Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1849)
- Date
- 1849-06-23
- Page
- Seite 117 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Stirdien und Kritiken Zehnter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, Und zwar an jedem Sonnabend regelmäßige MAS 184» Inhalt. Stellung der Genossenschaft für Reform im Judenthum zur jüdischen Gemeinde in Berlin. (Forts.) — Deutschland's vereinigte Staaten. Leipzig. Julius Ke ll. Dresden. Dr. Hirsch el. Aussee. Uebelstande. K ar l sru h e. Ein Aktenstück. — Der Dorfgeher. Eine Ghetto-Novelle von Leop. Kompert. — LB. d. Or. Stellung der Genossenschaft für Reform im Judenthnm zur jüdischen Gemeinde in Berlin. (Fortsetzung.) Die Genossenschaft aber begnügte sich nicht durch dies Verhalten ihrer Mitglieder stillschweigend kund zu geben, daß sie ihren Zusammenhang mit der Gemeinde nicht aufgeben wolle, sie that dies auch in ofsicieller Weise durch ihre Bevollmächtigten, welche in einem Schreiben vom 29. Juni 1845 dem Gemeindevorstande von dem Zusammentrelen, von der Wirksamkeit der Genossenschaft, besonders aber von dem Beschlüsse über Einrichtung eines Gottesdienstes Mittheilung machten, und ausdrücklich erklärten, daß sie als Gemeindeglieder derartige Mittheilungen an den Vorstand derselben für angemessen hielten. Die am 21. Juli erfolgte Antwort des Vorstandes zeigte indessen klar, welche Stellung derselbe der Genossenschaft zu geben und ihr gegenüber einzunehmen beabsichtigte, indem er sich ausdrücklich dahin aussprach, daß er von der Existenz einer Genossenschaft als solcher keine Notiz nehmen könne, und hinzufügte, daß demnächst (es sind fast 4 Jahre) für eine Reform des Gottesdienstes vom Vorstande selbst Sorge getragen werden würde. Fernere Mittheilungen würden übrigens gern gesehen und hoffentlich Frieden und Eintracht erhalten werden. So hatte der Gemeindevorstand das religiöse Bedürfnis von 221 Gemoindcmitgliedern beachtet, so beachtete er nun die religiöse That von 400 Mitgliedern, indem er kalt die Hand zurückstieß, die trotz der argen Vernachlässigung zum Frieden geboten wurde. Was hinderte die Genossenschaft^ schon damals sich von einem Gemeindeverbande loszusagen, der ihr nichts mehr zu bieten hatte, der von ihrem Dasein nichts wissenfür das religiöse Bedürfniß ihrer Mitglieder nicht sorgen wollte. Wer hätte es ihr verargt, wenn sie im tiefverletzten Selbstgefühl die Pietät für die Einheit einer Gemeinde aufgegeben hätte, der sie nur durch die Beisteuer zu ihren Bedürfnissen, aber nicht mehr durch die Theilnahme an ihren religiösen Instituten angehörte. Allein die Genossenschaft that dies Alles nicht, sie beharrte bei ihrem Vorsatze, sich von der Gemeinde nicht loszusagen und gab dies wieder am unzweideutigsten durch ein zweites Schreiben vom 29. Januar 1846 zu erkennen, in welchem über ihre fernere Wirksamkeit ausführlich berichtet und die Hoffnung auf Erhaltung des Friedens und der Eintracht innerhalb der Gemeinde offen ausgesprochen wurde. Obwohl die Antwort des Gemeindevorstandes auf dieses Schreiben (9. Februar 1816) in Form und Inhalt nur eine Wiederholung des ersteren war, so fanden sich die Bevollmächtigten dennoch in unverbrüchlicher Durchführung des einmal angenommenen Grundsatzes veranlaßt, den Gemeindevorstand zur Einweihungsfeier des Gotteshauses am 2. April 1846 einzukaden, erhielten aber auch hierauf einen kalten ablehnenden Bescheid. Die Absicht der Genossenschaft war gescheitert, sich mit der Gesammtgemeinde in einem derartigen Zusammenhänge zu 25