Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1849)
- Date
- 1849-06-30
- Page
- Seite 121 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360580-2360607--6835-3535091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Berichte, Studien und Kritiken Zehnter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift krscheincn wöchentlich das tfitcraturblött mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. 26. Leipzig, den 30.'Juni 1846. Inhalt. Deutschland's vereinigte Staaten Schmiegel. Fortschritte im Kultus. AusdemNetzdiftrikt. Bericht über Posen und Lissa. Zustande. Aus Mahren. Gemeindewesen. Riester. Aus Mahren. Reform des 9. Ab. — Ungarn. Aus Ungarn. Erschießungen. General Danneberg. — Der Dorfgeher. Eine Ghetto-Novelle von-Leop. Kompert. (Forts.) - LB. d. Or. Deutschland's vereinigte Staaten. Schmiedel, 30. Mai. - Die freie Presse soll dem heiligen Zwecke entsprechend, die naturtreue Abspiegelung der menschlichen Handlungen und zur richtigen Beurtheilnng derselben das Echo des intelligenten Publikums sein. —- Wie aber mancher künstliche Spiegel die in ihn fallendem Gegenstände verdreht, verkleinert oder vergrößert , so erzeugt auch das Organ der Presse gar zu oft Giftpflanzen, anstatt Heilsamer Frucht, »mb verleitet zuweilen , anstatt eines Bessern zn belehren. Solchem Misstande im Gebiete der Presse muß aber nachdrücklich durch Geistesübertegenheit cntgegengewirkt, jede falsche vorgefaßte Meinung verwischt llnd die begonnene Verirrung in das rechte Gleis zurückgeführt werden. So wurde und cs wird noch von verschiedenen hyperorthodopen Rabbinen, den tottcu Buchstaben als untrüglichen Wegweiser festhaltend, Wort uni) Schrift angewendet, die ihrell Seelkindern eingcinipfte .Furcht vor Versündigung bet der kleinsten Abweichung von den noch so absurden Observanzen zu ihrem Zwecke ansbeutend, prinzipiell gegen jede Erneuerung, wenn sie noch so heilbringend und zur Befestigung der Religion ersprießlich ist, zu kämpfen. Bei diesen, ist wohl Hopfen und Malz verloren und sind sie auch bereits in diesen Blättern (Nr. 26 v. I.) in einem Aufsatze: ,,Ein Wort zu seiner Zeit" von mir auf ihre morschen Grrlndpfeiler, als die Verderblichkeit eines solchen Beharrens, genügend aufmerksam gemacht. — Den bessern Theil der Herren Seelsorger aber, welche lediglich aus ängstlicher Furcht vor Opposition von einem Theile ihrer Gemeindemitglieder, mit jeglicher Verbesserung im Gottesdienste und den morschen Gebräuchen zurückbleiben, denen es aber weder an Einsicht, noch gutem Willen mangelt, diene folgender Bericht von hiesiger jüdischer Gemeinde, als ein Beleg mehr, daß Empfänglichkeit für das Schöne und Gute überall vorhanden und die Wahrheit da durchdringt, wo es an einem entsprechenden Impuls nicht mangelt. In hiesiger jüdischer Gemeinde, fast aus lauter Orthodoxen bestehend, wurde am ersten Tage dieses Woche»,festes in hiesiger Synagoge öffentlich vor dem Mussat-Gebet die erste Konfirmation zweier Knaben und eines Mädchens gefeiert. Zn diesem Behufe wurden zur Verherrlichung dieser Feierlichkeit zum ersten Male von den Schulknaben 2 ITP'Pn und ein deutsches Gebet im Chor gesungen. Der hiesige Rabbiner, Herr Feldblum, hielt vor begonnener Kcnsirmation eine kräftige, der Feierlichkeit des Aktes entsprechende Predigt , eraminirte die Konfirmanden ut dem präparirteu Religionsunterrichte und legten diese, sichtlich ergriffen, mit thränendcn Augen feierlichst ihr'Glaubensbekenntnis ab. Alles begriff die Heiligkeit des Aktes und wurde diese Feier durch kein lautes Wort gestört. Erbaut und befriedigt verließ die Gemeinde das Gotteshaus, das zeitgemäße Bedürfnis' fühlend, recht bald einen regelmäßigcn Ehorgesang einzuführen. Vor einigen Jahren 26