Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1849)
- Date
- 1849-06-02
- Page
- Seite 108 (sequence 7)
- Language
- German
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108 zMe der Jungfernrede des Herrn Peel, „des würdigen Sohnes eines würdigen Vaters" warme Lobsprüche. Die Besorgniß, daß die Zulassung einiger weniger Juden das Haus — beim die Judenkevölkening in England ist nur wenig zahlreich — dasselbe cntchristlicheu werde, bezcichnete der Münster als eitle Gespensterseherci. Das Parlament werde dadurch seinen christlichen Earakter so wenig einbüßen, als ihn mehrere Gemeindekorporationen des Landes verloren, in denen Juden sitzen. Er hoffe das Haus werde, und zwar eben aus Gründen des Christenthums die Juden in den Schooß der Legislatur ausnehmen, und ihnen nicht länger versagen, was sie als loyale und friedliche Unterthaneu, als treue Anhänger der Monarchie und der Verfassung verdienen — den Genuß aller einem britischen Unterthan zuständigen Rechte. Dieser Aeußerung trat schließlich Herr Roebuk, das neue Mitglied für Smithfield bei, indem er fragte: ob in den zehn Geboten Mose, die auch der Christ seinen Kindern lehre, etwas liege, was zur Theilnahme an der Gesetzgebung des Landes unfähig mache? Nun erfolgte, wie ich in meinem letzten Berichte meldete (Orient Nr.. 21) die zweite Lesung der Bill mit 278 gegen 185 Stimmen, also mit der achtbaren Mehrheit von 93. Die vorjährige zweite Lesung erfolgte mit 277 gegen 204, also einer .Mehrheit von 73 Stimmen. In Spanien. Unter dem Titel „Was und Tirza" ist von I. Schwarz ein Gedicht erschienen, das sich mit den Juden, in Spanien beschäftigt. Wir heben hier einen Theil heraus, der Anklänge auf unsere Zeit enthalt: Hört ihr wie die Kirchenglocken Dumpf und hohl vom Thurme schallen? Wollen sie wohl Beter locken In die leeren Tempelyallen? Oder ist der Tag gekommen, Eine Messe wird gelesen, Daß im Himmel man gelinder Richte jene Ketzerwesen.- Wer ist's unter dieser Menge, Sprühend Muth und Gluth und Feuer? Spricht so eifrig und so strenge, Ist er wohl ein Volksgetreuer? Kämpft für ihre gute Sache? Wohl aus reinem, edlem Grunde?-— Ihn bewegt die heiße Rache, Kochend in der frischen Wunde. Stets lebendig vor den Augen Sreh'n ihm jene Trauerbilder, Die da wahrlich nimmer taugen Ihm den Sinn zu stimmen milder. Auf dem Martertische liegen, Seinem Glauben zu entsagen, Sich im fremden Schooß zu wiegen, Soll er ruhig das ertragen? Verlag von C. L. Fritzsche. Von der Seele Engverknüpften Plötzlich werden fortgeriffen, Um in düstern, dumpfen Lüften Hohle Formen sprechen müssen. In dem Kloster fest verschlossen, Bei den München müssen bleiben, — Bis vier Wochen dingeflossen Fern von seinen Lieben bleiben. Und als frei er durfte gehen, , Hingeeill mit bangen Schritten, Nach den Theuern schnell zu sehen, Die gewiß gleich ihm gelitten, Finden daß sie all' verschwunden, Daß die Juden sind vertrieben, Daß ermangeln jede Kunden Ihm, der hier zurückgeblieben.- Diese, diese Trauerbilder Steh'n lebendig ihm vor Äugen, Die den Sinn zu stimmen milder, Nie und nimmer wahrlich taugen. Und es kocht in seinem Innern, Und gleich Simson war sein Flehen, „Mögst dich meiner Schmach erinnern, Rache! laß mich mit vergehen!" Und er schüret eine Flamme, Klärt dem Volk auf seine Rechte Und befreiet von dem Schlamme, Die in Furcht veriunk'nen Knechte. Wühlte auf die Volkesschichten, Sprach vom heitren, frohen Leben; .Von den Tagen, von den Lichten, So die Freiheit würde geben. „Müßt euch selber Recht verschaffen. Fühlt ihr nicht die schweren Ketten, Wollt als Sklaven ihr erschlaffen, Ewig euch in Ketten betten? Gegen Adel, gegen Pfaffen Frisch und muthig euch erhoben; Müßt euch selber Recht verschaffen, Dann hilft auch ein Gott da droben." Seine Absicht ist gelungen, Aufruhr ist im ganzen Lande, Uw die Freiheit wird gerungen, Gegen die Tyrannenbande. Schon läuft Blur in vollen Strömen, Edle Kräfte sind verblichen, Volkszorn läßt sich nimmer lähmen, Bis der Feind vor ihm gewichen. —- Assaf kämpft für Volkessache, Und warum, aus welchem Grunde?-- Ihn bewegt die heiße Rache, Kochend in der offnen Wunde. . Sieger blieb er aller Orten, Durfte nie sein Ende hoffen, Ihn im stärksten Kriegesmorden Hat nie Feindesblei getroffen. Druck von J. H. Nagel.