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Der Orient · 1849-12-01 · Heft 48 (1.12.1849) · p. Seite 210

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 48 (1.12.1849)
Date
1849-12-01
Page
Seite 210 (sequence 3)
Language
German
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210 tiqcn Pta he befindlichen israelitischen Gebetbücher alten Datums,, wo in dem Andachtsstücke für das Kaiserhaus der Name des Kaisers Franz Joseph l. noch nicht eingeschaltet worden, zu konfisciren. Oesterreich. Pesth, 11. Nvbr. Sie werden sich wobt wundern von einem Orte, an dem Sie mich am allerwenigsten vermuthen, einen Bericht über religiöses Leben der Juden in Pesth d. h. der „resormirten Gemeinde" zu erhalten. Wundern Sie sichnicht Hr. Redakteur, und seien Sie vielmehr gefaßt aus den verschiedensten Provinzen von mir Berichte zu erhalten, da mein merkantilischer Beruf jetzt bedeutender ist und mir zu öfter« Reisen Gelegenheit bietet. Ich werde mich also nicht mehr auf dem kleinen Terrain Mähren bewegen. Ich habe die March überschritten, wenn auch nicht trockenen Fußes und schlage nun über die Donau eine Brücke. Sie finden das sonderbar, daß ich mich bei Flüssen aufhalte, um über „Jndenthnm" zu referiren. Ja, sehen Sie, lieber Herr Redakteur: d i e I uv e n sind u nweit des Wassers, und dort muß inan sie suchen, nicht etwa um ausziihalten und zurückzuziehen, daß sie nicht von den wogenden Wellen bespritzt werden, als vielmehr um in dem Wasserspiegel den Charakter des Juden zu erblicken. In will nun von den großen Flüssen zu der kleinen seichten Wasser-Reform übergehen» Doch ich sehe eine Frage auf Ihren Lippen schweben, wie so ich, der Orthodoxe, der selbst eine polnische Synagoge nicht besucht und die „Andacht" im Herzen verrichtet, in das rfforimrte' Bethaus gekommen bin? Sehen Sie, diese Frage beweist, daß Sie noch nie in Pesth waren, sonst wüßten Sie, daß die Damen, wie bekannt, die Männer reformireu» Ich war so glücklich, mit der Familie B. in den Tempel der Refermirten zu fahren, und so sah ich denn wie es jetzt hon ton ist bei den ,,aufgeklärten" Juden, Jehova den alten lieben Gott, anzubeten. — Sowohl das Aeußere als Innere des Tempels ist geschmackvoll. Das Lokal ist geräumig, lang mit Säulen versehen. Die Orgel gut und der Chor mittelmäßig, dagegen aber der Frauenchor gar nicht übel. Eljen, die rcformirten Juden! Da ist nun Gtaubenseiuheit, denn nachdem mich Herr S ch önfeld durch sein Vorbeten gelangweilt hatte und gar zu ,,predigen" an sing, ging ich auf's Oratorium. Doch als Hr. Schönftld in seinem Pathos war und seiner, rcformirten Gemeinde ein „neues Licht" anzündete, kein Oet sparte, damit ja nicht die Lampe erlösche, wie er mit logischer Schärfe den Gebildeten, den Philosophen, der da sagt: siehe Hr. Schönfeld, ich habe keine Religion, und bin doch ein guter Mensch d. h. moralisch, zurückwies und ihm bedeutete — (hier fehlt die Mimik!) ,,du Narr, glaubst denn du, du wärst das was du bifi> wenn du nicht religiös erzogen worden wärst". Es kann durchaus nicht meine Absicht sein, die etwa sogenannte „Predigt" des Hrn. Schönfeld einer Kritik zu unterziehen , da ihm alles fehlt was vorhanden sein muß eine Kritik üben zu können.' Ich will nur de», Herren Aktionären der Reform sagen, daß wenn sic wollen, daß durch die Aktien die Reform' einen Nennwerts) erhalten soll, sie einen Prediger anstellen müssen, der korrekt deutsch sprechen kann. Meine Marktgoschäftc erlauben mir nicht mehr zu sagen. Auf baldiges Wiedersehen Hr. Redakteur. M. I. Die vom F.Z.M. Baron Haynau gegen die Jude n g e m e in d e Pesth-.Ofens ergriffenen Maßregeln sind wiederum einigermaßen modisicirt worden. Nachdem nämlich vor einigen Tagen der gemessene. Befehl an die Gemeinde gekommen war. binnen 48 Stunden 20,000 Fl. als zweite Rate der Kontribution zu erlegen, wobei im UnterlasstmgSfatte 20 Geißeln bezeichnet wurden , die zur strengen Haft gebracht werden würden, erfolgte die Zurücknahme des „auf einem Misverständnisse" beruhenden Befehls und folgende Modifikation: „Die sämmtlichen, den verschiedenen Jndengcmeinden Ungarns auferlegten Strafgelder betragen circa 2^-Mill. Fl. Von dieser Summe-wird nichts nachgesehen; da man aber in Erfahrung gebracht, daß manche Gemeinde, wie Altofen, die sie treffende Summe nicht anfbringm kann, so soll die ganze Strafsumme auf sämmtlicheJndengcmeinden Ungarns (mit Ausnahme von Presburg und Temeswar) rcpartirt werden» Dänemark. Kopenhagen, im Nvbr. Endlich tritt bei uns das neue von dem Reichstage den 25. in der Berathung vollendete und angenommene, den 5. Juni fc* I. vom Könige von Dänemark, Fredenk VII. sanktionirte Grundgesetz in Kraft, und wie diese Verfassung überhaupt eine der freiesten in Europa ist, so ist sie auch in Bezug auf die Israeliten vollständig dem Prinzipe der Freiheit angemessen. Von M. Strom, ist so ebm erschienen: „Loi fojulamenlale du Royaume de Dänemark“ (Kopenh. 4849, 8) und wir sehen daraus, daß die Israeliten Dänemarks vollständig emaneipirt sind und daß jede Schranke nun gefallen. Vollständige Freiheit des Kultus, vollständige Gleichheit aller Religionsgemeinden , ist proklamirt; die Israeliten, dürfen theiluehmen an den höchsten politischen Rechten, dürferr wählen und gewählt werden, dürfen die höchsten Armier bekleiden, und bereits bei dein vergangenen Reichstag haben die Israeliten von diesen Rechten Gebrauch gemacht ,' indem im Reichstag auch Israeliten gesessen, unter andern der Sohn des den Lesern des Orient bekannten Ree. Wenn man bedenkt, daß diese treffliche Verfassung ohne alle Revolution, ohne alles Blutvergießen Zu Stande gekommen, daß unser König ohne Zwang, ohne Geheimgedanken.,' ohne Widerstreben diese Verfassung und damit auch die vollständige Gleichberechtigung der Israeliten sanktionirt, so ist es wohl natürlich, daß wir mit Dank gegen unfern König erfüllt sind. Ich erlaube mir daher als Ausdruck der dänischen Israeliten,

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