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Der Orient · 1850-02-16 · Heft 7 (16.2.1850) · p. Seite 28

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 7 (16.2.1850)
Date
1850-02-16
Page
Seite 28 (sequence 7)
Language
German
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Viiizetr in sich die Hälfte aller ansässigen Juden des Königreichs, mehr als 6000 Familien vdn den überhaupt in Baiern eingebürgerten 12,369, während in den genannten altbairischen Kreisen (ohne Schwaben) im ganzen nur 300 Familien ansäßig sind. Das Referat im Ausschüsse der 1. Kammer wird von dem Reichsrath Grafen Montgelas dieser Tage erstattet , so daß in der künftigen Woche die Entscheidung dieser an sich und im Zusammenhang mit dem Ganzen wichtigen politischen Frage fallen wird. Wie ich vernehme, sollen einige abwesende Mitglieder der Paine von ihren Freunden ein berufen worden sein und zu kommen versprochen haßen, um den ernstlich gewollten Antrag auf Zurückweisung des ganzen Gesetzentwurfs an die Staatsregierung, worüber jedoch zur Zeit noch die Stimmen schwanken, durchzufttzen. Wie man aber alsdann diesen Fall bei der Revision der Verfassung mit der Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntnisse vereinigen will, ist schwer abzusehen, man möchte denn die Judeusrage für eine rein politische halten. München, 29. Jan.. Bekanntlich wurde während der Debatte über die Emancipation der Juden in der Kammer der Abgeordneten, Ln der Sitzung vom -.13. Dec. v. I., eine Erklärung des Rabbiners Aub dahierbezüglich des Talmud, verlesen, deren Schlußstelle lautet : ,,Indessen, da nach dem leider , bei der in Rede stehenden Debatte so vielfach gehörten, rin so gro- Ios Mißtrauen gegen uns Juden und unsere Sittenlehre, selbst bei den vielseitig gebildeten Theologen, noch besteht, so erkläre ich hiermit im Namen aller Rabbiner und aller Juden ' des deutschen Vaterlandes aus das Feierlichstedaß wir jede in Bezug der Sittlichkeit zweideutige Stelle im Talmud oder Ln den später« hebräischen Schriften, die von einem einzelnen Rabbi oder von mehreren Rabbinern auöging, nicht nur als nicht verbindlich erachten, sondern dieselbe ein für allemal verwerfen." ' Sämmtliche Rabbiner Baierns wurden vom Rabbiner Aub anfgefordert, seiner Erklärung beizutretcn. Bereits haben von den 41 Rabbinern 40 ihre deofallsige Erklärung eiugescndet, 31 derselben sind der Erklärung des Herrn Aub unbedingt beigctreteu, 9 Rabbiner streng orthodoxer Richtung traten der Erklärung tm Wesen bei, hätten aber eine andere Fassung derselben gewünscht, indem nach ihrer Ansicht sich im Talmud gar keine zweideutige Stelle befinde, und erboten sich, auf jeden hierauf bezüglichen Angriff, die genügendste Antwort zu geben. Sämmtliche, großtcntheils trefflich motivirte Erklärungen werden der Kammer der " Reichsräthe eingereicht werden. Dem bekannten Anträge des Abgeordneten Dr. Sepp, vor der Entscheidung der Emancipationsfrage ein Sanhedrin zu berufen, dürfte dem Zwecke nach durch obige Erklärungen entsprochen seinfreilich ohne das Resultat ergeben haben, welches Dr. Sepp und seine Gesinnungsgenossen gewünscht haben mögen. . München, 30. Jan. Der Bericht des Referenten der Kammer der Reichsräthe in der Judenemancipationssrage, ReichSraths Grafen Montgelas, soll fertig sein und das Gutachten auf unbedingten Anschluß an den Beschluß der Kammer der Abgeordneten lauten. Hirschberg, 29. Jan. Wir sahen heute einen jüdischen Bcgräbnißzug durch unsere Stadt sich bewegen» der sich von dem früheren dadurch auszeichncte, daß die Leiche in einem Sarge, was bis jetzt hier noch nie geschehen ist, auf den Acker der Ruhe und des Friedens gefahren werden ist. Der unverhoffte Tod des jugendlichen Bankier M. Schlesinger Hierselbst veranlaßte in der jüdischen Gemeinde ein Circular, ob es gestattet sei, den Todten in einem Sarge zu beerdigen, und die Randbemerkungen der Untcrzrichneten bezeugten, daß cs schon längst jedes Einzelnen Wunsch war, den alten Gebrauch zu beseitigen. Polen und Rußland. Knirsch, im Jan. Wie verlautet, beabsichtigt der hiesige Gemeinde-Vorstand die erledigte Rabbinatsstelle dem Oberrabbiner'in Posen, Hrn S. Eg er zu übertragen. So sehr auch wir cs im Interesse der Gemeinde wünschen, daß diesem energischen und thatkrästigen Manne diese Stelle übergeben wird, indem wir dann hoffen dürften, daß eine ReligionSschnle, um die sich schon Hr. Eger früher bemühte, ins Leben gerufen wird , so zweiften wir sehr, ob Hr. Eger Posen, den Sitz seines berühmten Vaters seligen Andenkens mit Kalisch vertauschen wird. — Der zweite Kandidat dürfte dann Hr. Obcrrabbiner Mal bim in Kempen sein. — Personalchronik und Miscellen. Griechenland. England hctt die Häfen Griechenland's, angeblich wegen verschiedener Geldforderungen gesperrt und es ist möglich, daß dies Veranlassung zu einem Kriege wird. Unter den Forderungen ist auch Eme von 800,000 Drachmen für einen Juden, den der griechische fanatische Pöbel beraubte. Er war Konsul in Athen. So schützt England feine Ilnterthanen. —- * » Padua. Unser berühmter Mitarbeiter Luzzalto hat in der Akademie der Wissenschafter einen Vortrag mitgetheift: jjCalendaVio Ebraica per venti secoli esteso con nuovo iivetodo4*, der auf Kosten der Akademie in Quart gedruckt wurde. Es ist darin das Ausführlichste über 211 und die Tabellen zu demselben. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von J> H. Nage l.

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