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Der Orient · 1849-03-24 · Heft 12 (24.3.1849) · p. Seite 58

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 12 (24.3.1849)
Date
1849-03-24
Page
Seite 58 (sequence 3)
Language
German
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58 hierbei eines Mitleids sich nicht erwehren, wenn man so manchen sieht, dem von den ex usu sank'tionirten Körperbewegungen, nur das liebe Kopfschütteln, beim Gebete übrig bleibt. — Unser Neligionslehrer Hr. Dr. Lewyso h n predigte und fand den allgemeinsten Beifall. Seine eindringlichen Worte über die Einigkeit der Gemeinden, über die Bedeutung der Eröffnung der Kammern, so wie besonders das kräftige Schlußgebet brachten eine sichtbare Wirkung auf die Gemüther der zahlreichen Zuhörer hervor. Als lokales Interesse erwähnte der Redner, daß einer der zwei israelitischen Abgeordneten für die erste Kammer (der geh. Kommerzienrath Ad. Beer in Berlin) einer hiesigen Familie entstammt. Wir schließet! diese Mittheilung mit dem Wunsche, das; überall Worte des Friedens und der Versöhnung in gleicher Gediegenheit gesprochen und mit gleicher Theilnahme hingenemmen werden, als die am jüngst verflossenen Sabbat hier der Fall. war. — Als Gegenstück zu diesem in- und extensiven Judenthum erscheint das Experiment, welches von den Missionaren in der Nähe der Synagoge versucht wird. Diese frommen Männer laffen nämlich den Herauötretenden Einladungszettel zur Missionspredigt einhändigen , nachdem am Tage vorher die seligmachende Predigt in den hiesigen Lokalblättern mit emphatischen Ausdrücken angekündigt wird. Man sieht jedoch, wie der heilige Seelenhandel in den letzten Zügen sein kümmerliches Dasein fristet. — Aus der Politik nur so viel, das hier und aus der Umgegend 6 israelitische Wahlmänner ans der Urne des Geschickes hervorgingen, von welchen fünf demokratische Paroxismen anheimfielen. Die Wahlen der Abgeordneten sind, wie Ihnen wohl aus den Zeitungen bekannt sein wird, im demokratischen Sinne ausgefallen. Ie. Teplitz, im März. Die hiesige Philantropie hat hier in der letzten Zeit sichtlich erfreuliche Fortschritte gemacht. Als in den Märztagen die Idee der Gleichstellung aller Konfessionen auch in unfern Gegenden angeregt wurde, da stieß dieser humanste und gerechteste aller staatlichen Grundsätze bei unserm Pfahlbürgerthum, besonders in Beziehung auf die in Böhmen so vielfach gedrückten Israeliten, auf den zähesten Widerspruch, der sich gewiß in gehässigen Scenen Luft gemacht hätte, wäre nicht der Egoismus vermittelnd ins Spiel getreten, d. h. hätte man nicht gefürchtet, die vielen, in unserem Badeorte jährlich viel Geld verzehrenden wohlhabenden Israeliten vom Besuche der Teplitzer Quellen zurückzuschrecken. In dem Maße aber, als die Theorie der Judenemancipation in unserer nächsten Länderumgebung zur verkörperten Thatsache wurde, als sie namentlich in den deutschen Grundrechten den ihr längst gebührenden Platz eingenommen, trat nach und nach ein eben so merkwürdiger als erfreulicher Umschlag der Stimmung ein, und schwerlich dürste heute in Teplitz und dessen Umgegend noch Einwendung gegen die Gleichstellung der Juden gemacht werden. Abermals ein faktischer Beleg für das unbestreitbare Axiom, daß nur die Ansnahmsgesetze die Quellen des Judenhasses , daß mit der Ausätzung dieses ächtenden Brandmals auch die in der Natur des Menschen nicht im entferntesten begründete Antipathie zwischen Anhängern verschiedener Glaubcnösekten bald schwinden müsse. Mögen Sie bald recht viel derlei Berichte bekommen! oder besser, möge die zu hoffende humane Entscheidung des Reichstages solche bald für immer völlig überflüssig machen! Hamburg, 28. Febr. Von dem seligen , als wohlthätig bekannten Bankier, Hrn. Salomen Heine hier, ist noch bei Lebzeiten eine Stiftung zum Andenken seines frühverstorbenen Sohnes „Hermann", mit reichen Mitteln fundirt worden, die den schönen Zweck hat, armen, aber rechtlichen und thätigen Handwerkern und Handelsleuten ein Darlehen zu Betreibung ihres Geschäftes gegen Verbürgung zahlungsfähiger Männer, vorzustrecken. Nach §. 4 der Stiftungsurkunde beschränkt sich diese Wohlthat aber nur auf Israeliten; jedoch mit dem Tage, an dem die Juden den übrigen Angehörigen des Hamburger Staates gleich gestellt werden, und die Beengungen, welche das Fortkommen der Juden erschweren, wegfallen, soll auch diese Beschränkung der Wohlthat nicht mehr bestehen , und Inden und Christen mit gleichem Rechte diese Wohlthat beanspruchen können. Diese Zeit ist mm gekommen, und ist vorauszusehen, daß durch Erweiterung der Konkurrenz die Zahl der Konknrrirenden sich vervielfältigen wird; deshalb hat der edle Sohn dieses edlen Vaters am gestrigen Tage durch ein Handbillet der Administration der Hermann Heineschen Stiftung^ augezeigt, daß zur Erweiterung dieser Wohlthat, 100,000 M. B. von seinem Bankkonto abgeschrieben seien, und zur Disposition der Stiftung gestellt worden. Ein schöner Zug eines edlen Herzens. Die Administration der genannten Stiftung zeigt heute auch schon in den Gern. Nachrichten an, daß beregter §. 4 nun als aufgehoben zu betrachten und alle Staatsangehörigen ohne Unterschied des Glaubens an den Wohlthaten der Hermann Heine'schen Stiftung Theil nehmen können, und sich auch die Administration ferner aus den Gesammteinwohncrn der Stadt zu ergänzen hat. Das sind die ersten guten Früchte der Emancipation der Juden. Hoffentlich werden bald, andere Nachfolgen. Hamburg, im März. (Hamb. Zeit.) Die Synagoge. An meine Mitbrüder zu Hamburg. Ob im Allgemeinen die Kirche vom Staate zu trennen sei, dieses zu erörtern, gehört nicht hierher; daß aber der rechtgläubige Jude, der alle Pflichten gegen den Staat erfüllen, dennoch nicht ganzins Völkerleben aufgehen will, die Synagoge als das einzige auch den. Juden fortan umschließende Band ansehen muß, das liegt außer Frage. Denn nur auf diesem beschränkten Raum finden sich die zerstreut Lebenden in religiöser Hinsicht heimisch. Sie ist ihm das Vaterhaus,

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