Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 40 (6.10.1849)
- Date
- 1849-10-06
- Page
- Spalte 639-640 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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639 Ankündigungen. 640 und in der Zerstreuung, ob sie die Sprache der BUter reden, oder ob sie in den verschiedensten angenommenen Sprachen abgefaßt, ob sie die ursprüngliche Idee des Iudenthums cepräsentircn, oder ob sie den verschiedensten Umgestaltungen des Gedankens durch die Seit sich hingeben, wenn nur das Volk, in und aus dessen Mitte ein solches Schriftenthum entsteht/sich einer Volksindividualität bewußt wird, d. h. wenn es als Volk mit seinen Eigenthümlichkeiten nicht »erschwunjst — diesemnach wäre also eine Geschichte der jüdischen Literatur eme pragmatische Darstellung der 'Geistesleistungen des jüdischen Volkes durch die Schrift, im Laufe der Zeiten, und wie m diesen Leistungen die Ausbildung, das Wachsthum, der VerfaU, die Restauration seines geistigen Kulturlebens sich abspiegelt. — 6. Die Gruppirung der verschiedensten Leistungen der Juden hat bis jetzt noch keine bestimmte allgemein giltige Norm gefunden, weil überhaupt noch keine Geschichte der jüdischen Literatur geschrieben worden ist. In der strengen Sonderung zwischen Wissenschaften, — welche wieder in Arznei-Wissenschaft, RechMehre und Theologie sich tbeilt, und wozu die Philologie, Geschichte, Philosophie, Mathe- - anotif und die Naturwissenschaften als Hilfswissenschaften gehören, — und den schöiem Wissenschaften — wozu Poesie und Rhetorik gehört, — würde die Geschichte der Literatur nach diesen Fachwissenschaften wohl am Besten gesondert werden müssen, und jede Wissenschaft eine besondere Darstellung nach Ursprung, Fortgang und Veränderung geschichtlich entwickelt werden müssen, so daß die G-csammtgeschichte der Literatur eines Volkes , mehr mosaikartig, als eine Zusammenstellung einzelner, abgerundeter Geschichten der Wissenschaften erscheint. Allein diese Methode ist unzweckmäßig rind der idealen Aufgabe der Literaturgeschichte, die stufengängige oder die auf- und medersteigeride Geistesknltur eines Volkes im klarem Bilde darzustellen, ist dadurch verfehlt. — Noch andere haben zwar die Nothwendigkeit einer Durchdringung aller fchriftlichen Geisteserzeugnisse, durch den Faden des Zeitverlaufes getragen, eingesehen, aber in der geschichtlichen Darstellung nur die fortschreitende Ausbildung der geistigen Kultur gesucht, ohne zu bedenken, daß auch der Verfall der geistigen Kultur, die allmalige Verfinsterung des geistigen Auges, welches zu den Werken des Geistes nöthig ist, ebenfalls eine geschichtliche Entwickelung hat, die vielleicht für die Menschheit belehrender ist. 7. Am Besten ist es wohl, wenn man die Geschichte der jüdischen Literatur in dieser Weise behandelt, daß man die Gesammtentwickelung Der literarischen Kultur, von ihrem ersten Aufdämmern an durch ihr Wachsthum, Blüthe und Reise, durch die Zeiten ihrer Entartungen und Wiederverjüngungen nach der Zeilfolge darstellt. Denn wenn es auch nothig ist,, namentlich in der jüd. LG., bei Betrachtungen gewisser Länder, wo die lit. Kultur schneller heranreifte, die Zeitenfolge zu durchbrechen, um den großen Zusammenhang und Komplex zu begreifen, so muß doch die Zeitenfolge immer der Hafen sein, dahin jede Darstellung zusteuern soll. Wohl Läßt sich die lit. Kultur von dem Boden nicht loslosen, wo sie ersteht, und da die Träger' dieser Kultur in aller Welt zerstreut sind, so sollte man erwarten, daß gleichzeitig in den verschiedensten Ländern eine Blüthe der lit. Kultur erscheinen müsse; allein diesem ist nicht so. Auch darin ist ein allgemeiner jüdischer Volksgeist, unabhängig von Land und zeitweiligem Vaterland zu erkennen, daß nie eine Blüthe der jüdischen Literatur gleichzeitig in verschiedenen Landern des Aufenthalts der Juden erscheint. Was bci einem andern Volke ein Auf- und Niedersteigen der lit. Kultur innerhalb eines begrenzten Gebietes ist, wenn dort in einem und demselben Lande bald Hohe bald Tiefe, bald Blüthe bald Abgestorbenheit des geistigen Lebens, ist hier in Bezug auf t>i»e verschiedensten Länder. Nachdem die Juden eines Landes eine gewisse Hohe in der lit. Kultur erlangt haben, und dann wieder niedersteigend bis zur Tiefe gelangen, kommen Die Juden ' eines anbeirn Landes an die Reihe. Ankündigungen. In diesen Ankündigungien werden Anzeigen aller Arr, besonders in so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen l£ Sgr. für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum aufgenommen. s90ss So eben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Wörterbuch zum Pentateuch. Als Hülfsmittel für dccs Vorstandniß des Textes und der grammat. Formen der heil. Schrift beim Schul- und Privatunterrichte bearbeitet von Dr. M. Wiener, Abertchrer an der Religionsschule der hies. israel. Gemeinde, gr. 8. 6^ Bogen. geh. ^Ahlr. Heltving'sche Hostnchhandlrmg m Hannover EPIGBAMM1TA HEBB1ICA, Partim composita, parlim e \ariis linguis versa, auctore II. Somerlmusens Philos. theoiv Mag. lit.. hum. Üuct. noniiul, Aead. et Sei eiet. Socio. BRUXELLENSE. (Fasciculus J. — Epigr. Satyrica). Bruxellae et Lipsiae, 1840. drosch. Preis 15 Ngr. Druck von L. H. Nagel. Redakteur: Dr. Lul. Fürst. Berlag von C. L. Fritz sche.