Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1849
- Issue
- 15 (14.4.1849)
- Date
- 1849-04-14
- Page
- Spalte 225-226 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Meralrrrblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte «nd Literatur. M IS Leipzig, den 14. April 1849. Inhalt. Studien. Biographien -er TalnuMsten. Hillel -er Aeltere. Von. Dr. I. K. (Fortsetzung.) — Kritiken. Bi- Lliotheca Judaica von Dr. Fürst. 2lngez. vorn Vsrf. — Ueber einige seltene jüdische Ritualien. Von L. Dukes. (Forts.) — Literarische Miscellen. Historische Reflexionen. Von Äd. JeNinek. — Ankündigungen. Biographien -er Talmu-iftev. Hillel, der Aeltere. II. (Fortsetzung.) (Bergt. LB. Nr. 10 d. I. S. 157 ff.) 2. Wer die ereignißreiche und die Folgezeit so sehr bestimmende Periode der Hillel'schm Wirksamkeit mrt unbefangenem Blicke benetheilen will> der muß seinen Standpunkt höher nehmen als auf der Zinne der Partei. Die disharmonischen Klänge, die von da ab in Ux Quaderhalle (rpUl rDui6) häufiger und intensiver sich vernetzmen ließen, waren nur ein Echo der kontradiktorischen Plane und Maßnahmen des neuen Machtinhabers im Hyrkanischen Pallast. Antipaltsr's antinationales Treiben war dies nicht nur in politischer, sondern auch in religiöser Hinsicht. Das unglückliche Volk von Judäa sah sich m die traurige Zeit griechisch-syrischen Uebermuths zurückversetzt, ohne in seiner Mitte'einen Makkabi zu erblicken, auf den es hätte vertrauen können. Die Hirngespinnste Jason's wie die tyrannischen Gelüste Antiochus traten ihm auf's Neue, wenn auch in veränderter, doch nicht in minder furchtbarer Gestalt drohend entgegen, — nur mit dem Unterschiede, daß diesmal Jason und Anti och us in einer Person sich manifeffirten, und das punctum Lnliuns nicht mehr der Syr o- Hellenismus, sondern der Cä saa:eo-Romanisinus war. Mt sich selbst war der Ja-. 'son-Epiphanes bald einig. „Doch das Volk? wirdes 'diesmal gefügiger sich zeigen? wird es von der Uebertünchung stch täuschen lassen, und den Kern nicht entdecken, der sich darunter verbirgt? Wird dem einheimischen Zwingherrn gelingen, was ehemals dem fremden mißlang?" — Diese Fragen mußten den nnstrauischen Jduma'er ernstlich beschäftigen. Zwar lag durch Nachhilfe seiner Meuchelhand die mokkabäische Dynastie bereits in den letzten Zügen z allein war dies auch mit dem makkabäischen Geist der Fall? — Wer konnte dafür bürgen, daß auch dieser im Volke bereits erloschen oder auch nur dem Erlöschen nahe sei? Symptome bedenklichster Art, die von Zeit zu Zeit zum Vorschein kamen, schienen vielmehr das Gegentheil zu beweisen. Schon das feste Auftreten Schcrmmai's* im Synedrinm gegen den eigenmächtigen Statthalter von Galiläa, den Mörder Ezechia's — obgleich dieser gegen Recht und Sitte bewaffnet und von einer gerüsteten Schaar gedeckt vor den Schranken des Gerichts erschien, mehr diesem zum 5p ohne als aus Gehorsam gegen daffelbe — mußte den Vermessenen belehren, daß es hier noch Charaktere gebe, die für die Erhaltung der väterlichen Sitte auf Leben und Tod zu kämpfen bereit find. Um fa mehr denn mußte es später dem Thronräuber wünschenswerth erscheinen, die hervorragenden Persönlichkeiten in dem gefürchteten Kollegium sich zu gewinnen. Ein Versuch wurde mit dem Essener Menachem^ gemacht, dem srähern Gefährten Hillel's, und mißlang nichts Mochte es sein, daß der sonst sittenreinc Essener gegen den strebsamen, kühnen und — glücklichen Mann, dem er längst den Thron Judäa's 1) Siehe weiter unten die chronologische Erörterung unter 3. — 2) Wir hätten geglaubt, daß in einer Biographie Hille l's auch dessen früherer Amtsgefähcte Men ach <m nicht unerwähnt bleiben dürfe; wir haben jedoch nach diesem Namen bei Hrn. 33. vergebens gesucht. — 3) -j!?cn DIUD N3' Chag. 16 b. — 4) In seiner Weissagung verheißt M e n a ch e m dem H erodes eine glückliche Regierung, wenn er sich der Gerechtigkeit und Frömmigkeit vor Gott, und der Milde gegen die 15