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Der Orient · 1850-02-02 · Heft 5 (2.2.1850) · p. Seite 19

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 5 (2.2.1850)
Date
1850-02-02
Page
Seite 19 (sequence 5)
Language
German
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Mn großem und kleinem'Synagogen-Verbärgen des GroßherzogthumS, welche wir so bald als möglich Ln diesen Blättern wieder einmal wollen die Revue Yassiren lassen. Für heute noch die Notiz, daß der B e k leid u n g S- und H and Werks - Unter stü tzlln gsvere i n zu Li ssa, wie in jedem Jahre, auch zu Anfang dieses Semesters eine beträchtliche Anzahl iörael. Armenschülcr mit vollständiger Winterkleidung versehen hat.^ Der^ genannte Verein besteht schon 6. 24 Jahre und verdiente unter den vielen jüdischen Vereinen Lissa'S (über die wir uns einen ausführlichen Bericht Vorbehalten) init rn den wirksamsten und nützlichsten gcZählt z:u werden. L. W. Von der Oder im Januar. Bevor ich zu der in meinenr letzten Artikel erwähnten drei Materien schreite, erlaube ich mir eine Bemerkung zu machen. Ich erinnere mich einmal in der trefflichen Schrift die Bemerkung gelesen zu haben, daß m Polen im Gegensatz zu Deutschland und nicht geschrieben und gesprochen wird, weil die Doktoren in Deutschland i"? -uü.-i — sind; dies scheint mir jedoch m Bezug auf die modernen Rabbinatödektorcn nicht aulvendbar zn sein, denn diese Herren erhalten mit dem Doktorhut plötzlich ein und werden durch und durch vom A-Ns)."! NN durchdrungen. Es ist rührend mit anzusehcn, wie diese Doktoren mit einem Mal die TMIN auf sich nehmen; früher waren sie unschuldig wie die Inden vor der Gesetzgebung, sie konnten sogar ^INN genießen und nun — sind sie plötzlich in die p'pnn in die Milchstraße versetzt und schauen mit Verachtung auf herab. Doch diese Mlchv.erachtnng hat sehr viel Gutes für unsere Doktir, denn sie ist das beste Befördernngsmiltel zur Erlangung einer rentablen Milchkuh, d. i. zur Erlangung etner guten Rabbinatsstelle. 'Wird irgendwo eine Vacanz ruchbar, da stellt sich unser Candidat ein n«d macht folgendes stichhaltige Manöver. Er besucht alle Diejenigen, die ihm bei seinem Vorhaben nützlich zu sein scheinen und präsentirt ihnen den mit einem tiefen Käppchen bedeckten Hirnschädel; beim Genüße der anfgewarteten Leckerbissen benimmt er sich sehr delikat; — bei dem Sachkenner spricht er sehr wenig und überläßt durch kluges Schweigen dem Urtheil der Nethivendigkeit Mer Nichts nicht zu urtheilen; dahingegen ist sein Nede- -ftuß bei dem Ungelehrten unerschöpflich, jede Wissenschaft^ wird in Fetzen gerissen und hiermit reißt es Alles mit sich fort ,,ein Universatkops" ruft der Eine, ,,eine seltne Erscheinung" meint der Zweite, ,,ein ungeheurer Gelehrter und doch so bescheiden" fügt der Dritte hinzu, ,,und so liebenswürdig in seinem Benehmen" setzt .noch die Frau Vorsteherin hinzu, kurz: ,,HerrDoktor werden morgen predigen" geht'ö vom Mund zum Mmwe. Hat aber unser Doktor erst die Predigt erlangt, dann ist Alles gewonnen. Er besteigt die Kanzel und entzückt Alle. Eine Portion Bigotterie, gesalzt und gepfeffert mit Orthedorie und Pietismus und überzogen mit dem Znck'erbrei rhetorischer Floskeln weiß den gottlosesten Mund zu wässern, und um seine Pastorale Bedeutsamkeit kurz und bündig