehrte er später in sein Reich zurück.3^ Aber bei allem Aufgeben des Götzendienstes nach der Rückkehr, bei alttr angelobten Besserung, blieb doch noch immer Sittenverderbniß, Elend, Heillosigkeir, Gewalt, Mißhandlung und Unwesen aller Art in Judäa vorherrschend und Chabakkuk wurde bei dem steten Anblick dieses Unwesens zu seinen Klagen, und Orohwnsscrgungen hingerissen. Obgleich das assyrische Reich noch bestanden, so hatte doch das chaldäische bereits eine solche Obmachr gewonnen, daß der Seher in diesem „sturmischen und kriegerischen Volke, das keinen Richter über sich anerkennt und rüstiger als Wölfe zur Schlacht rennt," die Zukunft erblickte, so daß er dieses erobernde Volk als Judäa vernichtend schilderte. Der nach ihm auftrelende Jirmijja entlehnte daher von ihm in Worten und Gedanken die Züge der Chaldäer,3^ und die hier folgende Weissagung über die 315) Seder Dlam rabba e. 20; j. Sanh. e. 12. 316) 2 Kön. 21, 10 flg.; 2 Chr. 33, 18. 317) Seder Dlam rabba v. 24; Sanh. 103 a. 318) 2 Chr. c. 33. 319) Chab. 1, 8. Jirm. 4, 43; Chab. >b. Jirm. 5, 6» Chab. i, 6; Jirm. 5, 15; Chab. l, 7. Jirm. 6, 23. 15