Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1849)
- Date
- 1849-08-04
- Page
- Seite 144 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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144 Sob und Verdammung; die schönsten Länder wurden verheeret, Millionen Seelen durch Feuer und Schwert aufgeopfert." — Und mitten zwischen diese beiden so feindlich, so todesfeindlich einander gegenüberstehenden Parteien hatte das Geschick ein armes winziges Völkchen geschleudert, ein Völkchen, berühmt durch die Größe seiner Leiden, wie durch den Muth, mit welchem es dieselben zu allen Zeiten und an allen Orten getragen; ein Völkchen, verjagt aus dem Lande, das es einst mit Stolz sein eigenes nannte, ein Völkchen, überall, wohin es kam, verhöhnt und verachtet, gehaßt und verfolgt, geknechtet und mit Füßen getreten und bis auf die neuesten Zeiten herunter für unwürdig^ oder unfähig" gehalten- Das zu genießen, was allen Menschen zukommt und keinem vom Weibe Gebornen dürfte vorenthalten werden. — Mitten zwischen die beiden einander bekämpfenden, einander aufreibenden Parteien in Deutschland hatte das Geschick ein Häuflein Juden geschleudert. — Es waren dies Juven, die aus dem kriegerischen Süden" hergekommen waren, um hier Schutz und Schirm zu suchen, um hier sicher zu sein. Eine lange Zeit hindurch waren sie es," setzt nicht mehr. Der Sturm, der durch ganz Deutschland brausete, hatte auch die unschuldigen Hütten der Söhne Jakobs ergriffen, und er hatte sie mit wülhender Heftigkeit gepackt. Denn wenn auch die Jud'en dem Parteikampfe gegenüber sich ganz ruhig, ganz neutral verhielten, so wurden sie doch bald von dieser bald von jener Partei in die Händel mit hineingezogen; oder — wie Philo erklärt" — weil eben die Juden durch ihr ruhiges Verhalten ihre Neutralität zu erkennen gaben, wurden sie von beiden Parteien als Erzfeinde angesehen und behandelt. Und beide Parteien hatten bei der Verfolgung der Juden dieselbe Absicht, beide hatten denselben Zweck vor Augen, beide hatten es auf dasselbe abgesehen — nämlich: auf bng Gold — auf das Vermögen der Fremdlinge." . Und wo dieses nid)t. gutwillig ausgeliefert wurde, da mußte das Leben an das Beil oder auf'den Holz- 9) So brüllten die Ghillany's, die Eisenmengers, die Francescom s u. 10) So heulten die Eichhorn's, Thiele's, Bodelschwing's und Konsorten. 11) .Aus Spanien und Italien. (Dio Cassius 87). 12) Die Juden, welche aus dem Süden nach Deutschland gekommen waren, sollen daseldst wegen ihrer Gelehrsamkeit, Geschicklichkeit und Künste sehr hochgeschätzt worden sein. Nach Phyl. (II,. 23) soll man sie, ihrer künstlichen Werke halber, Anfangs' als übernatürliche, Wesen betrachtet haben. Baumgärten (Kirchengesch.) bestätigt auch, daß die Juden aus dem Orient eine sehr vorgeschrittene Kultur nach Europa mitgebracht hätten. — 13) Phylaot. Ul, 25. 14) Das oft sehr bedeutend gewesen sein soll. Nach N. Solat. sollen zu jener Zeit sehr reiche Juden im miktlern Deutschland (namentlich in der nördlichen Gegend des heutigen Waierns) gewohnt haben.. stoß. — Wie ober das Feuer, einmal losgelassen und vom keinem Hinderniß aufgehalten, keine Grenzen mehr kennt und! Alles, was sich ihm darbietet, erbarmungslos verzehret, — so! war es auch hier. Der Vandalismus der Deutschen hatte sich nur zu bald auch auf diejenigen Juden ausgedehnt, welche; niemals Etwas besaßen, oder das, was sie besessen, längH; fans 1 gegeben hatten. — O, die Grausamen,! ihre Wuth kannte keine Grenzen; weder Weiber noch Kinder, weder Greise noch Kranke wurden von 'ihnen geschont, Nichts war ihnen heilig. Man raubte und plündere, schändete und mishandelte, mordete und brannte — hier im Na m e n des Kreuzes, dort zu Ehren Wodan's, und jeder Tag brachte neues Elend, jede Stunde neuen Jammer. O die Lage der Juden war entsetzlich, Schutz nirgends und von einer Aussicht auf bessere Zeiten in diesem Lande auch nicht der leiseste Schatten vorhanden. Was blieb nun den unglücklichen Söhnen des Orients zu thun übrig? — Sie mußten sich nach andern, nach sichern Wohnsitzen Umsehen. Und das tharen sie. — Nicht nach Westen, wo der Krieg ebenso gewaltig, wenn nicht noch gewaltiger stürmte," als in Deutschland selbst; nicht nach dem Süden, von wo aus ihnen das Gespenst des Judenhasses aus Lausend Augen furchtbar entgegenftierie, und noch viel weniger nach dem durch seine Sümpfe, Moräste und von wilden Lhieren wimmelnden Waldungen schrecklich berüchtigten Norden, sondern gen Osten hin wendeten sie ihre Blicke, und hier blieb ihr sehnsüchtiges Auge auf dem jungen, aber großen und blühenden Königreich Polen haften. Auf der Stelle faßten sie einen Entschluß. Er bestand darin, einige Männer zu wählen, die durch Weisheit, Erfahrenheit und Redlichkeit über die Masse hervorraqtcn, und diese Männer an den König der Polen abzusenden, um bei demselben eine Zufluchtsstätte für eine Anzahl in Deutschland hart bedrängter israeiitlscher Familien zu erflehen. — Man wählte, und die Wahl traf folgende fünf Männer": 1) den Rabbi Akiba Estremaduri, 2) den Chacham, Rabbi Chiokrjja Sefardi, Z; den Mathematiker, Rabbi Immanuel Ascaloni, 4) den Rhetoriker, Rabbi Levi Baeeari. und endlich 5) den Rabbi Naranel Baccelloni. (Beschluß folgt.) 15) Die Kämpfe der Karolinger in Franken. 16) Unser Phyl. nennt nur die ersten 4 Männer; Der Name des fünften findet sich in einem über 500 Jahr alten Manuskripte aus Der Bibliothek Raezynskiego zu Posen (I V. v. 10). Nach schriftlichen Mittheilungen von einem Freunde in Breslau soll sich der sub 5 angeführte Namen auch bei Mrongov. in Rescins finden. Verlag von C. L. Fritz sehe. Druck von I» H. Nagel.