Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1849)
- Date
- 1849-07-21
- Page
- Seite 133 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Zehnter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 $t)lv. Man abonuirt bei allen löbl. Postämtern und allen solide Buchhandlungen auf ein Jahr. für Jahrgang. jüdische Geschichte und Literatur. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich Herausgegeben von das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. Dr. Julius Fürst. Leipzig, den 21. Juli Inhalt. Stellung der Genossenschaft für Reform im Judenthrnn ,ur jüdischen Gemeinde in Berlin. (Forts.) — Deutsch- Iand 's vereinigte Staaten Aus Mahren. Die Bne-Zion-Prüfungen. Aus Mahren. Gemeindeaesetz. Hr. Mosen- Ihal. Aus Mähren. Die ,,Presse^. Weißkirchen. Die Epcesse in Leipnik. Leipzig. Lionel Rothschild. Dr. Fischhof. Wrieg. Rabbinenwesen. — Ungarn. Pesth. Die Reformgemeinde. —■ Personalchronik und Miscellen. Berlin. Preßburg. — LB. d. Or. Stellung der Genossenschaft für Reform im Judenthum zur jüdischen Gemeinde in Berlin. (Fortsetzung.) Was wir forderten, war also nur die Anerkennung und billige Berücksichtigung eines Verhältnisses, das thatsächlich schon längst bestand. Zwei Synagogen mit völlig verschiedenem Gottesdienst bestanden seit 2 Jahren nebeneinander (und in Berücksichtigung einer dritten Partei wollte der Vorstand selbst eine dritte ins Leben rufend zwei Reliaionsschulen, nach wesentlich verschiedenen Lehrprinzipien begründet, waren so eben ins Leben getreten. Die Mitglieder der Gemeinde gehörten alle mit Entschiedenheit entweder dem einen oder dem andern Institute an, und nur der Uebclstand sollte noch fortbestehen, daß der-eine Theil der Gemeinde ihr religiöses Bedürfniß lediglich aus eignen Mitteln befriedigte, während der andere Theil auch die Leistungen der Andersgesinnten für die Erhaltung seiner Institutionen in Anspruch nahm. Wenn nun diesem rharsächlichen Verhältnisse gegenüber die Selbstständigkeit und die gleiche Berechtigung beider Theile geforderr wurde, wenn ferner ausdrücklich mit jener ersten Forderung die zweite verbunden ward, auf allen nicht unmittelbar von diesen religiösen Differenzen berührten Gebieten, die hergebrachte Einheit der Gemeinde zu wahren: wer kann es^sich da verhehlen, daß eine Zurückweisung dieser Anträge nichts Anderes sein konnte, als ein gewaltsames Hindrängen der Genossenschaft auf eine vollständige Trennung von der Gemeinde, vielleicht auf die Herbeiführung eines Risses, der über die Grenzen der Gemeinde hinaus die Judenheit selbst in feindliche Sekten zu spalten drohte. Dessen ungeachtet ist gegen alles Erwarten eine Zurückweisung unserer Anforderungen von Seiten des Gemeindevorstandes erfolgt, und auf das unterm 10. April i847 von Seiten der Bevollmächtigten an denselben gerichtete Schreiben ging am 5. Mai 18-17 ein Antwortschreiben ein, nach welchem der Gemeindevorstaird nicht nur auf die fpeciell von uns gestellten Vorschläge nicht ekngehen zu wollen erklärte, sondern cs auch vollständig ablehnte, irgend einen einliitenden oder vecmittelnden Schritt zur Ausgleichung des eingetretenen Konfliktes thun zu wollen. Wahrlich es war mehr als genug geschehen, um endlich von unserer Seite die Ergreifung entschiedener Maßregeln ohne alle Rücksicht auf den andern Theil der Gemeinde zu rechtfertigen. Aber so tief wurzelte der Wunsch nach Erhaltung des Friedens in der Genossenschaft und deren Vertretern, daß man abermals mit einem Beschlüsse zurückhielt, welcher eine Trennung von der alten Gemeinde herbeiführen konnte. Die Verhandlungen, welche um diese Zeit von dem vereinigten Landtage über die religiöse und politische Stellung dir Juden gepflogen wurden, legten uns einerseits die Pflicht auf, den glücklichen Ausgang derselben nicht nur den Ausbruch eines offenen Konflikts innerhalb der hiesigen Gemeinde zu gefährden, und wir waren gern bereit dem Gesammtwohl unserer 29