Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1850)
- Date
- 1850-01-19
- Page
- Seite 12 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Unthätigkclt zu einem etwas bessern Leben, emporgerafft und uufgerichtet haben? Warum werden gerade in L. die Freunde der Bildung gehaßt, geschmäht und verhöhnt? Um dieses Näthset zu lösen , muffen wir vorerst den Hauptpunkt angeben, um welchen die hiesige'Gemeinde ihr-e stets schiefe und daher unglückliche Bewegung hat. (Schon seit Jahren gftbt sich Leipnik zürn gemeinschaftlichen Cloak von Ungarn und Mähren her, indem deren Auswurf ausgenommen (wo aber freilich manchmal auch dine.unversehens mitgcrisscne Perle gefunden wird), und woraus das vielfüßige Ungeheuer rp'&y' oder die sogenanute Leibzedakcl- Gesellschaft (die Etymologie dieses i Wortes ist uns unbekannt)/ von welcher Hr. Unger und Hr. Boß allenfalls ausgeschlossen sind, entstand. Au diesem Ungeheuer zählt man gegenwärtig zu Folge eines Gliederreißens zwanzig Glieder, deren jedes nns cheiHt. Das Auffallendste dabei ist, daß es ewig ohne Kopf, Phne Herz und ohne Gefühl lebt. Das Aenßere ernes.solchen Bachurs entspricht seiner inncrn Sinnesart aufs Vollkommenste, trotzig in der Miene, keck im Tone der Stimme, brutal -und ungeschliffen im Benehmen, es braucht-übrigens nicht erst bewiesen zu werden, daß Unwissenheit der Hauptzug im Charakter dieser Kreatur bildet. Die Lehre-eines Momentes, wie der gegenwärtige, .scheint dieser schwarzen Leibwache der Orthodoxie unbeachtet vorüber zu gehen,, vielrnehr versetzt sich jedes Individuum derselben zurück in das goldene Zeitalter dM Mabbittlsmus, wo cs von demselben hieß : .m “pDn rn HD "ION) und bringt zu den ganzen lieben -Tag -mit seinem Licblmgöstudium .Nnci Vernach- -läßigt hingegen ff'in und dessen uothwendigen Vor- 'kenntnisse und zwar so,, daß wenn man ihrn auf eine -im ^Pentateuch befindliche Stelle fragt, er die sirupte Antwort giebt, sie sei .^u nuten in ,,Gittin^ und nw /Midda^. Zum Lachen ist es, wenn ein Bachm zufälligerweise in eine .gebildete Gesellschaft versetzt wird, wo von hebräischer Literatur oder allgemeiner Meligionsphilosophle abgehandelt wird, dieser Einfaltspinsel wie betroffen dasteht und wie ein Affe nach Men Seiten hingafft, er macht sich gleich ans und davon mit dem naiven Ausdruck: poy *6 Auf dieser Stufe der Bildung steht -nun diese arme -seelenlose .Finsterlingen-Gesellschaft in dem aufgehctttcn ,19, Jahrhundert, trotz dem Lichte der Aufklärung , das -sich überall beurkundet, treibt sie ohne alle Scheu das .Werk -der Finsterniß. Diesen wird hier die zarte Jugend anvertraut, diese sollen den Knaben znm Menschen heranbilden., -diese selten in. dessen jungen Jahren, wo alle Tiefen des Herzens .sich erschließen , den Grundstein zum Tempel der Bildung legen , diese sotten endlich mit einer glücklichen Wahlrichtiger Ideen ihren Schülern woranleuchten! Wie,oft wird der Hauch eines -Verlag vmr C. L. Fritz sehe. talentvollen Knaben von der Ignoranz verpestet, wie oft die himmlische Flamme gedämpft und erloschen, wie oft lvird leider schon in der Kindheit durch die Irrlehren dieser verschlagenen Orthodoxen, der Keim zur Verachtung der Kultur und der Wissenschaft gelegt! Was Wunder also, wenn dieses schnell wuchernde llnkcaut beim Heranwachsen der Jugend alle Bildung hinweg spottet und sic mü beiden Händen wegstößt, verdrängt, verachtet und mißhandelt. — Mögen doch einmal auch die Finsterlinge und Lichtscheuen die wohltätigen und heilsamen Strahleil der Bildungssonne empfinden und sich überzeugen lernen, daß nur Bildung und Wissenschaft die einzigen Schwingen sind, womit der Mensch sich zu seiner wahren Bestimmung erheben kann. — Wien, 31. Deebr. 1849. Dr. F is chhos ist zum Mitgliede der medieimschen Fakultät erwählt worden, und da hiermit stets das Ehrenbürgerrecht der Hauptstadt herkömmlich verknüpft ist, so kann er in Zukunft unter keinem Vorwände von hier ansgew lesen werden. Seine Stelle als Seknndararzt im L ft allgemeinen Krankenhanse hat Dr. Fischhof aufgegeben, dagegen wird er sich fortan der Praxis widmen, und schell in den nächsten 'Tagen dürste in den Zeitungen eine Ansprache erscheinen , worin sich der schwergeprüfte Liberale dem Publikum als Arzt empfehlen will. In Ssrndee (Galizien) hat der Magistrat auf Antrag des Bürgcrausschusfts, den christlichen Hauseigcnthümern bei. einer Strafe von 50 fl. untersagt, Juden in Miethe zu nehmen. 3'- '/' Personalchromk und Miscellru. Leipzig., 11. Zan. Vi^Ntlchl üi€rct meinem Laadsman,n aus Leipnik in dieser Nummer mein Name um* Garantie, daß ich keine Apolyeoft d<r Bachurim, dieser letzten dii minurunt..genüuni, schreibtn werde. Allein sch Halle es im Jntereffe der Wissenschaft für einseilig, das Bachur-.mwesen mir Spott und Hohn .zu überziehen. Bis jetzt gikb.t es keine "andern Talmudschulcn als die Jeschrbor, und aus denselben sind die Koryphäen der jüdischen Wissenschaft chervorgegaugen. Man verbessere, reformire, veredle, ergänze; allein solange die Ieschiboc die einzigen Pflanzstätten deL Talmuds, des Mittelpunktes in der Peripherie der jüdischen Wissenschaft, sind, sei man milde'und schonend gegen dieselben und strebe blos dahin, ihnen eine bessere Richtung zu geben. Prediger Zellinek. Druck von I. H. Nagel.