Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1849)
- Date
- 1849-07-14
- Page
- Seite 130 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360580-2360609--6849-3535120- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 130 leicht zu Mißvcrstänbaisi und Mißstimmung fübrt. Diejünqft verflossenen Feicrrn^e haben diese schon so oft gcnicchke Erfahrung aufs dtcue bestätigt. > Zn Rücksicht jrdcch auf die hartbedrängte Gegenwart, die für eine große materielle Kraflentwickelung so ungünstig ist, — haben die Unterzeichneten Leiter und Verwalter des Tempels einen Umbau desselben in großem Maßstabe für jetzt fallen lassen, glanben aber indessen, daß Etwas dennoch geschehen müsse, um wenigstens den Vorwurf der Absonderung und Ausschließung von der Tempelgemeinde auf dir geeignetste Weise abzuwälzen. Und da ohnehin eine Renovirung des Innern des Gebäudes unumgänglich nothwendig geworden ist, so halten *6 die Unterzeichneten für angemessen, zugleich auch eine» wemi auch nur mäßige, Erweiterung des Lokals vorzunehmen. Diese vorläufig genügende Erweiterung dürfte schon darum eine nähere Beachtung verdienen, als sie nach Angabe von Kompetenten — höchstens vier dis fünf Taufend Gulden Conv. Münze kosten würde. Freunde und Glalrbensbrüder! Bereits zwölf Jahre besteht der Tempel in hiesiger Gemeinde, und noch'ist das Zuströmen zu ihm in stetem Wachsen begriffen , — Beweis ge? nug für seine Notwendigkeit, ja, seine Unentbehrlichkeit'in dieser intelligenten wic gottesfürchtigen Gemeinde. Freunde und Glaubensbrüder! Hartherzigkeit hat ven Israeliten Prag's zu keiner Zeit zum Borwurf'gemacht werden können; stets waren ihre Hände geöffnet, wernr es ein' edles Unternehmen galt. Giebt es aber ein edleres Werk, als dem vom Schicksal minder begünstigten Bruder, dessen Herz und Gemüthnach Erbauung und Belehrung lechzen, dem es aber zur Erreichung seines Wunsches an physischen Mitteln gebricht, — die Befriedigung seiner frommen Sehnsucht zu ermöglichen? — Wahrlich! wir fürchten das Zartgefühl, der Gemeinde zu verletzen, wollten wir nochmals auf die vcrhssltntßmäßige geringe Summe der veranschlagten Kosten einer mäßigen Erweiterung wie auch manch Anderes Hinweisen, was eine Erweiterung unseres Tempels gebeelecisch fordert; wir schließen daher mit der lebhaften Hoffnung, daß unsere zur Ehre Gottes und zum Frommin der Gemeinde gesprochenen Worte in tun Herzen derselben ein Echo finden und wir bald in den Stand gesetzt werden, zur That zu schreiten; wir hoffen dieses um so.zuversichtlicher, als der Umbau, falls er beliebt wird, unmittelbar nach dem bevorstehenden Wochenfeste in Angriff genommen werden müßte, wenn er noch vor Ro fch Ha-Schana zur Vollendrurg gelangen soll. — Prag, am 8. Mai 1849. Dr. I Kämpf, Prediger und Rabbiner. Ernst Wehli, Vorsteher. Angelus Porges, Vorsteher." Aus Mahren, im Juni. .Die wohltätige Hand der Zeit, hat endlich unfern Fam itienfeh t er ganz geheilt. In einigen Gemeinden wurden schon Vemrählungsfcste ohne Familienstelle öffentlich gefeiert. Die Lebhaftigkeit eineK solchen Festes ist sehr groß, weil es nicht wie vormals mit einem Todtenscheirre eines Fam iliantcn sein muß, ja nicht selten eines zärtlichtu, vielgeliebten. Vaters, dessen Familienstellc man zwar leichter, aber mit leerer Hand doch nicht erreichen konnte. Jedoch hat der mährische Hymen die Todesfarbe' uoch nicht ganz abgeschafft; noch erscheint man zur Trauung unter freiem Himmel in weißem Grabgewande. Me werden sich aber jetzt unsere.weiland inländischen Emigranten lebhaft freuen, daß sie am Neujahrö- und Bersöhnungstage in dieser Sterbe-Uniform erscheinen dürfen! — Sollten wirklich unsere lieben Todten von ihrem langjährigen Schlafe erwachen, weiß ich nicht als welches' Schreckbild sic eine jetzige Hochzeit überraschen könnte? Sei cS wie ihm wolle, unserem 'Faiui l i'cnfchltr ist abgchelfm. B. Nienburg, 23. Juni. Der bekannte Prediger am Tempel zu Hamburg, Dr'. G. Salomon. weilt seit gestern in unserer Mitte, um morgen als Ehrenmitglied der hiesigen Freimaurerloge das Jehannisfest mit seinen Brüdern zu begehet,. Dadurch ward uns heute das seltene Glück zu Theil, in unserer Synagoge den berühmten Kanzclrcdner predigen zu hören. Die trcfftichen Lehren, die derselbe auö dem heutigen Wocheuabschnitt zog und mit beredtem Munde auch dem minder Empfänglichen zugänglich machte, die schöne Weise namentlich, wie er aus das Gebet / als die beste Zuflucht in allen Sorgen und Drangsalen des Lebens hirrwas, haben uns alle so erbauet, daß gewiß sänuntlichc Zuhörer mft detn Einsender, dem Manne, der mit der größten Bereitwilligkeit dem an ihn gestellten Ersuchen Felge gab, den innigsten, tiefgefühlten Dank faßen für eine Stunde, der'Weihe, für einen Genuß des Geistes, wie uns hier seit langer Zeit nicht zu Theil geworden ist. Möchten wir doch recht, recht bald wieder das Gluck haben, den lieben, werthen Gast in unserer Mitte zn sehen! ‘ (SB. 30 Aus dem Netz di strikt, 17. Juni. Ich habe Ihnen erst vorgestern ^geschrieben , "und schreibe Ihnen heut schon wieder. Ich schreibe Ihnen, um meinen au? gefangenen Reisebericht zu Ende zu führen. Von L i ssa habe ich Ihnen noch Etwas zu sagen'vergessen. Deck ist daS Bet Ha-Midrafch baufällig; cö sott daher eingerissen und an seiner Stelle ein neues aufgeführt werden. Nun komme mir Einer und sage, daß die Torr geschwunden auö Israel, daß der alte Glanz entflohen aus der Mitte Jeschurunö l — Hätten Sie das wohl geglaubt, daß man nach dem Jahre der Destruktion, dem Jahre 1848, noch irgendwo, und namentlich in einer. Gemeinde Preußens, daran denken würde, ein neues Bet ha-Midrasch aufzubauen? — Aber ich bitte Sie um Alles in der Welthaben' Sie keine zu gute Meinung von einem Bct ha-M. l Es ist nicht dach was sein Name bezeichnet, es ist kein.'Haus der Foischmiss. kein Hans deö GesetzeS-Studiumö —- es ist etwas ganz anderes. Vor allem finden Sie in