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Der Orient · 1849-10-13 · 41 (13.10.1849) · p. Spalte 647-648

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
41 (13.10.1849)
Date
1849-10-13
Page
Spalte 647-648 (sequence 4)
Language
German
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«47 innerungen ins Gedächtniß gebracht und zu der freilich g-emein erlogenen Racheäußcrung r der bekannten Geilheit btt Juden" bewogen haben mag? — Nun sind wir mit Hrn. Fr. — zwar nicht fertig, doch _ zu Ende. Damit du aber lieber, harmloser Leser nicht glaubst, daß nur in der Reihe der Materialisten, zu denen freilich Friedrich — siehe seine Diagnostik der psychischen Krankheiten 2. Aufl. „dieselbe Kraft, die im Magen die Speise verdaut, in dem Leben die Galle absondert und im Gehirn denkt, sie wird mit dem Tode vernichtet"— gehört, die, ihre von Gott empfangene Seele kennenden Juden die ärgsten Feinde zählen; will ich dir auch einen Spiritualisten vorführen. Es ist einmal unser Schicksal, nicht blos in der Politik, sondern auch in der — zumeist freilich nur christlichgermanischen — Wissenschaft nach allen Seiten und zu allen Zeiten Feinde zu haben; wahrscheinlich um stets das Gottbewußtsein: „wie in jedem Geschlecht und Zeitalter aufstehen wider uns, um uns zu verderben, der hochgelobte Heilige uns aber aus ihren Händen rettet" — in uns wach zu erhalten. Der feindlich gesinnte Spicitualift ist der bekannte Dr. Joseph Ennemoser in seinem neuesten, in vieler Beziehung hohe Beachtung verdienendem Werke: „Der Geist des Menschen in der Natur, oder die Psychologie in Uebereinstimmung mit der Naturkunde." Ohne auf das Weck selbst hier weiter eingehen zu wollen noch zu dürfen; haben wir es nur mir den Aeußerungen des Judenhasses darin zu thun; und da stoßen wir auf die merkwürdige Erscheinung, daß Hr. Dr. Ennemoser, so diametral er sonst zu Hrn. Dr. Friedrich steht, hierbei mit ihm: in der Unkenntniß des Hebräischen, in der Oberflächlichkeit des Citirens und der Beweisführung und in der Unfehlbarleit seines Aburtheilens ganz sympathisirt. Sie gleichen zweien Nachtwandlern, die durch die Ähnlichkeit ihrer Phantasie keineswegs den Beweis der Wahrheit derselben, sondern den der zur Zeit allgemein angenommenen Jrrthümer und der noch wenig verbreiteten Erkenntniß, und somit das traurige Zeugniß geben, wie sogar spärlich noch bis jetzt die durch wahre Gotteserkenntnist erlangte Liebe im Leben wie in der Wissenschaft Raum gewonnen! — Die Hauptftelle mit der wir es hier zu thun haben, ist Seite 374 und 75 des angeführten Werkes: „die Juden sind eine einzige Erscheinung in der Weltgeschicht-e, sie sind geblieben was sie waren, ohne was zu geben noch zu nehmen von ihrer Eigenthümlichkeir; sie blieben in ihrer Absonderung bei allen Völkern, unter die sie herumgestoßen wurden, unvermischt nach Glauben, und Sitten, nach Fleisch und Blut5 eine Idee treibt sie alle, ein Zweck leuchtet allen vor, ohne Heimat und Staat wurde ihre Natur nur um so zäher, als das auserwählte Volk stießen sie alle ab, und wurden von allen abgeftoßen. Die Verstoßung erscheint ihnen nur als Prüfung oder Strafe, darum dulden und harren sie, aber sie bleiben was sie waren, ein zersplittertes Volk, ohne als ein wesent- 648 liches Glied in das Rad der Geschichte, in den Geist der Zeiten und» Völker mitzuwirkenweil ihnen der Geist der freien Thätigkeit zu höheren allgemein menschlichen Zwecken bei ihrem Erhalturngsprinzip in der Absonderung fehlt; sie wollen Andere nicht belehren, aber auch von ihnen nichts lernen." — Al so weder belehren noch lernen! — Herr Ennemoser, haben Sie denn gar nicht daran gedacht, wie Sie in demselben Werke 239. „E. L. H. Lebenheim" — 304 und 659. „Rosenchhal" *— 318. „die geistvolle Rahel"* — 471. Spinoza — 660 „das vortreffliche Werk von Stein heim: Humoralpathologie" — 728. Valentin — nennen, lauter Juden und Judengenoffen, die jedenfalls gelernt haben und belehren, sogar Sie, und nicht auf dem Ihnen sonst sehr beliebten Wege des Nachtwandelns? Doch weg mir der Sprache der Ironie, die bei Friedrich wohl paffend, einem Ennemoser aber gegenüber, einem Manne, dem wir so gern unsere Hochachtung nicht versagten, dem wir das Prädikat: deutscher Philosoph, zum Theil freilich in dem Sinne, wie er selbst Seite 10 Jakob Böhme so nennt, zuerkernnen, nicht gebraucht werden darf. Wir wollen also mit wenigen aber klaren Worten unsere eben ausgesprochene Anklage begründen. Herr Ennemoser wird wohl ehrlich genug sein, seineUnkenntmß der hebräischen Sprache einzugestehen, da er sie mit Stellen wie z. B. S. 386: „Egypten heißt im Hebräischen Mizraim widerspenstig — 4l5. Naephaesch — und seinem prüfmugstosen Folgen dem Molitorschen Werke: „Ueber die Tradition" — deutlich kund gegeben. 429. „Den Hebräern ist das Göttliche von der Narur ein ahsolut unterschiedener Gegensatz, welcher mit freier Willkühr die Wett und Menschen regiert. Hier stellt sich das Göttliche durch die unmittelbare Selbstoffenbarung an den Menschen und durch wunderbare äußere Führungen als gesetzgebende Autorität auf, welche unbedingten Gehorsam gegen Lohn oder Strafe geleistet werden muß; dies ist der Gott Mosis und der Juden im A. T." — Endlich darauf S. 430 u. f. „die Juden glaubten in der Erfüllung des Formalgesetzes liege das Wahre, und in dem äußeren Gehorsam die Güte, und nicht in der inneren Reinigkeit des Gewissens und in der Gerechtigkeitspflege gegen alle Menschen. „Sollte der Mensch zu einer klaren Anschauung und selbstbewußten Einsicht seines Wesens, seiner objektiven Lebensverhältniffe und seines Zweckes gelangen, so mußte durch eine unmittelbare göttliche alles umfassende Offenbarung der menschlichen Ohnmacht zu Hilfe gekommen werden. — Diese neue Lehre göttlicher Offenbarung ist in dem neuen Testament *) Ihrem geistvollen Spruch „vom Herzen", widerspricht aber der wahre des Propheten: „Das Herz ist trugvoller denn alles andere, atnb bösartig, wer kann es'ergründen? Ich, der Ewige, erforsche das Herz l" — Jeremla 17, 9. 10. — Studien. Kritische Nach- und Domenlese.

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