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Der Orient · 1849-07-14 · Heft 28 (14.7.1849) · p. Seite 129

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 28 (14.7.1849)
Date
1849-07-14
Page
Seite 129 (sequence 1)
Language
German
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i* 11 i f e ti Zehnter Das Abonnement aut ein Jahr ist 5 Tlllr. fötanobonnict bei allen st! bl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Geschichte und Literatur. Herauögegeben Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das l’itcro tutblatt mitgerechnet, zwei Boqen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. Nr. Zulüw Fürst. Leipzig, dm 14. Juli t©4a / Inhalt. Deutschland 's vereinigte Staaten. Prag. Aufruf zur Erweiterung des Tempels. W-hki, Porges, Landau, Kämpf. Aus Mähren. Das Familiantenwesen. Nienburg. .Dr. Salomon. Aus dem N e tz d i strikt. Interessante Details über jüdische Zustände. — Der Dorfgeher. Eine Ghetto-Novelle voü Leop. Kompert. hForts.) — LB. d. Or. Deutschland's vereinigte Staaten. Prag, Ende Juni. Obgleich durch mancherlei Umstande verspätet, jo glaube ich doch, das hier folgende Aktenstück den Lesern des Orients mittheilcn zu müssen, indem der hiesige Tempel als Pflanzstätte des sich gestaltenden Kultus eine vielfache Beachtung verdient. Die ehrenwerthcn Vorsteher Ernst W e h l i und .Angelus Porges sind eifrig bemüht, das Tempelinstituc zu heben, was übrigens in der neuesten Zeit, wo der politische Kampf der Gegenwart unser ganzes Wesen fast allein gefangen halt, gar nicht leicht ist, und man ist jetzt um so bereitwilliger in Anerkennung dieser Verdienste, als man von vielen Seiten her von trostlosen Ge-' meinde - Zerrüttungen hört. Unser hochgeachteter Gemeinde- Vorsteher Landau hat als Ausschußmitglied für die Entwerfung einer Gemeindccrdnung für Prag eine' segensreiche Thätigkeit entwickelt und bei seiner hingebenden Liebe zu Judenlhum' und Juden kann man voranssetzen, daß die hiesige Judengemeinde, die ohnehin für Prag ein sehr bedeutsamer Theil ist, nicht vergessen würde. Nachdem sich so mancher Schwindel in dem brausenden Leben des vorigen Jahres herausgesteUt, lernte man um so mehr unfern Landau achten und in Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm von der Gemeinde in feierlicher Versammlung ein silberner Pokal überreicht. Die wissenschaftliche Arbeit unseres Predigers, des Dr. Kampf, im Literalurblattc, findet hier im Kreise der wissenschaftlichen Männer große Anerkennung und man freuet sich, daß unser, junger Prediger und Rabbiner sich nicht isolirt. Doch ich kehre zu dem Aktenstücke zurück, das so lautet: „Aufruf. Das Verlangen nach einem gelciucecten Gottesdienst, von dem die Predigt einen intcgrirenden Theil bildet, stellt sich in hiesiger Gemeinde zur Freude aller Religiösgesinnten mehr und mehr heraus. .Davon zeugt der überaus starke Besuch unseres neuen Gotteshauses zum Geber überhaupt unt> zur Predigt insbesondere. Die beschrankte Räumlichkeit jedoch, die uns zur Verfügung steht, versetzt die mit der Aufrechthaltung der Ordnung beauftragten Männer nicht selten in die unangenehme Nolhwendigkcit, aus billiger Rücksicht für die Sitzinhaber, vielen Anderen den Einlaß zu verweigern. Abgesehen davon, daß es schon an und für sich dem Geiste unserer erhabenen Religion widerspricht, vor irgend Jemand die Thür des Gotteshauses zu verschließen' — so führt dieser Umstand auch noch das Uebel herbei, daß die Anerkennung, die unserem so segensreich wirkenden Institute durch den massenhaften Andrang gezollt wird, durch die schcinbar lieblose Behandlung der in frommer Absicht Andringenden *) „Meinem Tempel soll man nennen Haus der Andacht aller Völker" — Jes. 56, 7. Daher die Sitte in Israel, auch N i ch r g l a n b c n s g e n o ssen im Hause Gottes zuvorkommend und liebevoll aufznnchmen, um ihnen Gelegenheit' zu verschaffen, das Judenthum und seine Lehren aus eigner Anschauung kennen zu lernen und dadurch die etwaigen Vorurtheile gegen dieselben aufzugeben. Schon v-on diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, erscheint eine Erweiterung unseres Tempels höchst wunschens werth. — 28

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