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Der Orient · 1849-06-23 · Heft 25 (23.6.1849) · p. Seite 120

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 25 (23.6.1849)
Date
1849-06-23
Page
Seite 120 (sequence 7)
Language
German
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120 tigte Entwurf des Umlageregisters ist den Mitgliedern der Schatzungsbchörde zur Einsicht vorzulegen, welche zu diesem Wehufe von dem Synagogenrathsvorstcher in den Synagogenrath einzuladen sind. Im Falle die Schatzungsbehörde gegen das Register eine Einsprache erhebt ist die Sache durch die Bezirkssyvagoge, dem Oberrarh der Israeliten zur Entscheidung vorzulegen; andernfalls ist die Hebliste sogleich dem Verrechner zrun Einzuge zuzustellen, welcher in monatlichen Betreffnissen zu bewirken ist. §. 17. Rücksichtlich der Beschwerden einzelner Gemeindeglieder über Beitragspflicht kommt die Berufungsordnung vom 14. Marz 1833 und die Bestimmung des §. 8, f. der Verordnung vom 17. Zuli 1833 (Regierungsblatt Nr. 13 und 32) zur Anwendung. Die Berufung hat jedoch keine aufschiebende Wirkung und soll bei dem Einzuge der Beiträge - zur israelitischen Gemeindekaffe das gleiche Verfahren wie bei den Abgaben zur Orrsgemeindekasse stattsinden. §. 18. Die Rechnung über die Verwendung der Umlagsgelder oder sonstiger Gemeindeeinnahmen, muß alljährlich von der Schatzungsbehörde geprüft und auch in der Gemeindestube, zur beliebigen Einsicht sämmtlichec Gemeindeglieder 14 Tage lang aufgelegt werden. Bekk. vdt. Schwarzmann. Der Dorfgeher. * Von Leopold Kornpert. Aus dem Hause des Rabbi, das hart an der Synagoge steht, kam eines Freitags Nachmittag ein hastiger Knabe gesprungen, der unter seinem linken Arm einen schweren dicken Folianten trug. Das Gesicht dieses etwa eilfjährigen Kindes glühte von dem Feuer einer inneren Aufregung, oder gar von der Last des Buches — es war in diesem Augenblick wunderbar schön! Keinem von Allen, wie sie da in der Gaffe herumftanden oder gingen, siel es ein, diesen Knaben um die Rosen auf seinen Wangen, oder um den perlenden Thau auf seiner Stirne zu fragen! Da hätte man Wind und Athem zugleich sein müssen, aber auch unbarmherzig dabei: denn störet die Kinder nicht, wenn sie freudig dahm rennen, ihr werft einem Blinden Steine vor den Fuß und das verbietet die Bibel! Aber wie der Knabe an der „Schlafstub" vorüberkam, da, wo gewöhnlich die fahrenden Bettler auf Sabbat einkehren, stand dort Einer von diesen Gästen, der ihn nicht ungefragt vorüber lassen wollte. „Jüngel Leben", rief der Bettler, „kannst du mir sagen? —" Das Kind mußte sich wie Einer, Uv einen steilen Berg hinabläuft, oder wie ein hastiges Rad absperren, ehe es zum Stehen kam. •*) Hausirer. — Dem „Loyd" entnommen. , Was?" fragte es sich umdrehend, Leisen Verdruß um die feinen Mundwinkel. ,,Kannst Du mir sagen, wo da der Rebb Schimme Prager wohnt? ich Hab' da eine Plttt' für ihn, ich soll bei ihm auf den Sabbat essen." „Und warum soll ich das nicht wissen", rief der Knabe verwundert, „das ist ja mein eigener Vater." Da that der Bettler einige Schritte auf' den Knaben hastig vorwärts. „Ist das auch wahr, was Du sagst?" rief er, indem er ihn stürmisch bei der Hand ergriff, mit unaussprechlich bebender Stimme. „Und wer denn soll mein Vater sein?" fragte das Kind mit jenem leicht erklärlichen Aerger, wie ihn vielleicht nur ganz lebhafte Kinder empfinden, wenn man sich in etwas verfänglicher Weise nach ihren Eltern erkundigt. „Verzeih', verzeih' mir," fuhr der Bettler in derselben heftigen Aufregung fort, „heißest Du nicht Benjamin, mein Kind, hast Du nicht eine Schwester die Rösele heißt? Hat sie nicht schönes schwarzes Haar und ist sie noch so lustig und heczsreudig, daß man's selbst wird, wenn man sie nur ansiebt? Singt sie noch so prächtige Lieder, besonders Freitag Abends, wenn der Vater aus d.r Synagoge heimkömmt. Weißl du das:' Salem Alechem, Alechem Salem? Und die Murter, nicht wahr! Sie heißt Channa und ist Gott Lob und Dank frisch auf und gesund? Sie trägt noch das schwarze Sammetband auf der Stirn — und den Golddukaten um den Hals, har sie noch? —" Plötzlich hielt der Bettler ein; er fuhr sich überden Mund, als ob der zu viel verrathen hätte, dann sagte er leise lächelnd: „Wenn Du's also weißt, mein Kind, wo Rebb Schimme Prager wohnt, so führ' mich hin — aber Du mußt wollen." Benjamin, und es war dies in der That sein Name, wußte vor Staunen und Erregung nicht, was er von der so seltsamen Erscheinung des Bettlers denken sollte; mit einer solchen Stimme, die ihm bis an das Herz drang, hakte er noch Niemanden nach den Familienverhältniffen sich erkundigen gehört; zu antworten vermochte der Knabe nicht. Sonderbar! der Btttler schien auch nicht darauf zu warten; mit niedergesenkten Blicken, aber ein herrliches Lächeln auf den Lippen, das sich im Weitergehen immer schöner und siegreicher entfaltete. schritt er an der Seite des Knaben durch alle Windungen und Krümmungen der Gaffe, ja sogar durch das sinstereDurchhaus, das man sonst ohne Wegweiser nicht finden konnte. Mit Einemmale standen sie vor Rebb Schimme Prager's Wohnung, da mußte dem Knaben die frühere Freudigkeit seines Laufes eingefallen sein; mit einem mächtigen Sprunge sich von seinem Begleiter losreißend war er in's Haus hinein. Der Bettler blieb draußen auf der Schwelle der Thüre, er wagte nicht einzu treten. (Forts, folgt.) *) Anweisung des Gemeindekassiers auf Sabbatkost bei Einem der Familienväter. Druck von I. H. Nagel. Verlag von C. 8. Fr i tz sch e.

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