darzulegen, ruft er emphatisch ans: ^,Mit dem Schulchan Aruch in der einen und dem 3) Näheres über diesen Verein haben wir bereits in Nr. 19 des Orients 1847 von Posen aus berichtet. Hirtenstab in der andern Hand, werde ich ein treuer Hirte meiner Heerde sein!" Der Doktor steigt von der Kanzel, erhalt die herzlichsten Gratulationen, erlangt die hübsche Stelle und — lacht sich in's Fäustchen. — Nach dieser Bemerkung, die allerdings länger als ich Anfangs geglaubt, geworden ist,^will ich mm gerne gestehen, daß diese Regel wohl manche Ausnahme hat. Es gicbt so manchen Rabbiner, der trotz des erkauften Doktortitcls doch aufrichtig fromm ist und diesem mag man freilich die Achtung nicht versagt«. Es muß nur natürlich hierbei die Frage sich aufdrängen, warum diese wirklich frommen Rabbincn 5W-M OIU sind und sich für das ausgcbcn, was sie nicht sind? Indeß giebt cs keinen Menschen ohne Fehler und wir wollen hier NOt ff"! sein — —. Doch die Gemeinden Jeschuruns möchte ich fragen: Ist es Euch so ganz gleichgültig, ob Euer Prediger einen Titel mit Recht oder Unrecht führt? Darf der Verkünder der Sittlichkeit durch sich selbst ein leibhaftes Dementi der Sittlichkeit geben? Jnteressirt es Euch gar nicht zu wissen, ob Euer Rabbi durch sein Studium, oder durch ein halb Dutzend Friedrichsdor Doktor geworden ist? Seid Ihr nicht zur Ueberzeugung gelangt, daß die erlangte Emancipation jenen Schlendrian endlich ein Ende gemacht? Doch genug der Fragen! Bei dem steten Fortschritt der Bildung und dem allmäligen Einfluß der bürgerlichen Gleichstellung, werdet Ihr wahrscheinlich später mit der That die Antwort geben und das Unwesen des bisherigen Halbwcsens zn würdigen wissen. — Nun ein wohlgemeintes Wert an Hrn. F. aus Breslau. Ans Ihrer Korrespondenz (Nr. 51) geht hervor, daß Sie an Seitenstechen leiden, lch meine daß Sie nach mancher Seite hin einen Stich versetzen, während Sie gleichzeitig, doch'nur scheinbar eines Dritten sich cmnehmen. Sie schützen den? Hrn. W. und ziehen loS auf Hrn. C. Gestehen Sie cs nur ."O.lk. — Ich habe nichts dagegen, denn während icb eine Gemeinde wie Lnb l i n i tz wegen ihrer Rabbincnvah! bemitleide, bedauere ich nun Zucht minder die Gemeinde zn Oppeln, die dem Zeitgeiste wohl etwas mehr Rechnung tragen sollte. Sie mögen mir glauben, daß ich früher nicht gewußt habe, daß Hr. Cohm ein moderner Doktor ist. Was ich aber herzlich bedauere und Ihnen meine aufrichtige Theilnahmc hierüber äußere, ist, daß Sie auch kurzsichtig sind. Wo in aller Welt haben Sie in meinen Zeilen etwas von „uyna. toi'ann" bemerkt? Ich habe daselbst die Rabbineu alten Schlages in Schutz genommen, und ihnen ihr gebührendes Verdienst gelassen. Was ich daselbst tadelte, war das unsittliche Treiben der Titeljägerei und den Jndifferentismus der Gemeinden m Beziehung der Fähigkeit ihrer Rabbincn. Da mir also das Wohl des JudenthnmS und seiner heiligen Religion?nicht minder als Ihnen am Herzen liegt, so schreibe ich Ihreverdächtigenden Worte nur ihrer - Kurzsichtigkeit zu und empfehle Ihnen daher sekundlichst statt Ihrer täuschen-, den Brille eine bessere sich anfznsetzen,' damit'Sie' kein L für U lesen. ' Oesterreich. Preßbuvg, im Decbr. 1849. (Schluß.) Überhaupt ist cs nicht zu'begreifen, wie dann eine Eman-

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