Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1849)
- Date
- 1849-08-25
- Page
- Seite 156 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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156 ZZolkes bei dem Fürsten melden und diesen bitten, sle vor die Stufen seines Thrones treten zu lassen, um. daselbst ihr Gesuch mündlich vortragm zu können. Es wurde.gemährt. Die Fremden traten vor den König, grüßten denselben nach der damaligen Sitte, und Einer aus der Gesandtschaft (Rabbi Levy) hielt eine -kurze, -aber höchst geschmackvolle und eben so sinnreiche (lateinische) M?de, in welcher er das Elend seiner Kommittenten^ schilderte und um Erlösung aus diesem Elende durch eine huldreiche Aufnahme im poln. Lande flehentlich bat. Leszyk war erstaunt und gerührt, erstaunt üb>er die Bescheidenheit und den D,stand der Fremdlinge, und gerührt, tief gerührt von dem grausigen Bilde der Leiden und Drangsale, das der Redner mit gewandtem Munde vor seinen Blikkm aufgerollt hatte. Diese Regungen seines Innern gab der junge Polenkönig dem zahlreich um ihn versammelten Hofe lebhaft zu erkennen und ließ die harrenden Deputieren in seinen Mienen, wie in. seinem ganzen Benehmen lesen, daß sie sich nicht umsonst an einen Enkel Piast's werden gewendet halben. Dies ermuthigte die Fremden, ihr Gesuch vollständiger auseinderzusetzen und sie baten: 1) um die Eclaubniß der Niederlassung im Polenreiche -überhaupt, 2) den Einwandernden geräumige Ländereien auzuweisen, die sie bebauen und urbar machen können, und endlich 3) ihnen zu gestatten, Künste und Handwerke nach Verlangen auszuüben. Der König wurde immer freundlicher und ließ sich herab, dm Juden einige Fragen über ihren Glauben vorzulegen. Diese antworten mit Verstand und immer zur vollkommensten Zufriedenheit des Monarchen. Es sei uns gestattet, einige, und zwar die allerwichtigsten der königlichen und die auf dieselben erfolgten Antworten hier dem Leser vorzuführen.23 Auf die erste Frage: was für eine Religion, im engsten Sinne genommen, die Israeliten eigentlich hatten? erfolgte die Antwort: „Die Israeliten glauben an ein unsichtbares, ewiges, allmächtiges und unzerttzeitbares Wesen, das Alles erschaffen Hat, Alles regiert undleitet." 21) Nach Phyl. soll Rabbi Levy eine gedrängte Leidensgeschichte der Juden m der Zerstörung des ersten Tempels an bis zu ihren Verfolgungen in Deutschland vorgetragen haben. 22) Nichts ist wohl ungegründeter, als der Vorwurf, den so Viele den Juden machen, daß sie in Europa, und namentlich in Deutschland und Polen, nie etwas Anderes als Schacher getrieben hatten. Dies thaten sie nur, wo ihnen jeder aridere Nahrungszweig abgeschnitten war. Dann waren sie aber zum Schachern gezwungen, wenn, sie nicht verhungern wollten. 23) In den folgenden Fragen und Antworten haben wir uns wohl an dem Sinn von Philo, nicht aber an seinen Wortlaut streng gehalten. Verlag von C. L. Fritz sch c. Ueber das, was die Israeliten von der Seele glauben, befragt, antwortete die Deputation: „Wir halten die Seele für den Sitz vnsers Denkvermögen s und glauben, daß sie unsterblich bleibt, ungeachtet der sichtbaren Verwesung des Körpers." Vom Könige befragt: ob die Israeliten, ihrem Glauben nach, wegen des Bösen, so sie an ihrem Nebenmenschen verüben, einer göttlichen Ahndung unterworfen seien? gaben die Fremden zurück: „Ganz gewiß. Das kleinste Vergehen an der reinen Menschheit wird uns genau angerechnet und an uns streng geahndet." Auf die Frage: ob die Israeliten auch diejenigen, so nicht in allen Stücken ihrer Meinung sein, als Menschen betrachten? wurde dem gekrönten Examinator die Erwiederung: „Alles, was denken und sprechen kann , ist Mensch, und muß folglich als solcher behandelt werden." Der König: „Wenn aber dieser Mensch ganz von euren Dogmen und Formen abweicht?" Die Deputation: „Als Menschen steht es nur zu, über solche Handlungen zu urtheilen und zu entscheiden, welche den Menschen treffen, nicht aber über solche, die Gott angehen. Hier fallt das Urtheil Gott anheim." Und Polens Fürst fuhr fort.und fragte: „Wie hat ihr euch denn gegen die Kinder fremder Völker benommen, so in euer ehemaliges Vaterland ausgenommen zu werden wünschten?" Die Deputation: - „Gerade so, wie es Gott und die Menschlichkeit von uns fordert." Der König: . „Was sagt ihr? Gott? Ist denn in euren Gesetzbüchern auch von der Toleranz Etwas erhalten?" Die Deputation: Sehr viel. Ist es uns erlaubt, einige hierauf bezügliche Stellen aus der heiligen Schrift hier anzuführen? Leszyk bejahete diese Frage« (Beschluß folgt.) Personalchronik und Miscellen. Prag. Dr. Altschuhl hier, der auch den Lesern des Orient bekannt, hat die Erlaubniß erhalten, an der hiesigen Universität über Homöopathie Vorträge halten zu dürfen» Früher durfte ein Israelit nicht lesen und über diese Wissenschaft durfte nicht vorgetragen werden. Die bereits gehaltenen Vorlesungen wurden, mit großem Beisalle ausgenommen. Druck von I. H. Nagel.