Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1850)
- Date
- 1850-03-23
- Page
- Seite 45 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Elfter Das Äb.onmwpnf auf eia Jahr ist 5 LtNr. Man abonntrc bet allen löbi. Postämtern und allen sotid.Buchdandlsrngen auf ein Jahr. für Wische Geschichte un- Literatur. Herausgcgeben von Vr. Julius Fürst. Jahrgang. 9?rn Weier .Beiter; ft erscheinen wöchentlich daß Sitcrotiivblot-t mit? aerechnet, zwei Boaen, und zwar an ^edem Dienstag regelmäßig. O Leipzig, den 23. März 1850. Inhalt. Heber die Emancipation der Lüden in Schweden — Deutschland Stettin Adresse der freien Gemeinde a,r die Juden. Aus der Provinz Posen. Neues! Kleiner Fortschritt. — Oesterreich Aus Mahren. Berathung. Emar- .cipationsfeier —. Dänemark Kop e n Hagen. Die Frage über gemischte Ehen. — Jta! i e n. Neapel. Das Haus Rothschild stnb der. Pabft. — LB. d. Or. Ueber die Emancipation der Juden in S ch w e d c n. Zu den wichtigsten Fragerl, welche im nächsten Reichstage von Neuern verhandelt werden, gehört die von der Anerkennung der bürgerlichen Rechte all' jener schwedischer Unterthanen, welche sich zur mosaischen Religion bekennen. Bereits tm Jahre 1847 gaben die Juden des Reichs dem Könige eine Petition in dieser Beziehung ein, aber da man seither von keinem Resultate derselben gehört hat, und da die Stände beim letzten Reichstage von dem Könige gefordert haben, daß derselbe nur in Gerneinschaft mit den Ständen die Frage behandeln nrrd entscheiden nröge, welche die Gesetzgebung für die mosaischen Glaubensbekenner des Reiches berührt, so ist es wohl auzunehmen, daß diese Frage nicht vor dem nächsten Reichstage geprüft und erledigt werden wird; aber wir halten die Sache 'für so wichtig, daß wir glauben, die Aufmerksamkeit des Publikums auf dieselbe hinwendcn zu müssen. Die Frage ist wichtig, nicht ihrer Resultate wegen, denn die Zahl der Juden in Schweden ist so gering, daß durch ihre veränderte Stellung int Reiche, wohl kaum ein bemerkbarem Einfluß auf das große Ganze gespürt werden wird; sondern weil sie in naher Beziehung zu einigen großen Principien steht, deren Durchführung für unsere Entwickelung von außerordentlicher Bedeutung wäre. Die Bewilligung der in Frage stehenden Rechte darf nicht als eine Gnade angesehen werden, die einigen Znrnckgesetzten und Unterdrückten zugestanden wird, sondern als ein Akt vollständiger Gerechtigkeit, als eine Pflicht der Gesellschaft gegen sich selbst. Für diese Bewilligung sprechen nicht nur die Grundsätze der allgc-- meinen Gerechtigkeit und Humanität, sondern auch die Forderung der Staatsklngheit. ES ist ungerecht, daß gewisse Bewohner deS Landes als schwedische Bürger angesehen werden sollen, sobald von Steuern und anderen Pflichten, nicht aber wenn von Rechten die Rede ist; es ist inhuman, die Glaubensverschicdcnheit als Veranlassung für politische Strafen zu nehmen, denn als solche muß cs betrachtet werden, wenn man sich eines Theils der Rechte beraubt sieht, die man in einem andern Falle als Mensch und Burger genießen würde; es ist unedel, wenn der Egoismus einer Majorität das Recht einer geringen Minorität unterdrückt. Die Staatbklngheit verbietet, Heloten in der Gesellschaft zu haben, welche nur mit halber Liebe und halbem Interesse das Land umfassen können, das ihr Vaterland ist, das sie aber doch in so vielen Beziehungen verstößt und ihre Ergebenheit, ihren Eifer, ihr Talent zurnckweist. Alle die Gründe, welche man gegen Emaneipation der Juden angeführt hat, redueircn sich im Grunde auf einen einzigen, nämlich ans den religiösen, mag muu diesen mm Frömmigkeit, Intoleranz oder Fanatismus nennen. Denn wenn auch ihre Gegner mancherlei von einer jüdischen Nationalität gesprochen haben, von gewissen, mit derselben im Zusammenhänge stehendenNationalsehlern (welche entweder gar nicht gefunden werden, oder eine Folge des unnatürlichen Druckes sind) so sieht man doch leicht, daß cs hiermit nicht Ernst ist, da Keiner dem Inden, sobald er durch die Taufe im Aeußcrir zu der herrschenden Kirche übergegangen ist, die vollen politischen und bürgerlichen Rechte vorenthalten wird. Man sieht dies auch leicht bei den Verhandlungen. des letzten Reichstags in Bezug auf diese Frage, besonders bei dem Priesterstande. Nachdem die Redner, # 12