Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1849)
- Date
- 1849-12-08
- Page
- Seite 213 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Beriehte. St«öien und Kritiken Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen aus ein Jahr für jüdische Geschichte und Herausgegeben von Literatur. Jahrgang Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich dasLittraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. Di-. Julius Fürst. M 4». Leipzig, dm 8. Deceniber 184». Inhalt. Deutschland. Leipzig. Der Todestag Hermann Jellinek'S. Boskowitz. Nekrolog. Groß herzogt hum Baden. Der Synagogenrath. Geismar. Schott. Die Emancipation in den Städten. A u s s e e. 'Die nächste Gemeinde- ContzregaLion. — Oesterreich. Stanislau. Schulwesen. Preßburg. Ein Jude als Lehrer am Gymnasium. Die Martinsgans. — LB. d.Or. Deutschland. Leipzig, 23. Nvbr. (Der Todestag Hermann Jellinek's.) Das Andenken an diesen scharfen Geist, unerschütterlichen Charakter und aufopferungsfähigen Patrioten ist, trotz der vielen blutigm Opfer, die seit dem 23. Nvbr. 1848 gefallen sind, nicht aus dem Gedächtniß der denkenden Deutschen geschwunden. Dienstag, den 20. d. M. hielt der talentvolle Julius Schanz eine Gedachtnißrede auf Hermann Jellinek im hiksigen Volksverein, der seine Versammlungen im „Schützenhause" hält, wo H. I. zuerst öffentlich gesprochen hatte. Donnerstag, den 22. d. M. Abends versammelte sich eine Elite von Gelehrten, Dichtern, Schriftstellern und überhaupt eine Anzahl Männer von Intelligenz bei Hrn. K., um den letzten Abend H. J.'s wehmüthig zu feiern. Nachdem das Tovesurtel und die letzten Briefe H. J.'s verlesen wurden, sprach ein junger Dichter folgendes schöne Gedicht: Hermann Jellinek, (erschossen am 23« November 1848 zu Wien.) War ein kräflger Eichenbaum Deutschem Land entsprossen, War zum weiten Himmelsraum Schlank emporgeschofftn z Sieh, da kam des Sturmes Tag, Und die Blitze lohten — Und die Eiche brannt' und brach : Selig sind die To dren. War ein jugendlicher Mann: Mlt des Denkers Waffen Kämpft' er gegen Knechtung an, Sprach er Trotz den Pfaffen; Weil zum Streit er kühn und frei Wort und Schrift entboten, Traf sein Herz das Todesblei: SeligsinddieTodten. I e l l i n e k, Du edler Sproß Aus Spmoza's Samen, Als Dein edles Herzblut floß In der Freiheit Namen, Ahntest Du die Leiden nicht. Die uns noch bedrohten; Dir erschien die Zukunft licht — Selig sind die Todtrn. Weh, es schied ein ganzes Jahr, Seit sie Dich erschossen; Weh, seitdem ward unzählbar Menschenblut vergossen; Weh, seitdem ist rothgedüngt Unser deutscher Boden; Weh, seitdem gar Mancher singt: SeligsinddieTodten. Dann wurde H. J.'s Biographie vorgetesen, welcher folgende Worte des jungen Dichters folgten: Wir haben, m. Fr., an dem heutigen, der Erinnerung des für die Freiheit gefallenen Jellinek geweihten Tage, deS deutschen Denkers, des begeisterten Patrioten uns erinnert, gedenken wir auch des Juden Jellinek. Möge mich Keiner einer verwerflichen undeutschen Judenthümelei zeihen, wenn ich gerade in dieser Stunde, da an uns voriiberziehen die Manen der Märtyrer, die gefallen für die Freiheit ihres Vaterlandes, die Manen J.'s und seiner Schick- 49