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Der Orient · 1849-03-24 · Heft 12 (24.3.1849) · p. Seite 64

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 12 (24.3.1849)
Date
1849-03-24
Page
Seite 64 (sequence 15)
Language
German
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64 schule, die im Jahre 1818 zu wirken' begann und deren Aufrechterhaltuug er mit Eifer betrieb. Wohl ist sein Eifer für ihren Fortschritt seinen ihn überlebenden Collegen bekannt. Er besuchte nicht nur oft die Schule, prüfte und. ermunterte die Zöglinge, gab den Lehrern, unterstützt durch sein pädagogisches Wissen, Mittel zur Erleichterung ihres Unterrichts, sondern er lud auch die Schüler,, in denen er Talente und Fähigkeiten entdeckte, in sein Haus, erlaubte ihnen seine reiche Bibliothek zu benutzen und Durch seine anmuthige, angenehme Conversation erweckte er in ihnen einen Funken des Hellen Lichtes der hebräischen Literatur, das sie erleuchtete und nie verlosch. Er war ein thätiges Mitglied des jüdischen Hospitals, dessen junge Besucher er oft examinirte. Die hebräischen Oden, die bei der Feier des Jahrestages der jüdischen Freischute recitirt wurden, hatte er verfaßt, selbst die, welche einen Tag vor seinem Tode gesprochen wurden. Als viele jüdische Gelehrte ihn wegen der Vortrefflichkeit dieser Ode belobten, sagte er heiter: „Ich gleiche jetzt dem Schwane, der sein Grablied singt." Als' hebräischer Schriftsteller übertraf er alle seine Zeitgenossen in diesem Lande; wenn auch einige in talmudischer Kenutniß ihn übertrafen, so war er doch in der hebräischen Literatur . sehr bewandert. Seine Poesie war klar, seine Prosa war glänzend, und wir können ihm Den ersten Platz unter den jüdischen Gelehrten Großbritanniens einräumen; seine Phantasie war in der That so. lebhaft, und fruchtbar, daß seine Prosa für Poesie gelten konnte. Sein Styl war so geistreich und von der Religiosität erleuchtet, welche die Schule Moses Mendelssohns und der „Measfim" charakterisirt. Man kann von seinem gewöhnlichen Verkehr sagen: „min n"n hm \b)n nrw" (die gewöhnliche Sprache eines weisen Mannes ist lehrreich). Voll sprudelnden Witzes und passender Anekdoten war die seinige. Der Hauptzug seines Charakters war stets ^ein unbegrenztes Wohlwollen und Milde gegen jeden talentvollen Menschen. Von dem Augenblicke an, wo er einen talentvollen jungen Mann gewahrte, ob ein Engländer oder Fremder (und stets war er der Erste, den diese besuchten), nahm er an ihn: einen lebhaften Auch eil und unterstützte ihn durch seine Hülfe, sowie durch die Empfehlungen au seine zahlreichen jüdischen und christlichen Freunde. Fast ein jeder jüdische Gelehrte, der in 'England reüssirte, must zugeben, daß er seine erste Einführung in gelehrten und achtbaren Zirkeln Meyer Joseph verdankt. Die Trefflichkeit seines Urtheils war so allgemein bekanntdaß seine Empfehlungen stets vom besten Erfolge belohnt waren. Unter denen, die ihm am .verpsiichtetsten sind (wenn sie auch nicht Alle bereit sind es einzugestehen) sind die Herren Jsaaco, Henry, Asher, Marko und Loewy, die Doctoren Loewe, Beuish und Brünn, die Herren Frankel, Gotdberg, der verstorbene S. Lindenthal und eine Menge Literaten, zu welchen wir selbst gehören. Sein Haus war in der That nach einem Ausspruche in der Elegie des Herrn Dukes: „rinn- Hins" Jedem geöffnet. Nie ward der arme, nothdürftige Fremde mit dem herzlosen „Nicht zu Hause", dem „beschäftigt" oder „hier ist nicht erlaubt herzukommeri" fortgeschickt. Wie ei« geborener Philantwp ermüdete er nie aus seiner Tasche Gutes zu thun, oder Andere dazu zu ermahnen. Wir können unmöglich einen vollständigen Nekrolog von Herrn Meyer Joseph und all seinen herrlichen Eigenschaften geben, der Raum gestattet es nicht, doch wa§ wir gesagt ist viel zu wenig, um sein Wissen und. seine Herzensgüte darzuthun. Leider verliert die Jndcnhcit, nicht nur die britische, eine ihrer größten Zierden. Die von Großbritannien verliert aber dennoch-am meistens da sich selten ein ihm gleichender Mann finden wird, sei es in der Anhänglichkeit an das Judenthum oder in der Unterstützung des Talents. Sein Vertust wird Vielen, die durch seine Unterstützungen und Empfehlungen lebten, sehr fühlbar sein. Bis zu seinem letzten Augenblick und bei seinem letzten' Gebete war er seiner Sinne mächtig. Kurz bevor .er verschied rief er seine Söhne (die .er eine ausgezeichnete Erziehung genießen ließ) zu sich und trug ihnen aus, einigen Literaten die von ihn bestimmte Unterstützung auch ferner zukommeu zu lassen. — Sein Leichenbcgänguiß, das letzten Montag stattfand, war von den angesehensten und achtbarsten Juden der Hauptstadt begleitet. Der Mangel einer feierlichen Rede bei seinen Ueberresten (wie es bei dem Leichenbegängmß des verstorbenen Hrn. Isaak Cohen stattfand) war allgemein bedauert und von seinen zahlreichen Freunden und Verehrern tief gefühlt. Viele riesen aus: 5»)Q' nmi FpP? und wir selbst schlossen die Phrase, die an der Stelle einer Rede war, mit ttb nmoN -p* nwri „deine Hände waren ungebunden, und deine Füße ungefesselt". Er sprach wie er dachte. Seine' Schriften und guten. Thaten aber, die unsterblich sind, werden besser für ihn reden als cs je eine menschliche Zunge hätte thun können. — (Jewisfi Clironicle,) Personalchromk und Miscelleri. Oesterreich. Die Juden sind am Ta'anit Esther (7. März) emancipirt worden. , Verlag von C. L. Fritzfche. Druck von I. H. Nagel.

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