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Der Orient · 1849-08-04 · 31 (4.8.1849) · p. Spalte 483-484

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
31 (4.8.1849)
Date
1849-08-04
Page
Spalte 483-484 (sequence 2)
Language
German
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483 Studien. Denkmal einem wackern und gediegenen Schulmanne gewidmet. 484 UM an ihrer Selbst erzieh ung und SelbstbiLdung aus allen Kräften zu arbeiten; sie verschafften sich die erforderlichen Schriften und alle Stunden, die ihnen das — Lehren übrig lies, verwendeten sie zum — Lernen. Frankel war bei diesem Selbststudium so glücklich, später von einem menschenfreundlichen christlichen Gelehrten und Schulmann, Namens Gregorius, unterstützt zu werden, unter dessen Anleitung Frankels Geist eine ganz andere Richtung erlangt, einen Schatz von Kenntnissen eingefammelt und überhaupt einen weit richtigen Weg zur Behandlung der Wissenschaft gewonnen hat. Unter der Leitung eines jüd. Gelehrten machte F. um jene Zeit in der Arithmetik so große Fortschritte, daß er ein aus 2 Theilen bestehendes Lehrbuch der Arithmetik mit unermüdetem Fleiße schon um jene Zeit verfaßt hatte, das er indeß als Manuskript, dessen er sich bei dem Unterrichte in dieser Wissenschaft stets bediente, im Pulte liegen lies, ohne das gewiß sehr nützliche und methodisch gearbeitete WerL durch den Druck zu veröffentlichen. Vier Jahre später, 1809,, nahm Frankel eine Stelle als Lehrer und Erzieher in einem vornehmen Hause in Köthen an; dort lemte er den Direktor des Gymnasiums, C. F. Vetterlein, kennen, dem er sich mit Liebe und Verehrung anschloß, und Vetterlein war es, der aus die fernere Ausbildung und die wissenschaftlichen Fortschritte des wißbegierigen Jünglings den größten Einfluß hatte; unter Vetterleins Einleitung wurde F. mit den deutschen Klassikern vertraut, und legte sich mir Erfolg auf das Studium der lateinischen und französischen Sprache. In demselben Jahre konsirmirte Frankel einen seiner Zöglinge, die er in der mos. isr. Religion unterrichtet hatte, und verdient dieser Umstand deshalb einer Erwähnung, weil ein Akt und eine Feierlichkeit dieser Art, besonders in den kleinern jüd. Gemeinden, um jene Zeit noch zu den Seltenheiten gehörte.' Etwa ein Jahr später erhielt Frankel einen Ruf als Lehrer an der jüdischen, später unter dem Namen der Herzoglichen Franzschule rühmlichst bekannten Lehranstalt in Dessau. „Ich folgte diesem Ruft gern, sagte Frankel in einerSkizze, die er selbst von seinem Leben entworfen, und fand in Dessau an dieser Anstalt die berühmten und gelihrten Männer, die ich lange und gierig gesucht habe." An diesem Institute -- damals dem ersten und vorzüglichsten in der deutschen Judciheit —- ertheilte Frankel in den hadern Klassen den Unterricht in Geschichte und Geographie nicht minder, nm in der Arithmetik mit dem besten Erfolg. Das kollegialische Zusammenleben mit den dortigen Lehrern, deren Namen der literarischen Welt nicht unbekannt sind, der befreundete Umgang mit F. 1L L. Richter; Dav. Frankel, dem Direktor jenes Instituts, M. Philippsohn, I. Wolf, G. SaLomon hatte auf unfern Frankel *) Vergl. die Zeitschrift „Sulamit" 3. Jahrg. U Bd. belebend und belehrend eingewirkt, dergestalt daß sein innerer Mensch in jeder Beziehung sehr gewann und der Kreis seiner Kenntnisse sich sehr erweiterte. Er konnte mit Recht das Bekenntniß eines Rabbi's zu dem seinigen machen: „Ich habe viel von meinen Lehrmeistern erlernt; mehr noch von meinen Kollegen; am meisten von meinen — Jüngern und Schülern." Die Lehrer stellen in Dessau warm indeß mit zu viel Anstrengung und Zeitaufopfeeung verbunden, als daß Frankel das ihm gewordene vortheilhafte Anerbieten bei dem Hrn. Wanquier M. Kaskel in Dresden eine Stelle als Lehrer und Erzieher anzunehmen, hätte zurückweisen können; zudem da er durch die Selbststudien sich angegriffen fühlte und Dresden mit den reizenden Umgebungen ihn zu locken schien. Im Jahre 1813 trat er seine Stelle an. —Seine erste liter. Bekanntschaft in Dresden war der als philosophischer und pädagogischer Schriftsteller wohl bekannte Hr. I. H. Ch. Heu sing er, Professor an an der dortigen Ritter- und Artillerie-Akademie, der ein Freund vom Kaskel'schen Hause, bald auch Frankels Freund geworden, und Heu sing er war es, der in dem wißbegierigen Jüngling die Liebe zur Kant' schen Philosophie erwecktedie er denn auch mit seltnem Fleiße zu studieren bemühet war, wodurch sein Geist eine heilsame philosophische Richtung erhielt, die sich in mehreren Abhandlungen, die F. nach und nach durch den Druck bekannt gemacht, so wie in seinem Leben selbst zu erkennen gegeben. Sehr heilsam wirkte auf unfern philosophisch-pädagogischen Freund die Bekanntschaft mit dem berühmten K. A. Böttrger, deren sich F. zu erfreuen hatte. Auf den Antrieb dieses Gelehrten schrieb F. eine ziemlich umfangreiche gediegene Abhandlung „über die politische Stellung der Juden in Deutschland, deren Sitten und Kultus", welchen inhaltvollen Aufsatz B. ,dem Bischof Gregoire übersendet hat, der F's. Ideen in dem Werke essai sur les juifs wahrscheinlich benutzt hat. Fast 6 Jahre lebte F. als Lehrer und Erzieher im Kaskel'schen Hanse in Dresden und erfreute sich der Liebe und Verehrung seiner Zöglinge und Freunde. Dessen ungeachtet lies ihm Stelle und Stellung viel zu wünschen übrig, und nachdem im Jahre 18! 8 einer seiner intimsten Freunde (es ist der Schreiber dieser Zeilen), als Prediger an dem Neuen israelitischen Tempel in Hamburg an gestellt war, wünschte F. sehnlichft in der Nahe seines Freundes — mit dem er einen 10jährigen Briefwechsel unterhielt — und wo möglich mit demselben vereinigt leben und wirken zu können. Dazu fand sich bald Gelegenheit. Auf die warme Empfehlung von Seiten des genannten Freundes erhielt F. im Hause eines der wackersten Männer in Altona, Herrn Marcus War bürg" eine Stelle als Lehrer und Erzieher, und nachdem er dort zwei Jahre segensreich gewirkt und öfters den Wunsch geäußert hatte, endlich einmal au einer offen t- *) Mit herzlicher Rührung sei hier das Wort des Psalmisten ausgesprochen pH3 »TiT übty "üb.

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