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Der Orient · 1850-03-30 · Heft 13 (30.3.1850) · p. Seite 49

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 13 (30.3.1850)
Date
1850-03-30
Page
Seite 49 (sequence 1)
Language
German
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- Berichte, Studien und Kritiken -hll ÜLörst ^thm iitn :3{r ,( Das Abonnment auf \ ein Jahr ist 5 Ldlr. Man abonnier bei allen , 'j Lob!. Postämtern und ollen solid. Buchband- 4 Lungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben voll Dr. Julius Fürst. Jahrgang. Don dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich dos Literaturblatt mitaerechnet, zwei Boaen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. qif! ton, SniJ n,"i| ciifl r m $ Inhalt. D e Ä^sch land Breslau. Prüfung der jüd. Religionsschule. Lissa. Verhaltniß zwischen Juden und Christen. Berlin. Statut der jüdischen Gemeinde. — Oesterreich. Pesth. Vermischtes. — Die Juden und das Geld. Von L. Weyl. Notizen aus dem vorigen Jahrhundert. — Personalchronik und Miscellen. Prag. — LB. d. Or. *850. eipz kg, den 30. März u Linie i ein id) td-| ()äli .ugi; llll| ,'V| . xmi Deutschland. 1 ^4 Breslau, 18. März. Wie alljährlich hat auch diesmal Rabb. Geiger zur öffentlichen Prüfung der Zöglinge der hiesigen jüdischen Religionö - Unterrichts- Anstalt mit einigen beherzigungswerthen Worten eingeladen und es ist vielleicht nicht ohne Interesse, wenn ich diese auf unsere allerwärtö zerfahrenen Zustände ^passenden Worte hier mütheile: „Die Anstalt hat ihr siebentes Jahr glücklich zurückgelegt; sie hat standhaft unter den wechsclvollen Ereignissen des Staats und der Gemeinde ihr Ziel verfolgt, und sie freut sich des Bewußtseins, durch innere en j^Kraft ihr Bestehen und ihre immer weitere Ausdehnung so ri rAstch gesichert zu haben. Bei aller Umgestaltung, welche Verhältnisse der-Inden erfahren haben," ist doch das ^'^^Judenthnm immer in der erniedrigenden Stellung des . ^ungerathenen Sohnes verblieben, den man nun nicht ^.Hmchr geradezu verstößt, den man aber ohne liebevolle Pflege seinen Weg ziehen läßt. Das Christcnthum soll nMH zwar nicht mehr herrschende, Staatsreligion sein, denufi$v||no$ beaufsichtigt und unterstützt der Staat seine Jnsti- Dtute, seine religiösen Einrichtungen, insoweit sic das bürv Hgcrliche Leben bestimmen, bleiben normativ, die Heili- ^'l ^gnng seiner Festtage umgiebt der Staat mit einer schutzeni^den Wehr, für die Bildung der Geistlichen und Reli-! ^gionölchrer übernimmt er die Verpflichtung, die Ord- ^^mmg der Kirchensprengel, die Anstellung der Geistlichen, ' Me Auskömmlich keit ihres Gehalts wird von ihm beiz sorgt, die öffentlichen Schulen haben nach wie vor ihre , christlichen Religionslehrer, die Konfirmation ist der Akt, ' s! welcher dem Eintritte ins bürgerliche Leben nothwcndig >! vörausgehen muß. Das Judenthum ist schutzlos dem -; üherflnthenden Strome aller Negationen und der Uebermacht der Mehrzahl Andersgläubiger preisgegeben. Seme Festtage verlieren - alle Weihe gegenüber den Anforderungen des weltlichen Sinnes, ja der Staat verpflichtet zu ihrer Nichtachtung, die Existenz und noch mehr die Bildung von Geistlichen und Religionslehrern wird ignorirt, die Schließung der Ehen wird blos bei den Juden als rem bürgerlicher Akt betrachtet, und die religiöse Erziehung der jüdischen Jugend hält der Staat, welcher doch an den Juden sittliche Mängel anfzufinden nicht lässig ist, für ganz überflüssig. Diese Theilnahmlosigkeit des Staates mag von Manchen, welche blos in Abstraktionen sich bewegen, als die Fernhattung einer jeden Einmischung seinerseits, als die wahre kirchliche Freiheit gepriesen werden; doch Niemand wird in diesem Verfahren, wenn es ausschließlich gegen die Juden geübt wird, Gleichheit erblicken können. Eine Gleichstellung der Leiber kann nimmer befriedigen, auch Geist und Gemüth müssen sich der gleichen Liebevollen Pflege erfreuen. Die Anstalt hat demnach nach dieser Seite hin bis jetzt keinen Anhalt gefunden. Welch einen mächtigen Einfluß Staatsgrundsätze, wenn sie mit einer traurigen Beharrlichkeit bis in§ Kleinste ansgeführt werden, auch auf das innere Leben der Gemeinden zu üben geeignet sind, zeigt sich unter Anderem auch darin, daß der monstruöse Gedanke einer jüdischen Gemeinde, welche sich ihrem eigenen Kultus gegenüber theilnahmlos verhält, hier wirklich zur Thatsache geworden ist und sich fort erhält. Auch sie hat blos ein Herz für die Armnth an irdischem Besitze, für das Siechthum am Körper, aber keines für die Armuth und Krankheit am Geiste. Unterdessen hat jedoch die besondere jüdische Kul 1 usgemeinde sich in Etwas befestigt und sie hat, ebenso wie die Synagoge bis zum 1. Oktober d. I., so auch die Religionsuntcrrichts- 13 gj|

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