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Der Orient · 1850-02-23 · Heft 8 (23.2.1850) · p. Seite 32

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 8 (23.2.1850)
Date
1850-02-23
Page
Seite 32 (sequence 7)
Language
German
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32 möge doch den schlechtgesinnten Juden die Gewölbe sperren und die Ausübung der Handwerke verbieten. Haynau wies ihnen die Thüre, wie es Jellachich in Wien ähnlich gesinnten Bürgern that. Bei allem Groll'und Grimm gegen die Inden konnte Haynau bei dieser Gelegenheit seinen Mißmuth gegen die Philister keinen Einhalt thun; allein bei anderer Gelegenheit erwies er, daß selbst Gesetz und Gericht Niemand, am wenigsten einen Juden, vor seinem Eigenwillen schützen. Voriges Jahr wurden in Güns lagernde Kroaten von ungarischen Landstürmlern überfallen und um gebracht. Der eingcleitete Kriminalprozeß endete damit, daß dieser Tage acht Individuen am Orte der That, als des Mordes schuldig, gehenkt wurden. Unter diesen Verurteilten befand sich ein siebenzehnjähriger Ungar. Die Untersuchung hat zur Evidenz erwiesen, daß dieser.Bursche keinen der Kroaten gctödtet hat, er hat keinem mit einer Waffe eine Wunde beigcbracht; gezwungen von den anderen fanatisirtcn Gesellen mußte sich dieser Arme an den Ort begeben, wo die Kroaten gefangen waren, und sie hcraustrieben, wo sie dann als unglückliche Opfer der Volkswuth fielen. Der Bursche eignete sich einen Tornister eines getödteten Kroaten zu, worin sich einige Zwanziger und ein paar Rasirmesser befanden. In Anbetracht dieser genau ernirten Umstände hatte das Militärgericht auf Antrag des Auditors das Urtheil auf zehnjährige Schanzarbeit in Eisen ausgesprochen. Haynau, dem die Urtheile zur Bestätigung unterbreitet wurden, strich dasselbe und setzte dafür: Tod durch den Strang. Der Grund zu dieser Verschärfung liegt in dem Umstande, daß der Bursche ein Jude war. Ob eine solche Aendecung des Urtheils rechtlich ist, kommt nicht in Frage bei so vielen Ungerechtigkeiten; und ein Gehenkter mehr oder weniger macht die Schuld nicht größer und nicht kleiner. Es ist dies der einzige Jude, welcher während dieser Bewegung am Galg'cn endete; erschossen wurden Mehrere sowohl von den Magyaren, als von den Kaiserlichen. Notizen aus dem vorigen Jahrhundert. (Gesammelt von L. Weil in Lisfli.) 1. Betriebsamkeit der Juden und christliche Toleranz. Im Jahre 1785 haben die Kaufleute Meyer Friedländer, S. Friedburg und Joseph Seliginann in Königsberg in Pr. eine Gaze-Fabrik angelegt. Ein Jahr darauf waren in derselben schon, 7 Stühle im Gange. Die öffentlichen Blätter lobten dasUntcrnehmen der Juden und luden arbeitslose Personen, ja selbst Kinder ein, sich bei dem genannten Institute durch Seide wickeln u. dgl. ihre» Unterhalt zu verdienen. Dies kam bei der damaligen großen Thenerung so mancher armen Witwe und mancher Waise sehr gut zu statten. Das Arbeiter-Personal in der Gaze-Fabrik soll fast zum dritten Theile aus jüd. Jünglingen und Mädchen bestanden haben, was im I. 1786 sehr viel sagen wollte. Ein damals in K. lebender Stud. R. O. Melun aus Colmar schrieb an den Herausgeber einer Mainzer Monatsschrift1 * 3 einen fr ein g. B e r icht über die gedachte Fabrik, aus welchem wir den interessanten Schluß hier in ziemlich wortgctrcner Uebersetzung folgen lassen: ,,Jch kann — schreibt M. — bei dieser Gelegenheit Etwas, das mir lange auf dem Herzen tag, nicht verschweigen. Vor 4 Jahren ungefähr sah ich einen großen starken Juden bei seinen Glaubensgenossen betteln. ,,Könnt Ihr nicht arbeiten?" —- fragte ich ihn. ,,O ja, gnädiger Herr, wenn ich nur dürste", — war des Juden Antwort. Da dachte ich bei mir und wagte cs nicht anszusprechen: O möchten doch die Großen dieser Erde sich endlich dieses armen Volkes erbarmen! Ans den österreichischen Landen sollen, wenn die Zeitungen nicht lügen, nun gar alle jüdischen Bettler.sortgejagt werden. Und eo sind doch Menschen, und sie können arbeiten! Wenn sie keine Kriegsdienste thun, so ist es nicht ihre Schuld; sie werden ja vom Dienste ausgeschlossen (exeeptes). Und übrigens müssen sie doch genug für denselben bezahlen, b Ihre Vorurtheile werden sich nach und nach verlieren, wie die nnsrigen ........ 4 5 Mit Freuden habe ich oft wahrgenommen, wie einige der hiesigen jüdischen Häuser den Dürftigen — ohne Unterschied des Glaubens — hilfreiche Hand boten. Und jeder Jude, der hier nur im Geringsten Anspruch auf Erziehung macht, schämt sich, die geringste Intoleranz zu äußern! (faire connailre). Dagegen noch mancher Christ, den! Geburt, Erziehung und Amt über dergleichen Vorurtheile! hinauösetzen sollten, auch dem rechtschaffensten und gebildetesten Juden schnöde begegnet (briisque). — Sie wissen, Hr. Redakteur, ich gehöre nicht zu diesem Volke: aber mich jammert seiner, weil eS No th leidet." — Das ist vor 64 Jahren von einem Stud. christl. Konfession über die Juden geschrieben und in einem Mainzer Blatt veröffentlicht worden. Vor 2 I a hr e n waren die Juden Dentschlands nech n i ch t e m a n e i p i r t. — 11 L'Industrie p. M. Cherbourg;. 2j Aus dem Mainzer Bl. entnommen und wörtlich abgedruckt in die 1789 in Brüssel erschienen Broschüre „Qui; est mon ami?“ ^anonym). 3) Hier kann M. nur die preriß. Inden gemeint haben, denn die in Oesterreich waren dazumal schon militärpflichtig. 4) An dieser Stelle ruft M. <uit>: „Und sollte nach d'em Plane des Mqütigen nicht einmal das grausame Kriegführen - sammt allem Menschenhaß, aller Verfolgung und Intoleranz j'- gänzlich aufhören? N. dgl m. — r: 5) Aehnliche Proben toleranter Gesinnung in unserer^ nächsten Sendung. ' \'f: Druck von I. H. Nagel. Verlag von C. L. Fritzsche.

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