Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1849)
- Date
- 1849-10-13
- Page
- Seite 181 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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rwm f wZ Berichte, Studien und Kritiken Zehnter für Jahrgang. Dvs Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Manabonnirtbei allen 'M. Postämtern und allen solid. Buchhandlimgen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatr mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. Herausgegeben von! ' vr. Julius Fürst. LM 41.. Leipzig, den 13. Oktober 184V« Inhalt. Deutfchland's vereinigte Staaten. Aus Mähren. Mährische Briefe. 11. Aus Mähren. Unterstchung in Proßnitz. Befehl nach Leipnik. Reformen. Schulwesen. Prag. Die Juden in Ungarn. Minister Bach. Der Tempel und seine Reform. Goldenthal. Wessely. Fischhof. — Personalchronik und Miscellen. Pesth Worms. Berlin. — LB. d. Or. Deutfchland's vereinigte Staaten. AttsMähren, tl.Sept. (Mährische Briefe. II.) Der Spießbürger ist ein Feind der Freiheit, nicht aber aus Princip, denn es liegt mehr in der Natur der Krämerwelt, daß sie Alles was ihr, wenn auch nur einen momentanen Schaden zufüget, wo sie materiell beeinträchtiget wird, bekämpft und anfeindet. Jede Revolution muß auch darum mißglücken oder Umschlägen. Nur dann wird eine Revolution ein konsequentes Resultat liefern, wenn die Besitzenden den überwiegenderen Theil der Gesellschaft ausmachm werden oder umgekehrt. Ich will nur damit angedeutet haben, daß wenn die Kra'merwelt in Oesterreich nicht ganz so ohne politische Einsicht wäre, das Jahr 1848 für die Geschichte nicht so viele mit Blut getränkte Blatter geliefert hätte. Die Un kenn tu iß des Volkes ist ein Schwert, das man sich selbst in den Leib rennet. Die besitzenden Juden in Oesterreich gehören mit Leib und Seele dem Spießbürgerthum an. Sie sind noch größere Feinde der Freiheit, ihre Unken nt niß kann ihnen sogar zum Verbrechen angerechnet werden, weil sie durch den ungeheuren Drück, der auf sie ausgeübt wurde, für die Freiheit empfänglicher sein sollten. Der Vorwurf, den man also den Juden in Oesterreich machte, daß sie alle Republika ner seien, ist grundfalsch, und ist wohl damit in Verbindung zu dringen, daß die That Eines jüdischen Individuums, d. h. wenn sie eine schlechte oder für eine solche gehalten wird, auf alle Juden übertragen wird. Die „christliche" Gesellschaft hat für die Juden ein Solidum ausgestellt, das so lautet: Alle für Einen — wenn's zum Nachtheil Aller ist — Einer für Alle — wenn's zumVortheil Aller ist. Mit Schmerz muß ich es sagen, daß die jüdische Krämerwelt die Freiheit nur für eine Kuh hielt, die durch fremdes Gut genährt, uns Milch giebt. Es ist der Egoismus, der vis zum Widersinn und zur Unvernunft gehegte und gepflegte Trieb der Selbsterhaltung, der um des Lebens willen vergessen macht, warum man lebt. Die Krämerwelt überhaupt, deren Jdeenkreis im: Haben, Gewinnen, Besitzen, Genießen, die Kette ihres stumpfen und thierischen Lebens ausmacht, jede edlere Regung erstickt, für Gedankengröße, Schwung der Gefühle, begeisternden Schönheitssinn und Aufopferung keinen Raum giebt, findet sich bei der jüdischen Krämerwelt in einem noch höhern Grade. Möglich dürste ihre lange Knechtschaft allein daran schuld sein. Es würde uns zu weit von unserem eigentlichen Gegenstände abziehen, wenn wir hier die Ursache für die menschliche Thatlosigkeit in Masse auseinander setzen wollten. „Gewiß ist, daß nach den ewigen Gesetzen der sich immer verwandelnden Natur es auch in der intellektuellen Kraft der Menschheit nicht immer nur beim Alten bleiben kann. Auch unsere Stunde wird schlagen und die Morgenröthe herannahen."* Erwähnen müssen wir aber, daß es wohl einige Juden gab, die in der österreichischen Revolution eine nicht unbedeutende Rolle spielten und großen Einfluß sowohl auf den Fortschritt als auf die Hemmung der Revolution ausübten. •) Dies sagt der bekannte Moser. 41