Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1849)
- Date
- 1849-03-10
- Page
- Seite 49 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studie« und Kritiken Zehnter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und ' allen solid. Wuchhänd- Lungen auf ein Jahr. M io» für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julms Fürst. Jahrgang. Won dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Lkttraturblatt mitgerechnet, zwei Wocren, und zwar an ledern Sonnabend regelmäßige. eipzig, den 10. März 1849. Inh a l 1. D e ut schl a n d's v er ei n igt e Staaten Aus demHannöver'scken. Emancipation Kultus. Schule. Brünn. Presse. Wien. Juden. Racher Aus Oesterreich. Eine Trias. Berlin. Vermischtes. Aus dern'Lippe'scken. Souvrane Willkür. Karlsruhe. Emancipation. Dresden. Dr. Hirsche!. Dresden. Die Kammern. Kremsier. Deputationen. Kremsier. Schilderung des Ghetto.. Kremsier. Der Reichstag. — LB. d. Or. Deulschland's vereinigte Staaten. Aus dem Hannoverschen, im Febr. Nachdem die Emancipation der Juden bei uns seit beinahe einem Jahre ausgesprochen worden, sollte man meinen, daß in dieser Angelegenheit bei unsnichts mehr zu thun sein werde; indessen haben wir doch auch hier Gelegenheit zu der Ucberzengung, daß es noch geraume Zeit dauern dürfte, bevor die bis jetzt nur noch auf dem Papiere stehende Emancipation sich Eingang in die Herzen -und. Köpfe verschafft haben wird. Als Beleg dafür diene die Thatsache, daß die Pastoren im Aufträge des Konsistoriums die bereits in den meisten Orten abgeschafften Stollgebühren von den Juden wieder abfordern ließen, was bei den meisten Juden zwar vergeblich geschah , da diese, von dem Landrabbiner Dr. Meyer dazu animirt, die Zahlung dieser nun ganz ungesetzlichen Steuer verweigerten und es vorzogen, sich verklagen und die Sache im Wege Rechtens entscheiden zu lassen. Wirklich haben mehrere Pastoren die Klage eingereicht. Wie wir vernehmen, wird nächstens ein Gesetz erscheinen, welches diese Steuer für immer aufhebt. — Auch unsere jetzt . in Hannover zusammengetretene Ständeversammümg fand bereits Veranlassung, sich in einer die Juden betreffenden Angelegenheit zu äußern. Die von dem Ministerium für die Stände festgesetzte Geschäftsordnung schreibt nämlich eine Eidesformel vor, die für Juden und (Schriften verschieden lautet. Nach §. 77 lautet nämlich der Eid für die Juden: „Ich schwere bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden", bei Christen dagegen soll hinter den Worten: ,,So wahr mir Gott helfe", noch der Zusatz folgen: ,,und sein heiliges Wort". Nachdem der Abgeordnete Lang 8en. diese Unterscheidung als einen Verstoß gegen die Grundrechte bezeichnet hatte, welche in der Eidesformel jeden konfessionellen Unterschied aufgehoben wissen wollen, wuxde sie fast einstimmig verworfen, und -sogar unser Ministerium, das bekanntlich den Grundrechten abgeneigt ist, schwieg, wahrscheinlich um nicht der Entscheidung über letztere vorzugreifen. — Bei den unlängst in Hildesheim wegen der zur Feier der Grundrechte stattgehabten Festlichkeiten vorgefattenen Unruhen wurde auch ein Jude von der Soldateska so schwer verwundet, daß er schon wenige Zeit nach diesem Ereignisse starb. Anerkennung verdient es, daß von unserem Kultus-Ministerium zum Bau der Synagoge zu Hildesheim 100 Thlr. bewilligt worden sind.Zum Schluffe erwähne ich noch das in Hannover seit Dem 1. November v. I. ins Leben getretene jüdische Seminar, worauf wir junge Leute, die sich zu Lehrern bilden und Gemeinden, die sich mit tüchtigen Lehrern versehen wollen, mit so mehr aufmerksam machen als nächstens das jüdische Seminar zu Berlin eingehen wird. Es unterrichten am hiesigen jüdischen Seminar 7 Lehrer und werden die Zöglinge, abgesehen von dem wissenschaftlichen Unterrichte, den sie in den ihnen später notbwendigen Disciplinen erhalten, auch noch besonders angehalten, 10