Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1849)
- Date
- 1849-10-13
- Page
- Seite 184 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 184 betischer Ordramg in der Synagoge selbst geklopft. Wir machen in unseren Sünden weder Fort-< noch Rückschritte. Ein Grammatiker hat den Entschluß gefaßt den 1. Paragraph seiner oktroyirten Sprachverfassung folgender Weise zu geben: die hebräische Sprache hat 22 Buchstaben, woraus das jüdische Sündenregister zusammengesetzt wird. Am Vorabend des Versöhimugstages wird von zwei Seiten bombardirt; der Betende nämlich schlägt sich, auf dem Gesichte liegend, auf die Brust, und ein orthodoxer Heiduck schlägt ihn mit einem Riemen auf den Rücken. Diese Schläge aber, so kräftig sie auch sind, dringen selten bis zur Pforte des Herzens, und es heißt nur mD^D D'tWN rnSD. Die junge Welt ist daher bei diesem Klopfen nicht mehr betheiligt. Auch nach dem nnDD Umschlagen wird bald kein Hahn krähen. In der Leipniker Synagoge — berühmt durch den vor 4 Jahren am VersöhnmrgStage darin stattgefundenen Wachskerzen-Aufstand — sollen Heuer an diesem Tage wieder heftige, andachtsstvrende Debatten über Oeffnung der Fenster gewesen sein. Die emancipirten Juden dürfen also in der Synagoge noch nicht frei athmen, und müssen auch in einer ungesunden Zeit den ganzen lieben Tag versperrt bleiben» Nebst dieser Pnvat-Synagoge —- eben weil jeder darin wie in seinem eigenen Hause lärmen kann — will besagte Gemeinde eine öffentliche Schule plötzlich wie ein bezaubertes Schloß ins Leben rufen. Nächstens werde ich Ihnen , Hr. Redakteur, wenn es Ihnen recht ist, einen Detailbericht darüber erstatten. B. Prcrg, Ende Sptbr. Es hat sich hier schon am Neujahrsfest die erfreuliche Nachricht verbreitet, daß der Kaiser den ungarischen Juden die unverdienten Strafgelder erlassen habe und man war über diese Kunde, welche Wiener Blätter ebenfalls brachten, natürlich sehr erfreuet. Demi wie man auch das Verfahren Haynan's verdammt, so ist doch die Sehnsucht nach endlicher Ruhe so groß, daß man gern Alles vergessen möchte. beider erfahre ich eben jetzt, daß dem nicht so ist; der Kaiser oder vielmehr der Hof, hat keine Lust, Haynau's Verfahren zu verdammen, zumal er noch sein blutiges Handwerk bei Komorn braucht und von einem Gefühle für Recht und Billigkeit ist ja in der Politik ohnehin keine Rede. So eben geht aus Pesth abermals eine Deputation nach Wien ab, um abermals einen Versuch gu machen, beim Kaiser einen Erlaß zu bewirken, aber ich glaube nicht, daß es vor dem Falle Komorns gelingen wird. Es ist wahr, daß der Negierung es mit der völligen Emanoi-pation ernst ist, das Rundschreiben unseres bürgerlichen Ministers Bach an die böhmischen Behörden hat sehr viel Gutes gewirkt, da der hiesige Magistrat so verblendet war, die Reaktion darin zu suchen, daß er gegen Juden auftrat; allein wir wissen auch sehr gut, daß diese Emancipation nur die Konsequenz des Centralisirungssystems ist und daß es dem Ministerium keineswegs um die Juden zu thun ist und wir sind nicht so egoistisch, diese Maßnahmen darum hochznschätzen. War doch auch Windischgrätz im wahren Sinne ein Beschützer der Juden in Zeiten der Czechischen Erhebung und doch muß jeder diesen Blutmann verdammen. Was den hiesigen Tempel anlangt, so kann ich nur Erfreuliches über denselben berichten. Er wurde im Laufe des Sommers sehrschön im Innern renovirt und mit manchen neuen Einrichtungen verziert, so daß den Besucher schon der erste Eindruck erfreuen muß. Dazu ist noch eine neue von Dr. S. I. Kämpf,' dem Prediger lmd Rabbiner der Tempel-Gemeinde redigirte und bearbeitete Liturgie unter dem Titel: „.T mDt, Gottesdienstliches Gesangbuch, cingcführt im israel. Tempel zu Prag, nebst Beschreibung des Tempel-Ritus an Feier- und Festtagen" gekommen, welche Liturgie in jeder -Beziehung befriedigen muß. Das deutsche Element ist dem Bedürfniß der Zeit gemäß stark vertreten, ohne daß auch nur im Entferntesten eigenmächtig das Gebet-Statut angetastet wurde; der geschichtliche Boden des Judenthnms ist hochgeachtet und die richtige Mitte, wodurch, die Tempel-Gemeinde wirklich als Muster dienen kann, ist gewahrt. Die Liturgie vor Te.ki a t Schofar war sehr erhebend und mußte fast alle Parteien befriedigen. Möge nun der so renovirte und der Neuzeit Rechnung tragende Tempel dn, Boden der Anregnng und des Segens für die kleinern böhmischen Gemeinden werden, da er es durch seine besonnene Gestaltung im höchsten Grade verdient. - Von sonstigen Juden betreffenden Neuigkeiten kann ich Ihnen noch berichten, daß Dr. Wessely bei uns in Prag und Dr. Goldenthal in Wien als außerordentliche Professoren angestellt wurden, und Sie mögen daraus sehen, daß es der Negierung recht ernstlich mit' der Emancipation ist. Dr. Fi sch Hof, dessen Schicksal die allgemeinste Theilnahrne mit Recht erregt hat ist, wie Sie gelesen haben werden, in Ermangelung der Beweise freigesprochen worden, und wie ich so eben erfahre auch anfHllndgelöbniß in Freiheit gesetzt worden. Personalchronik nnd Miscellen. Pesth. Der Rabbiner Schwab ist zu sechs Monat Gefangniß verurtheilt. — Auch soll Haynau zum Judmthum übergetreten sein, um sich an der schändlichen Kontribution der Juden zu berheiligen. Er soll beim Preßburger Rabbiner bereits Unterricht im Hebräischen nehmen. Worms. Der Prediger Adler ist verhaftet worden. * * * Berlin. Oie Kreuz-Zcitunq lobt den jüdischen Deputaten der ersten Kammer Wilhelm Beer. Gott stehe uns bei. Verlag von C. L. Fritz sche. Druck von I. H. Nagel.