Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1850)
- Date
- 1850-03-16
- Page
- Seite 41 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Berichte, Studien und Kritiken 1 Mer § Das Abomunent auf eia Jahr ist 5 Llnr. Man abonnirt bei allen lobt» Postämtern unö '1 allen solid. Buchdand- ') lungen auf ein Jahr.! ■ füg jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblart mitaerechnet, zwei Bogen, und zwar an fedem Dienstag regelmäßig. j Inhalt. Die Emaneipationsfrage in den Bairischen Kammern. Zweiter Artikel. — Deutschland Breslau. Eine tik-? Linksche Religionsscbule. Nathlofigkeit. Braun schweig. Das Lacobson's-Jnstitut zu Seesen. Wahre freie Erziehung. — Per-, / sonalchronik und MiscelLen. Pesth. Preßburg. — LB. d. Or. tmo, erpzig, den 16. März Die Emaneipationsfrage in den bmrifchen Kammern. z il - v Das charakteristische Merkmal der Abgeordneten in ^deutschen Ständcversammtungen, mehr gelehrt als gründ- Älich vorz nt ragen, als geistvoll und praktisch zu Freden, trat stets am Schroffsten in der Judenfrage hervor. Und wo auch diese in vormärzlicher Zeit zur ^Sprache kam, nirgends liest man es sich nehmen, in — ^dern Redner — behaglicher, — den Zuhörern — lang- '/Nveiliger Weise alle die Punkte, die schon hundertmal idurchsprochen und widerlegt waren, aufs Neue mit historischer Gründlichttit aufzniischen. Waren vollends Geistreiche in der.' betreffenden Kammer, so ermangelten sie -igewiß nicht, ihre Argumente wider die Juden aus dem ^Talmud zu holen, und sich so auf die wohlfeilste Art Zdas Ansehen zu geben, als liege ihrem gelehrten Blicke Knch mit siebeil Siegeln" geöffnet vor. Ja wer bibelfest zeigen wollte, der ging zurück auf die . ^osis, auf Joses, kurz, soweit als man ^urch Freund Eisenmengers Beistand gelangen konnte.. Mit diesen stets gleichen Waffen wurden in den -verschiedenen deutschen Kammern die Juden angegriffen, '.ffesp. geschlagen. So glich die Judenfrage einem Schau- Ipicl, dessen Aufführung allerorten dieselbe bleibt, nur daß der Erfolg je nach der Tüchtigkeit der Schauspieler ein verschiedener sein kann. Die frankfurter Grundrechte, selbst diecensirteDreikönigsansgabe und die österreichische Bearbeitung in. usum delpliini, schienen diesen stereotypen Judendcameu ein Ende'machen zu sollen. Und trauernd schloß so mancher Gegner der Juden seinen Eisenmenger und seinen Ghyllany in den Schrank, und weinte, da ec grdachto der schönen Tage, als von Thiele vom christlichen Staate gesprochen. Und doch verließ ihn die Hoffnung, nicht, daß „wenn Alle untreu werden" ein Staat'ffch treu bleiben, ein Staat das christliche Prinzip nicht aufgeben, ein Staat die Juden nicht gleichstellen werde. Und dieser Staat war Baiern. Und die Hoffnungen dieses Biedermannes sollten nicht zu Schanden werden. Schon im März 1848, also zu einer Zeit, da die. eingeschüchterten Negierungen anderwärts alle Forderungen des Volks bewilligten, da anderwärts überall Gleichstellung der Konfessionen verheißen wurde, versprach der König von Baiern nicht mehr, als die Vorlage eines Gesetzes über die Verbesserung der Lage der I s r a e (i ten. Diese Trennung der Judenfrage von der allgemeinen Konfessionsfrage, diese unermüdliche Judenabsperrung, und geschähe ffe auch nur ins Ghetto einer besondern Kammerverhandlung, erregte Unzufriedenheit, und die zweite Kammer lieh derselben in ihrer nur von zwei Geistlichen (Ruland und Ramesen) bekämpften Adresse an den König kräftige und energische Worte. „Möge sich ~~ hieß es da — das von Ew. Majestät 11