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Der Orient · 1849-09-29 · Heft 39 (29.9.1849) · p. Seite 173

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 39 (29.9.1849)
Date
1849-09-29
Page
Seite 173 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studie« und Kritiken Zehnter für Jahrgang. Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Tblr. jüdische Geschichte und Literatur. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich Man abonnirt bei allen löbl» Postämtern und allen solid. Bachbandkuigen auf ein Jahr. Herausgegeben von das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. Dr. Julius Fürst. M 39. Leipzigden 29. September Inhalte Deutschland's vereinigte Staaten. Wien. Nekrolog. Aron Herrmann. Leipnik. Mährische Zustände. Feindliche Rabbiner. Karlsruhe. Gottesdienst. Dankgebet. — Ungarn. Pesth. Die altofner Juden. — F r ü n k r e i ch. P ar is. Dekret des Präsidenten. Zählung der Juden. Raphael des Aeltern Tod. Sammlung des Oberrabbiners. Avkgdor. — Großbritannien. London. Sir Moses Montefiore. Neues Werk vvn Dr. Löwe. Briefkastens— LB. d. Or. Deutschlands vereinigte Staaten. Wie», 5. Sptbr. (Nekrolog.) Am 27. August raffte unser unheimlicher Gast, die Cholera, den Verwalter des hiesigen'Spitals, Hrn. Aron Herrma nn, jenen Mann, der Noch in der Blüthe seines Lebens gestanden, plötzlich hin. Ein eifriger und gewissenhafter Verwalter des ihm anvertraut gewesenen Amtes, ein treuer Diener der Gemeinde, ein wahrer Freund der Kranken und Armen, wie er war, erregte sein Hintritt eine allgemeine Lheilnahme und die Trauer und den Schmerz, welcher die ihn zum Grabe geleitende Menge kund gab, war wirklich ein tief gefühlter, ein ungeheuchelter. Aus diesem Grunde machte auch die Rede, welche der hiesige Rabbiner Horwitz am Grabe des Verblichenen hielt, worin er dessen Charakter mit rührenden Worten schilderte, einen riefen Eindruck auf alle Zuhörer. Ich glaube daher auch das Andenken an den Verstorbenen in Viesen Blattern nicht besser verewigen zu können, als wenn ich diese Rede, welche zwar, wie ich höre, von den Vertretern zum Drucke befördert werden wird, in kurzem Abriß skizzire. Der paffend gewählte Text aus Kohelet 4, 2: Da pries ich glücklicher die Todten, daß sie längst gestorben, als die Lebenden, daß sie noch leben, wurde mit der bekannten Stelle aus dem Talmud (Tarriid) erklärt. Alexander der Maeedonier, heißt es dort, fragte die Alten rpr?') WW Tip* DD, sie antworteten rw rv>D\ auf die weitere Frage des wißbegierigen Königs Wtt TDJJ' HD, gaben sie zur Antwort ntf nTF. Diese etwas mystischen Antworten der Weisen suchte der Redner aus der zweifachen Verpflichtung des Menschen für die Erhaltung seiner selbst sowohl, als auch für das Wohl seiner Mitmenschen in physischer wie in geistiger Hinsicht eifrige Sorge zu tragen, zu erklären, indem der Mensch nur wenn er beiden Wichten genügt, seine Aufgabe als edles wirkendes Wesen löst und seiner Bestimmung gemäß lebt, hingegen derjenige, der nur seinem eigenen Ich lebt, nur seinen Vortheil berücksichtiget, um das Wohl seiner Mitmenschen aber sich nicht bekümmert, gar nicht unter die Zahl der Lebenden gerechnet werden kann. Auf die Frage Alexanders: Was soll der Mensch thun, daß er lebe, antworteten daher die Weisen: er tödte sein eigenes Ich ablebe nicht ausschließlich und allein sich selbst, sondern wirke und arbeite mehr für seine Mitmenschen z auf die weitert Frage aber, welche Vecfahrungsweise des Menschen hingegen ist es, wodurch der Mensch dem Tode sich nähert, antworteten sie: wenn er nur sich selber lebt, der Erhaltung seines eignen Ichs sich zum Lebenszweck macht, denn so tödtet er sich gewiß für immer und ewig. Hiermit ward nun der Textvers aus Kohelet in Einklang gebracht, und folgendermaßen erklärt: Ich lobe und würdige die Todten, die längst gestorben sind, die nämlich während ihres Lebens auf Erden ihr eigenes Ich zuin Wohle ihrer Mitmenschen abgetödtet, ihren eignen Vortheil zum Besten Anderer hintangesetzt, und also ein gemeinnütziges Leben geführt haben, weit mehr als - diejenigen, die der Selbstsucht und ihrem eigenen Interesse allein noch leben. Das sicherste Kennzeichen aber, daß ein Mensch ein solch gemeinnütziges Leben geführt, meint der Redner, ist die allgemeine Lheilnahme, die sich bei dessen Scheiden aus diesem Leben kund gibt, und aus dem einstimmig 39

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