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Der Orient · 1849-07-28 · 30 (28.7.1849) · p. Spalte 465-466

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Journal
Der Orient
Volume
1849
Issue
30 (28.7.1849)
Date
1849-07-28
Page
Spalte 465-466 (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. JtäSO. Leipzig, den 28. Juli 1849. Sn!)alt. Studien. Die angebliche Fortdauer des jüdischen Opferkultus nach der Zerstörung des zweiten Tempels. Von Fried mann. (Fortsetzung.) — Die Juden in Spanien unter den Westgothen. Von Dr. Fürst. (Schluß.) — Gnosticismen und Antignosticismen. Von Ad. JeNinek. (Fortsetzung.) — Literarische Miscellen. Einige Essaer als Talmudisten. Von Dr. Fürst. — Bileam. Von Ad. Jellinek — Ankündigungen. Die angebliche Fortdauer des jüdischen Opferknltus nach der Zerstörung des zweiten Tempels. Bon Friedman«. lForlsetzung.) Nachdem die Einwürfe des Hrn. F—l auf ihren Werth zurückgeführt sind, kann ich nunmehr unbeirrt zur weitern Begründung unseres Resultats schreiten. Die Schriftsteller auf dem Gebiete der Kirchcnhistorie, Prud. Maranus, Semisch und Schwegler suchten durch Stellen ausPhileas Martyr, Julian bei Cyrill, Hilarius und Augustin zu beweisen, daß der Fortbestand der jüdischen Opfer bis in die nachjulianische Zeit hinein in dem Bewußtsein der Patristik eine konstatirte Thatsache war. Wir haben dagegen S. 352 unserer Abhandlung aus dem ältesten Kirchenvater, aus dem bald nach dem hadrianischen Krieg niedergeschrirbenen und wohl auch gehaltenen Dialog Justins mit Tryphon zwei Stellen angeführt, in denen Justin und Tryphon klar und deutlich aussagen, daß mit der Zerstörung Jerusalems durch Titus sämmtliche Opfer ganz und gar aufgehört haben. Ich kann jetzt durch Stellen aus andern gewichtigen Vätern unser Resultat erhärten. — Den Endtermin der Danielischen LXX Hebdomaden setzt Ser tu Ui an in die Zeit des Wespasianischen Krieges, der Zerstörung Jerusalems durch Titus und zwar deshalb, weil nach Daniel 9, 27 in der zweiten Hälfte der letzten Jahrwockie die Schlachtopfer und Speiseopfer aufge ho den werden. Tertullian sagt bei dieser Gelegenheit ausdrücklich, daß nach Beendigung des Vespasiam'schen Krieges der levitische Kultus von Jerusalem völlig geschwunden sei.^ Ich lege auf dieses Zeugniß Tertullians umsomehr Gewicht, als es unbedingt aus einer noch altern Quelle, als Tertullian, herrührt. In meinem Buche werde ich den ausführlichen Nachweis liefern, daß Tertullian in der Schrift adrersus Judaeos keine selbstständige Arbeit geliefert, daß er aus dem uns leider nur in geringen Fragmenten erhaltenen Dialog zwischen dem Juden Papiskus mit dem Christen Jason, so wie aus dem Dialog Justins alle seine exegetischen Argumente entlehnt, die er mit der ihm eigenthümlichen Beredsamkeit und Logik, welche wir bei unfern heutigen „Wühlern" wiedersinden, als „der Sophist der Kirche" geschickt verarbeitet hat. Die jedenfalls bedeutsame exegetische Arbeit in der versuchten Lösung des Hebdomadenräthsels, welche während der ganzen spätern Geschichte der Polemik zwischen Juden und Christen den vorzüglichsten Streitpunkt bildet, kann dem stets erhitzten an positiven Bibelkenntnissen leeren Gehirne Tertullians unmöglich entsprungen sein. In dem Dialog Justins finden wir von dieser Auslegung der Jahrwochcn keine Spur. Mir ist daher kein Zweifel, daß Terrullian hier aus seiner andern Quelle, dem Dialog des Papiskus, seinen Most geholt hat. Dieser Dialog ist aber unmittelbar nach dem hadrianischen Kriege verfaßt worden. Das Zeugniß, welches ich in der obigen Auslegung der Jabrwochen gegen die Opferfortdauer gefunden, hat demnach seinen wahren Ursprung in einer der 9) Vespasianus anno primo impeiii sua debeliavit Jidaeos et fiunt anni numero qtiiuquagitita duo menses sex ■ 4 atque ita in diem ex pugnati onis suae Judaei implexerunt Hebdomades LXX praedictas a Daniele. Igitur expletis his quoque temporibus et clebellatis Judaeis postea cessarerunt illic libamina etsacrificia, quae exinde illie cellebrari non potuerunt. TertuiLian adr, Jndaeos c. 8. Vo*, 2. p. 299 ed, Semmler. 30

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