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Der Orient · 1849-11-03 · Heft 44 (3.11.1849) · p. Seite 196

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 44 (3.11.1849)
Date
1849-11-03
Page
Seite 196 (sequence 7)
Language
German
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196 unterm 7. Oktbr. d. I. die Weisung an dieselben ergangen: „Daß die beabsichtigteSttafrequisition in eine Geldstraft umgewandelt worden sei, daß auf die ofeiier Iudengemeinde nach beiliegender Berechnung für ihr Theil eine Summe von 573,915 $£. Somme, welche in sechs Raten abzuführm sei; der Betrag der bereits fälligen vier Raten per 265,073 Fl. sei allsogleich ohne Verzug zu erlegen mit einem Pönale von 500 Fl. für jeden Lag des weitern Verzugs." Schließlich werden dev Gemeinde „noch weitere Zwangsmaßregeln angedroht, welche in ganzer Ausdehnung mit vollster Strenge Unausbleiblich ins Leben gerufen werdnr sollen, und ihr die LraurigsteaFolgen zu Gemüthe geführt, die mit unerbittlichem Nachdrucke die Israelitengemeinde treffen müßten, falls die Eintreibung der Pönale -ohne Wirkung bliebe!" Mau kann sich die Bestürzung denken, die in der unglücklichen Gemeinde herrscht, die seit Jahren verarmt, bereits ihre letzten Mittel erschöpft hat. Dazu kommt, daß die Gemeinde zur Eintreibungder rückständigen Toleranzfteuer bereits verhalten wurde, und zur Erhaltung des dortigen Mttitairspitals mit einem 4.Lheile der Kosten per 1000 Fl. monatlich belastet ist. (Ll.) ^tal i e n. Rom, im Oktbr. Nach dem Berichte des Wanderers hat der Kardinalvikar den Juden'befohlen, ihre katholischen Dienstleute zu entlassen. Die kaum erwachte Emancipation der Juden in Italien wankt also bereits dem Grabe zu, die Nichtswürdigkeit Frankreichs hat Italiens Freiheit vernichtet, die Gemeinheit Frankreichs macht Italien noch immer unglücklich und es ist kein Wunder, wenn die Juden mitleiden. Bald werden wir da die Schmach und das Ghetto wieder sehen. Der Dorfgeher. Von Leopold Kompert. (Fortsetzung.) Wir finden am andern Lage unseren Emanuel in wirklicher Flucht begriffen, die Straße wandeln, die zu einem-benachbarten Städtchen führt, wo er Postpferde nehmen wollte. Wir sehen ihn, blassen Antlitzes, auf das die Sorge und das Nachtwachen ihre leserlichen Auge geschrieben so gedankenvoll Vahinschreittn, daß seinem Auge ein auf derselben Straße wandelnder Mensch entging, auf dessen Rücken er eine Last bemerkt ttnb in welchem er bei noch genauerem Hinblick seinen eigenen Water erkannt hätte. Erst zehn'Schritte von ihm vernahm er ein lautgesprochenes hebräisches Gebet—er blickte auf und stieß einen lauten Schreckensschrei auö. Sein Vater wandte sich darauf um und winkte ihm mit der Hand, daß er ihn im Gebete nicht unterbrechen sollte. Er hatte die Gebetriemen noch an und ging so singend und feinen .Herrn lobpreisend unter freiem Himmel. Emanuel hatte indessen Zeit, sich auf die bevorstehende Scene'vorzubereiten. „Warum seid Ihr' nicht zum Essen gekommen, Gast," begann der Dorfgeher nach Beendigung des Mvrgengebetes, indem er langsam die herabgenommenen Gebetriemen zufammenlegte, „hat Euch meines Weibes Kost vielleicht nicht zugesagt?" „In meinem Leben Hab' ich keine bessere gehabt," entgegnete Emanuel schüchtern auf die mit leisem Spott vorgelegte Frage seines Vaters. „Und doch weggeblieben? — Meinem Benjamin habt Ihr die ganze Freud' verdorben; er hat nichts essen wollen, und wie ihm-Nachmittag die Mutter, weil er mit dem Talmud so Gotteswunder ist bestanden, hat ein Geschichtchen erzählen wollen, hat er's nicht angehört, weil Ihr nicht dabei, war't. Was sagt Ihr nur zu dem Kind?" „Was ist das für eine Geschichte?" fragte Emanuel, der in dieser Ableitung des Gespräches ein vortreffliches Mittel fand, dem Thema über sein gestriges Wegblkiben auszuweichen. „Mein Weib halt Stücke drauf und nimmt nicht Gold dafür. Das Geschichtchen ist einmal in unserer eigenen Familie vorgegang-en, und wenn Channe einem Kind Freud' machen will, so erzählt sre's-ihm. Gestern hat's Benjamin hörttr sollen." „Kommt nicht ein Konvertit drin vor?" „Wie wißt Ihr das?" . „Ich Hab' davon etwas läuten gehört." Emanuel sprach keine Unwahrheit. Die Mutter hatte ihm das Familienmährchen in seiner Kindheit erzählt. Nach diesem ersten Beginn gingen Vater und Sohn stillschweigend neben einander; Ersterer war es, der wieder ansing: „Wo geht Ihr eigentlich hin, Gast? Vielleicht wißt Jhr's aber selbst nicht." „Ihr könnt Recht haben —• Rebb Schimme," sagte Emanuel mit trübem Lächeln. „Und schickt sich das für so einen jungen Menschen, wie Ihr seid," fuhr der Dorfgeher auf. Jeder Mensch, und besonders ein Iudenkind, muß etwas Vorhaben, dem was er nachgeht." „Wenn ich Erich aber sage , daß ich etwas vorhatte —" „Das brauch ich nicht zu wissen. Ich weiß übrigens selbst nicht, warum ich-Euch so frage. Was geht Ihr mich an? Ich Hab' das auch meinem Weib gesagt, sie hat mir aber nicht folgen wollm»" " „Warum?" „Sie kann Euch gar nicht vergessen, sie und Benjamin haben den ganzen Tag von Euch gerebt, es ist nur, -daß sie nicht geweint hat, wie Ihr nicht gekommen seid. Bis'spät in der Nacht hat sie auf Euch gewart' und hat nicht wollest schlafen gehen; Benjamin auch. Barrele, Hab' ich gerufen', was liegt Dir an dem Bettler auf? Hast Du noch keinen bei Dir gesehen? Schimme, hat sie gesagt, Du weißt'gar nicht wie mich das verdrießt, daß der Fremde nicht kommt! Hat ihn Einer beleidigt? Da hat Benjamin zu weinen angefangen. (Fortsetzung-folgt). Druck v'on J.H. Nagel» Vertag von C. L. Fritz sch e.

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