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Der Orient · 1849-12-29 · Heft 52 (29.12.1849) · p. Seite 228

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 52 (29.12.1849)
Date
1849-12-29
Page
Seite 228 (sequence 7)
Language
German
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228 voll Kraft und Feuer. Jetzt steht also die Entscheidung bei' der Kammer der Reichsräthe. — Der Gesetzentwurf über diestaatsbürgerlichen und bürgerlichen Rechte der israeliriscix-en Staatsangehörigen lautet nach dem Beschlüsse der Kammer der Abgeordneten : Art. 1« Den israelitischen Staatsangehörigen stehen fortan im ganzen Umfange des Königreichs bei gleichen Pflichten auch gleiche staatsbürgerliche (politische) und bürgerliche Rechte mit dm christlichen Staatsbürgern zu. Art. 2. Vorstehende Bestimmung, welche die kirchlicher, und Schulverhältrusse der Israeliten unberührt laßt, soll als ein ergänzender Bestandtbeil der Verfaffungsurkunde angesehen werden. Dieselbe tritt mit dem- Lage der Bekanntmachung in Wirksamkeit und kann nur in der durch Art. X {. 7 der Verfassungsurkunde vorgeschrrebemn Weise abgeandert werden. Alle entgegenstehende Bestimmungen früherer Gesetze und Verordnungen sind aufgehoben. Art. 3. (Transitorische Bestimmung.) Bei Anjüssl'gmachuiigen der Israeliten in Gemeinden diesseits des Rheins, in welchen bis jetzt solche nicht ansässig waren,-und in jenen Gemeinden, in denen sie bisher ansässig waren - über die Zahl der bis jetzt ansässigen Familien, steht den betreffenden Gemeinden bis zum Erscheinen des revidirten Gemeilid§rdikls und der revidirten Gesetze über Ansässigmachung und Verehelichung das Absolut hindernde Widerspruchsrecht zu. Ntüucherr, 16. Deebr. Wir habenseitdem Beschlüsse der Abgeordnetenkammer über das Judenf iit a 5tci p ationsgefe tz absichtlich einen Tag oergehenlasseii^ mit den erstell Eindruck desselben auf das größere Publikum kennen zu -lernen. Hier in/München, wo es zwar nicht an Inden fehlt, /auch nicht an solchen, die unter dem Schutze irgend einer Firma einen wahrhaft gräulichen Geldwucher treiben (ein Geschäft freilich, das hier auch Christen aller Stände höchst lebhaft betreiben), wird verhättnißmäßig wenig von allen den Nebeln empfunden, - die mit dem Ansiedelu von Juden unter Christen für diese Letztem verbunden sein sollen. Demgemäß sollte man meinen, das hiesige Publikum werde sich wenig oder gar nicht darum kümmern, ob die Juden im Lande den Christen gleichgestellt werden oder nicht, um so welliger, als das fromme München in keinem Falle fürchten darf, die emaneipirten Israeliten dürsten sich vielleicht mit der Zeit gar des Altars und des Beichtstuhls bemächtigen. Und doch findet gerade das Gegeutheil .statt. Jin jndenreichen Franken und Schwaben — wenn nicht anders durch die Geistlichkeit und durch die sonstigen Elnaneipationsgegner noch Aufregung hingetragen wird — ist's gewiß mäuschenstill gegen hier bei uns, wo kein Mittel nnaugewendet geblieben ist, das' geeignet sein konnte, die Leidenschaften anzustachelii. Wohin man mir kolnmt, da kann man über die unkirchlichc Regierung und über die ketzerische Kammer schimpfen Heren in einer wahrhaft märzlichen Ungmirtheit, und selbst an Drohungen ähnlicher Art, wie sie von einigen frommen Herren auch in der Kammer geäußert wurden, fehlt es keineswegs. Dieses Strohfcuer, eben weil es nur ein künstlich angefachtes ist, wird jedoch voraussichtlich schnell vorübergehen null um so gewisser vernünftigen Ansichten Platz mache», E je mehr zuftiedengestellt Diejenigeil silld, welche nich! vom politischen Parteistandpunkt aus oder in pure,,^ Fanatismus, sondern in gerechter Würdigung der in ] gemeindlicher Beziehung wirklich gegebenen Bedenke»,; sich dem - ministeriellen Gesetzentwürfe widersetzt habe,» - Diese Alle getrosten sich nämlich der guten Hoffnung, j daß daS revidirte Gemeindcedikt milsamnlt den revidirtc,^ Gesetzen über Verehelichung und Ansässigmachuug scho» - die nöthige Sorge dafür tragen werde,- daß keiner chrifi-! lichen Gemeinde die israelitische Mitbevölkerung nbcw den Kopf wachsen könne, und schon jetzt läßt sich mit \ Bestimmtheit entnehmen, daß ntan vor lauter Eifer, dil^ bairischen Christeligenteinden vor dem Eindringen dciV Juden sicherzustellen, wieder das Kind mit dem Bat j ansschntten, nämlich seinen eigenen Angehörigen allig Vorbedingungen der Ansiedelung rnöglichst erschwere» ß wird. Eben darum verlangt ja das Volk frit cuiein I Decennium nach einer Revision der genannten.Gesetze, ß weil sie zu streng sind; wie soll es erst werden , wen» das Ein- und Widerspruchsrecht der Gemeinden eine noch sonverainerc Bedeutung erhalten soll? München, 16. Deebr. Die Emanclpatipati o ns fra ge hat die seitherige Majorität «ich nur gänzlich gesprengt, sondern auch eine höchst seindselige Stimmung und Gegenüberstellung des rechte» Centrums mit der Rechten an die Stelle der früher» Harinonie gesetzt. Die Erbitterung über den Beschluß, Die Debatte nach der Rede des Grasen Hegnenberg z» schließen, hat zu höchst stürmischen Scenen im Vorzimmer des Saals, deren ich bereits neulich erwähnte, gcführt. Nachklciuge dieser Verstimmung finden sich im Volksboten und im Münchener Tageblatt, wo ein förmlicher Krenzzng gegen die Inden gepredigt und ein Adressenstnrm gegen die Emancipation an die Kammer der Reichsräthe, die allein noch Helsen könne, heraufbeschworen wird. Leute, welche die Stimmung Altbcnerns genau kennen, versichern übrigens, daß diese fanatischen Aufforderungen in Felge des Jagdgesetzes wenig Anklang finden werden. Die Sprache der genannten nt,d anderer geistesverwandten Blätter übersteigt die Blüthezeit der radikalen Presse. Oesterreich. Wien, 10. Deebr. Berichten aus Prag zufolge wird nun das dortige Ghetto wirklich aushören ju 1 bestehen, und eine Verschmelzng der I ud engem c in dc mit der christlichen verfassungsmäßig eintreten. Die von letzterer dazu gestellten Bedingungen erstrecken sich hauptsächlich auf Überlassung der den Inden eigenthümlich gehörigen Kolnmnnalgebände und auf Entrichtung einer Einkaufssumme voll 80,000 Fl., wogegen die gleiche Berechtigung an allen städtischen Armen- und Wohlthätigkeitsanstalten eintreten sollte. Die darüber gepflogenen Unterhandlungen haben, wie man vernimmt, das erwünschte Resultat herbcigeführt. , Verlag von C. L. Fritz sch e° Druck von I. H. Nagel.

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