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Der Orient · 1850-03-02 · 9 (2.3.1850) · p. Spalte 129-130

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Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
9 (2.3.1850)
Date
1850-03-02
Page
Spalte 129-130 (sequence 1)
Language
German
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Meraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M ». Leipzig, den %. März An halt. Studien. Die literarischen Vorlagen des Talmuds. Der bibl. Kanon des Talmud's. Von Jul. Fürst. (Fortsetzung.) — Die Familie Kimchi. Von L. Dukes. Josef Kimchi. (Fortsetzung.) — Antidormana von R. I. Wunderbar/ — Literarische Miscellen. Bibliographische Berichtigungen. Von D. Holub in Lundenburg. Auskunft von Dr. Jos. Weisse. — Exegetische Miscellen. Erläuterung eines Namen aus dem Kultus. Von S. Braun, R. in Rawitsch. — Ankündigungen. Die literarischen Vorlagen des ' Talmuds. (Fortsetzung.) Neben der überlieferten Mittheilung, daß die prophetischen Erzeugnisse Jecheskel's von dem jüdisch-nationalen Rath während des letzten Jahrhunderts der persischen Oberhoheit über Judäa gesammelt und redigirt worden finb, hat sich auch noch eine Nachricht über diesen Propheten erhalten, die in die Entstehungsgeschichte des Kanon's einen interessanten Einblick gewährt. Die Prophetien waren längst gesammelt, in chronologische Ordnung 179 und zu einem Ganzen redigirt; über drei Jahrhunderte gingen hin, in wel- 179) Im Jabre 597 v. Ehr., bei dem ersten Exil unter Jehojachin oder Jechonja, mußte unser Priester und Prophet Jecheskel b. Busi sein Vaterland verlassen und sich am Ghaboras in Mesopotamien (— er entspringt bei Ras-el-"Ein unterhalb des musischen Gebirges und bei Karkemisch ergießt sich in den Eufrat ansiedeln. Im fünften Jahre dieser Emigration, d. h. 592 v. Ehr., begann seine Prophetengabe (Ez. 1, 1) und dauerte bis zum 27. Jahre seines ^ils, d. h. bis 570 v. Ehr. Alles was der Seher in den 22 Jahren seiner prophetischen Thätigkeit verfaßt hatte und in tmzelnen Rollen auch cirkulirte, das hat nach e. 150 Jahren ^er erwähnte Staatsrath gesammelt und nach der Zeitordnung Qufeinanber folgen lassen, nur ist Ez. 29, 17 die kleine Progerie vom '^7. Jahre eingefügt, weil sie ebenfalls Egypten frisst, die Prophetie über Lyrus (ib. c. 26— 28) ist vor te über Egypten gerückt, um dann .nicht unterbrochen zu Werden, hingegen ist Ez. 33, 21 offenbar rrW TlKO öu lesen. , chen Jecheskel als zu dem nationalen Schriftenthum gehörig wie ein heiliges Buch cirkulirte, da erkannte man bei näherer Erforschung, daß sein gesetzlicher Inhalt in dem Priesterregulativ mit den Anordnungen in dem mosaischen Fünfbuche nicht im Einklänge steht und kam in den Schulen zu dem Entschlüsse, es als apokryphisch dem öffentlichen Lesen zu entziehen. 180 Da trat CHananja b. Chiskijja b. Garon, ein jüngerer Zeitgenosse Hillel's (um Ehr. Geb.) auf, suchte großen Fleiß aus die Ausgleichliug zu verwenden, bis es ihm gelungen.181 Aus dieser Mitrheilung ist aber klar, daß man damals noch wagte, altnationale Schriften, wenn auch nicht aus kritischen doch aus mosaisch-gesetzlichen Rücksichten von dem Kanon abzusondern, und daß man sich hingegen nicht erlaubte, einzelne Stellen, Kapitel oder Partien aus einem Buche auszusondern, da man die Echtheit nicht mehr bezweifelte, und daß man endlich das Legislatorische im Pentateuch so über alle Kritik erhaben hielt, daß Alles sich ihm unterordnen mußte. 180) Mencrchot 45 a sind sämmtliche Widersprüche aufgezäblt und behandelt, wobei der erwähnte Satz immer vorkommt, daß Elijja künftig dieses Kapitel auslegen wird. 181) Sabbat 135; Chagiga 13a; Menachot 45 a. Die Stelle lautet: ri'pin p .TJim , DIU1? «ml IRIN IO! CTO mm rntt» biS'prp idd ujj nih , idk/ (in.i pj pw ’du rind 0 h t>yn? my no nun pmio j&yyn rp^yD 3^1 Einige unbedeutende Varianten, z. B. die Weglassung von enn , nbyn föc b b])7\ , iBm? für u. s. w. können für das Tatsächliche gar nicht in Betracht kommen. Die Zahl niND vhw isi eine runde Zahl, wie scheu Samuel b. Meir zu Pesach. 119a als allgemeine Regel zum Verständniß des Talmud aufstellt, und es daher in der bildlichen Sprache eigentlich heißt, man habe ihm viel Oel zum Bedarf der Nachtwachen gegeben, damit er die Widersprüche zu lösen im Stande, sein soll. 9

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