Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1850)
- Date
- 1850-04-13
- Page
- Seite 60 (sequence 7)
- Language
- German
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60 auf ein altes Recht, wonach kein,Jude inNuppins Mauern auszunehmen sei — um Rücknahme der den vier neumärkischen Judenfamilien gewährten Freiheit bitten sollte.. Friedrich aber -fragte: „Kann man zu irgend einer Ungerechtigkeit ein Recht ha den?2" Er wies die saubere Gesandtschaft mir ihrem Gesuch und ihrer Einwendung zurück und bestand auf fernen Willen, daß die vier Judenfamilien in Neuruppin ausgenommen würden. Allein was thaten die Neuruppiner? Sie schloffen Alle, Klein und Groß, Vornehm und Gering, einen Bund miteinander, unter keinerlei Bedingung den heranziehenden Juden Wohnungen einzuräumen. Da wandten sich die Juden abermals an den Monarchen, welcher nunmehr an den Bürgermeister von Neuruppin die Ordre ergehen ließ: „bei. Vermeidung der königlichen Ungnade den Juden Wohnungen zu verschaffen und in eigener Person für die Weigerung und den Ungehorsam der Bürger verantwortlich zu sein." 3 * * 6 7 ' Durch diesen strengen Befehl in Furcht gejagt, nahm der Bürgermeister die 4 Judenfamilien vorläufig in sein eigenes Haus auf und bemühete sich alsdann, sie hier und da bei den Bürgern unterzubringen, welchen er, zu seiner Entschuldigung die königliche Ordre voczeigte. — Also wohnten die Juden in Neuruppin. Aber leider! nicht lange- — ungestört nicht Eine Stunde. Denn die Macht kann nur der Lhat, nicht aber dem Gefühl einen Damm entgegensetzen. Des Königs Befehl war ausgeführt, hierdurch aber keineswegs der neuruppiner Judenhaß unterdrückt worden. Dieser wuchs vielmehr , mit jedem Lage und zeigte bei jeder Gelegenheit'den vier, fremden Familien seine grimmig fletschenden Zähne. Die. armen Juden waren sehr schlimm daran. Sie hatten von ihren christlichen.Mitbürgern so viele Chikane und Malicen zu erdulden, ihr Aufenthalt in NR. wurde ihnen von den Bekennern des — Nichts als Duldung und Liebe predigenden^ — Kreuzes dermaßen verbittert, daß sie nur, zu bald den Lag verwünschen mußten, an welchem ihr Fuß die Schwelle der germanisch-christlichen Stadt 2) Dieses Wort, vor 83 Jahren an der Spree ausgerufen o möchte es heute an der Isar wiederhallenl — 3' D. Z. f. d. Jug. rc. 1784 Nr. 46 und auch inRothmann's Schriftchen: „Nachdem siebenjährigen Kriege." Hamburg, 1791. 4) Christus har gesagt: „Liebet Eure Feinde; segnet, die Euch fluchen, chut wohl denen, die Euch Haffen; betet für die, so Euch beleidigen und verfolgen." — „Die Juden" fügt der Bert. Korr, der D. Z. rc., welcher diesen Satz aus dem N. T. anführt, schließlich hinzu — „thun Nichts von dem Allem, sie suchen blos, wie der kleinste Wurm, in dem Lande, da sie Gott geboren werden läßt, ihr Leben fortzubringen, und sie sind Menschen, sind Staub von gleichem Staube, wie wir, und unsterbliche Geister zu gleicher Fortschreitung im Guten vom Vater der Geister für Zeit und Ewigkeit bestimmt." — (D. Z. rc. 1782 S. 380.) Verlag von C. L, Fritz sch e. betreten hatten. Und da sie den könkgk. Thron mit ihrenKlagen und Bitten weiter nicht behelligen mochten, so blieb den - getäuschten Juden weiter Nichts übrig, als ihren Plan in Betreff der Anlegung von Geschäften und Fabriken aufzugeben und schon nach einem Jahre ihren neuen Wohnsitz wieder zu verlassen. Heine-sang: „'S ist eine alte G'schichte, Doch bleibt sie ewig neu, Und wem sie just passiret, Dem bricht sie 's Herz entzwei." Zwanzig Jahre später (am 26. Aug. 1781) wurde Ruppin von einer schrecklichen Feuersbrunst heimgesucht, welche von 750 Gebäuden 534 hinraffce und über die Einwohner f großes Elend und schrecklichen Jammer hereinbrachte. — Do \ wurden in der ganzen Gegend, namentlich aber in Berlin | „Kollekten für d i e Abgebrannten" veranstaltet, j Und auch die jüdischen Kau fleuch sammelten unter | ihren Glaubensgenossen, und sie brachten die größte Summe, nämlich Eintausend zweihundert und fünfzig | Thaler in Gold, nebst achtzehn Centnern Klei- § dungsftücke und fast^ ebensoviel an Nahrungsmitteln (Mehl, Brot, Kartoffeln rc) zusammen. — Als ■ aber 14 Tage darauf zwei angesehene Juden aus Berlin^ auf einer vorhabenden Reise ihren Weg durch Ncu-Ruppin nehmen mußten, da wurde ihnen — „weil sie Juden wären" — die Durchfahrt durch die (damals größtentheils ) aus Schutthaufen und Brandtrümmern bestehende) Stadt \ nicht gestattet-, sondern sie mußrm außerhalb derselben um die Mauer herumfahren. — Das Unglück hatte die säubern? Ruppiner nicht gebessert — die Wehlthatigkeit der Juden l auch nicht ein Fünkchen des Judenhasses auszulöschen vermocht. \ Das ist ein alt Histörchen Aus Nuppins Christenheit; „Weiß nicht, ob anders worden" „In diefer neuen Zeit."7 — Louis Weyl in Lissa. ö) Auf Veranlassung des Oberlandes-Rabbiners und der? Aeltestm der Judenschaft (H. u. Sp. Z. 1787. Drilles Sepft temberblätt).!- 6) Gerade diejenigen, welche zu der obenerwähnten 5 Sammlung die ansehnlichsten Beiträge gegeben hatten. „Wie L das kranken mußte!" — ruft Biester in der Bert. Mschr, (l787 Oktoberheft) aus, und fährt alsdann fort: „Eine Stadt, in deren Mauern Ihr die Ruhe Einer Nacht den Juden versagt, wird der äußersten Hilfe bedürftig, und gleich . sind tausend jüdische Hände in Bewegung, ihr diese zu leisten, aller vorigen Kränkungen vergessend. Sollte ein Volk, das in dem Unglücklichem nur den Unglücklichen, nicht den Feind sieht, und ihm mit brüderlichem Herzen entgegen kommt, ein , Volk, das Nichts von boshafter Freude, Nichts von Rache weiß, — sollte das so verderbt fein, daß es keiner politischen und moralischen Verbesserung werth, oder keiner fähig wäre?" 7) W. Müller: „Der Glockenguß zu Breslaus (Schluß- - verse.) Druck von I. H. Nagel.