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Der Orient · 1849-09-08 · Heft 36 (8.9.1849) · p. Seite 161

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 36 (8.9.1849)
Date
1849-09-08
Page
Seite 161 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken Xelwter Das Adonnemenr auf ein Jahr ist 5 Tblr. Manabonnirt bet allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben , von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Atcraturdlatt mitgerechnet, zwei Bocun, und zwar an jed,m Sonnabend regelmäßig. 30. eipzig, den 8. September Inhalt. Zur Gothefeier. — Stellung -er Genossenschaft für Reform int Judenthum zur jüdischen Gemeinde in Berlin. ^Schluß.) — Deutschland's vereinigte Staaten Aus Mahren. Fanatismus in Sternberg. Fortschritte in Prag. Aussee. SubrUtutenharrdel. Leipzig. Ein Jude und die Herzogin von Orleans. — Die Österreich. Feldherrn in Ungarn und die Juden. — Personalchroni? und Miscellen. Aus Brody. Aus Siebenbürgen. Franks, a. M. — LB. d. Or. Zur Gothefeier. In den vorzüglichsten Städten Deutschlands istder 28. August, als der Geburtstag des größten deutschen Dichters, festlich gefeiert worden. Der erhabene Genius deutscher Poesie, der in Gothe den lebendigsten und treuesten Ausdruck gefunden, empfing den ihm gebührenden Cultus, die höchste Verehrung, die Anerkennung der Nachwelt. In einem peinlichen Verhältniß stehen aber die deutschen Juden zu diesem Titanengciste deutscher Kunst. Bekanntlich war Göthe nichts weniger als freundlich gesinnt gegen die Juden. Fragen wir uns, woher diese Abneigung gegen eine unterdrückte Klasse bei einem großen Geiste wie Göthe rühre? Wenn Kant, diese personificirte ,,Kritik der reinen Vernunft", die Juden verabscheute, so hangt dies mit seiner Philosophie zusammen, der die Wirklichkeit an sich verschlossen und der geschichtliche Prozeß, in welchem das jüdische Volk eine so große Rolle spielt, fremd blieb; Was senkte aber in den abgerundeten Künstlergeist Göthe's den Stachel des Hasses? Sein Urtheil über das jüdische Wesen: „Energie der Grund von allem. Unmittelbare Zwecke. Keiner, auch nur der kleinste geringste Jude, der nicht entschiedenes Bestreben verriethe, und zwar ein irdisches, zeitliches, augenblickliches" kann uns nimmermehr seine Abneigung erklären l Es scheint, daß seine Geburtsstadt den Keim zu dieser Antipathie gelegt, und sein künstlerischer Geist sie zup,Reife gebracht habe. Einem Genius wie Göthe,-der das Schöne so lebendig anschante und so vollendet zur Darstellung brachte, konnte das gedrückte Wesen der Juden, das in derThat, wenn wir nur den Kultus betrachten, auf eine sehr unästhetische Weise sich manifestirte, nicht behagen. Das tiefe Gemi'tthsteben, das im Kreise der jüdischen Familie sich reichlich entfaltete und die neuhebräische Poesie der Juden, kannte er nicht. Und wenn er auch Kunde von der letztem gehabt hätte, so würde sein klassischer Geist das Heitere, Anmuthige, Lebensfrische und Jugendliche in den traurigen Akkorden der neuhebräischen Lyra vermißt haben. Dieses düstere, einförmige, in sich gekehrte, der Freude abgewendete Leben der Juden mußte den eingebornen Sohn der Musen abstoßen. Denken wir uns Göthe in einer Synagoge nach altem Zuschnitte, wo allen ästhetischen Formen Hohn gesprochen wird in Mienen, Geberden, Gesang und Vortrags so werden wir es begreifen, daß ein Mann, der nur im Elemente des Schönen, lebte, sich von'den Juden abwenden mußte. Auch die künstlerische Ruhe und Befriedigung des Dichterkönigs stach gegen das pathetische, unruhige Wesen der Juden grell ab. Solche Erscheinungen dürfen nicht unbenutzt an uns vorübergehen und wir sollen nicht immer die Schuld in Andern suchen, sondern an unserer Selbstveredelung, die auch den Kultus des Schönen umfaßt, rüstig arbeiten. Mag nun auch Göthe, der ideale Spinozist, dem jüdischen Wesen sich feindlich gezeigt haben, so hat er auch mittelbar für die Juden gewirkt, indem alle großen Geister den majestätischen Dom der Humanität, der Freiheit 36

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