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Der Orient · 1849-10-27 · Heft 43 (27.10.1849) · p. Seite 192

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 43 (27.10.1849)
Date
1849-10-27
Page
Seite 192 (sequence 7)
Language
German
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192 letzen, Benjamin Leben.,. Du hast mir viel Freud' gemacht, morgen gehst Du mit der Mutter zu Reb Maier Luchhändler." Dann wünschte er dem Vetter Rebb Jaikew einen guten- Schabbes und „wohl bekomm's" und wollte mit Benjamin der Lhüre zu, ba rief ihn des Vetters- Stimme, wieder zurück.. „Rebb Schimme," sagte er, „ich trag' Dir'6 aufgib auf das Junget Acht, auf dem ruht der Geist, daß es Dir mit ihm nicht geht wie mit. Deinem Elije.- Was hörst Du von dem?" „Nichts, gar nichts," entgegnete der Vater, nach so vieler Freud' wieder traurig werdend. „ Was hat der Elije nicht für einen Kopf gehabt," fuhr der.-Vetter, fort, „und was ist aus ihm geworden? Nach seinem Verstand und Klugheit hätt' er können Landrabbmer werden. Und was ist aus ihm geworden? Nicht einmal wißt Ihr wo er sich aufhält, kann der ein guter Jud' geblieben fein? Für den Elije ist Schad', groß Schad', aus dem bätt' was Großes können hervorgehen — und jetzt, vielleicht hat er sich. „Gott sei davor," rief erschrocken der Dorfgeher, der den Vetter wohl verstanden, und griff mit dem hastigen Rufe ,>Gut' Schabbes," schnell zur Thürklinke. Draußen aber überkam es unserem Emanuel mit Sturmesgemalt,, wie er: so neben denr Vater und Benjamin einherschreiten könne, er schien. sich, neben, ihnen so schuldvoll ,* als hätte: er seine Hände soeben in. Blut gewaschen. Ein. Augen- Aick. sinnverwirrender, dunkler Eingebung war es. woht, daß er.' sich bei. einer Biegung der Gaffe plötzlich, von. Benjamin Lvsriß. und ohne Abschiedswort davon. eilte.. Emanuek war, ohne daran zu denken/ wie weit ihm feine Füße trugen', tief in den Sabbat-N-achmiltag hineingegangen. Die Qualem einesruhelosen-, zwischen Gegensätzen auf und mederwogenden Herzenstrieben ihn' so weit. Das' Ghetto lag schon in dämmernder Ferne hinter ihm , als es ihm einfiel, daß er' beinahe unwillkürlich das- Versprechen, das er Clara gegeben, nur noch die Eine Nacht im Bünne feiner Ettern zu bleiben und dann zu flüchten, wirklich erfüllt habe-'. Er' war geflohen —» und freute sich darüber. Er schrieb das dem Geist der Liebe' zu , der mächtiger sei als alle: anderen Bünde, siemögen Ettern oder Geschwister heißem Ott sah er' Clara' neben sich gehen, sie hielt ihre Arme um [einen Hals' geschlungen und' besel-igend suhlte er'an seinen Wangen ihrer Nähe beglückenden- Athenr! Dennoch bad)te er einen Augenblick darauf mit Schauder daran, was wodl seine Eltern dazu gesagt hatten, daß er nicht zum Mittagessen gekommen war, und was es für eineu Eindruck aus Benjamin machen mußte, wenn der in die „Schlafstube" kam und ihm da die Kunde ward: der von ihm so ahnungsvoll geliebte Bettler sei am heiligen Sabbat verschwunden!-. Wenn dieses Kind ein finsterer Me.nsche.nver-- achter wird., war sein Gedanke, so trägst du die Schuld daran; wie den Kelch einer Blume neigte es seine junge Seele, der deinen, entgegen, aber statt Sonnenlicht läßt du nur Gifttr.opfen in. ihr zurück, statt der geliebten Freundesgestalt stehst du vor ihm als Religionsfemd und Sabbatverächrer.-, Das Kind mußte ihn. für sein ganzes Leben Haffen! Nun wäre er beinahe wieder umgekehrt, und er tt)aütr: e$ auch ohne zu merken, daß er heimwärts ging. Erschrocken, aber dennoch mehr erfreut, fand er sich inspäter Nacht wieder vor der Schlafstube', er wankte wie im Traume hiaeim Hier erfuhr er von den übrigen Bettlern , daß ihn Benjamin wirklich gesucht und wegen seines Ausbleibens vom Mittagseffen besorgt sich geäußert habe. Es fehlte auch nicht an spöttischen Fragen und Witzen der „Gäste",, die an fernen staubigen Kleidern den Savbatverächter erkanntem. „Wo habt Ihr zu Abend gebetet?" fragte ihn Einer anmaßend, der ihn vom Scheitel bis zur Fußzehe mit den Augen maß. Selbst, das polnische Weib , dessen Augen ihn so lebhaft an Clara gemahnten, hielt den Spott nicht zurück und meinte, er hätte, den Weg verfehlt, und darüber sei er dem Sabbat aus dem. Wege gegangen. Emanuel würdigte die Gäste keiner Antwort, er warf sich' müdeauf eine dev Holzbänke / seine Seelv kam ihm höchst erbavmenswerrh vor. Was hatte sie gelitten seit den wenigen Stunden,, dar er im Ghetto war! Und des Leides war doch kein Ende/ selbst wenn er ging! £>a: ließ er einen Benfamin! zurück,- dessenherrliches Gemüth er vergiftet, den er gleichsamentweiht hatte. Heute und morgen mußte sich die Lügeoffenbarem mit der er vor seine Eltern getreten, der Verralh an feinem, alten, die- Lüge an seinem neuem Glauben mußte kund werden, aber er erschrack nicht so davor, 'als vor dem Verrath an Benjamin's Seele t Bor dem. Kinde wäre er gern rein gestanden zer' meinte nicht fortgehen-zu können, wenn er sich m* ihm nicht entschuldigt hätte.- Einige- Male stand er sogar vor seines Vaters- Wohnung , noch brannte Licht darin-, er sah die- Gestalten seiner Mutter, Benjamin-L und Rösele'tz auf und' nieder schweben $ er segnete sie , abtr-ftf oft er die-' Thürklinke' zur' Hand nahm , mußte sie ihm. entsinken'.- Es> war bestimmt,, daß-'er als Religwnsfeind/ Sabbat» verächter und- Seelenvergifter aus der Heimat scheiden sollet! (Fortsetzung folgt). Briefkasten. Hrn., U. S. in. Kr.r Ihre Probemittheilung.„aus- Krakau" konnte ich, da. ich sie nicht entziffern konnte und sie nicht deutsch war, aufnehmen. Warum berichten Sie nicht einfach die Thatsache? Verlag von C. & Fr itz sch e» Druck von I. H. Nagel.

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