Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1849-01-13 · Heft 2 (13.1.1849) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 2 (13.1.1849)
Date
1849-01-13
Page
Seite 12 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2360092-2360580-2360583--6702-3534742
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 12 ncmmcn, fcciu religiösen Fanatismus, .von lveichem bis jetzt weder die sogenannten Alten oder Neuen frei waren, ist die Spitze abgebrochen und jedes Mitglied mag sich - tum derjenigen Kultusform zurrenden, die ihm zusagt. Ungartsch-Brod, 29. Der. 1848. Ich, theile Ihnen ein Faktum ohne jeden Kommentar mit, nur Ihnen zu zeigen, wie roh und einfältig unsre Rabbiner sind. Der Rabbiner der hiesigen Gemeinde,-ein eifriger Verehrer von Spieß, Lafontaine und Clanrcn, feierte die Thronbesteigung des neuen österreichischen Kaisers durch eine jüdisch-deutsche Predigt. Er wählte' jimt Texte den Verö: „Fürchte Gott und 'Den König und lasse dich mit Aufrührern nicht ein/' und bemerkte hiezu: „die Ausrührer, dieser Answnrs der Menschheit, sind ' nun zerstoben und zur Hölle gefahren" .und in diesem Tone weiter. In der Synagoge waren Vater und Bruder Hermann Jellinek'ö anwesend! U Ich .dachte an Hitlcbrand in der nettester, Dorfgeschichte „Lncifer" von. Bertheld Aiterbach. Dieser schlichte Bauer hatte dasrechte Wort gefunden. ^rcrg, I.Jan. Die allgemein verbreitet gewesene Nachricht , daß die Emancipationöfrage bei nrrS in den Grundrechten keine Stelle findenwerde und daß man gesonnen sei, den Gegenstand der Gleichstellung den -Provinziallandtagen zur Ausführung zu überlassen, hat die hiesige Gemeinde veranlaßt, eine Deputation nach Krem sier'abgehen zu lassen, um dahin kräftig zu wirken , daß die Grundrechte von Seiten der Ausschuß-- Kommission in der ursprünglichen Fassung der Neichöversammlung vorgelegt werden mochte. Jndeß' haben .wir später erfahret!, daß auch ohne unsere Vorstellung die Kommission in der Majorität die Grundrechte in der ursprünglichen vor dem 6. Oktbr. bearbeiteten Fassung angenommen und wir tnüssen nun geduldig abwart'en, ob der unter der Militärherrschaftherabgekommeno Reichstag den Mnth haben .wird, die ursprüngliche freisinnige. Fassung der Grundrechte gegen die partiknlaristischen Einflüsse zu behaupten. Bei dieser Gelegenheit will ich noch berühren, daß Ihr gewöhnlicher Korrespondent die Ezcchen ganz unrichtig bcnrtheilt, wenn er sie als anti-. demokratisch darstellt.. Ein einziger Besuch in der Slovanöt'a Lipa, daS Anhörcn ihrer Reden und ihrer neuen Lieder, würde Sie sofort vom Gegenthcil iiOerjenrjcn j nur' ist ihnen neben der Demokratie die Natienalltatöfrage ebenso heilig undeben jo werth. In Bezug ans unsere GlanbcnSbrüdcr > möchte ich Sie ersuchen, die ezechische Nationalität nicht angrcifen zu lassen, da wir, als unter Ezcchen lebend, gewiß mit dcn Ezechon gehen, müssen und eö ist kein Zweifel, daß wir nur von ihnen die Gleichstellung erhalten werden, selbst wenn der Reichstag in Kremsier sie ansspricht. 1 Oefterreichische Nebenländer. Preßburg. 21. Dcbr. 1848. Fürst Mindischgratz hat nach der Einnahme dieser wichtigen ungarischen Stadt besohlet!, daß alle diejenigen Personen zu verhaften sind, die an der Judenverfolgung im April, sei eS durch Aufreizen der Pvbclmassen. oder durch andere Bcthätignng, sich betheiligt. Neben dieser anbefohtencn gefänglichen Einziehung der Schuldigen ist noch den Schuldigen auferlegt, die Verletzung deö Eigenthnmö der Jtlden durch Schadenersatz wieder zrr restituiren. Dieser Befehl des Siegers hat nicht geringes Erstaunen erregt, da thcils dadurch die Magyaren fast gar nicht betroffen werden, indem bekannter Maaßcn die Deutschen und Slavcn jene mittelalterlichen Barbareien begangen, thcilö können wir diesen Befehl nicht als Ausfluß einer Gerechtigkeit anjehen, weil diese sonst gegen alte Klassen der Bevölkerung Vorwatten müßte. Aber wir sehen darin eine große politische Klugheit , das magyarische Element zu schwächen. Ungarn besitzt c. '300,000 Inden, welche der Magyariömus bis jetzt unbegreiflicher Weise trotz der vielen Phrasen von Freiheit nicht nur nicht cmancipirt, sondern sogar verfolgt und getäuscht und der Streich Oesterreichs, diese an Intelligenz, Reichthum, -Rührigkeit nicht zu verachtende Schicht der Bevölkerung Ungarns an Oesterreich zu fesseln, ist als ein sehr guter zu bezeichnen. Schon ist das große Ungarn-Rcich zertrümmert; Siebenbürgen, Dalmatien, Slavonien, Serbien sind bereits von dein Reiche abgelöst und durch besondere kaiserliche Verwaltungen in ihrer Loögctrennthcit 'eingerichtet, und um selbst das eigentlich magyarische Gebiet für den Kaiser zu stinunen, sucht man die dasigcn nichtlnagyarischcn Stä»nme abznlösen. * ßritfau, 21. Dcbr. 1848. Soeben vernehme ich das Resultat der Wahlen, und anstatt doS Dr.Oett i n g c r wurde Rab. M c i sc l s gewählt: war . meine Vermnthnng nngegrnndet? Man sagt, daß nicht Ueberzeugnng und politische Einsicht die Agitatienshebcl der Anhänger von M., sondern persönliche Interessen, wie etwa .der monatliche Gehalt von 200 F'., die jeder Abg.'von der Reichökassc erhält, abgerechnet anderweitige ehrgeizige Plane und Aussichten, die Meisclö im Ghetto haU Jndeß glaube ich, daß dies Verlänmdnng ist, wenn gleich ich einen andern Deputaten gewünscht. Personalchronik und Miscellen. Aus Mähren. Der ale tüchtiger Gelehrter bekannte Dr. Gr ätz befindet sich seit einiger Zeit in unserer Provinz, namentlich in Nikols bürg. Wie wir bören, ist er von unserem üandrabbiner, seinem kehrer, hcrberufcn, um eine Rabbi'nerstklle tinzunehmcn, und gewiß darf sich eitle mährische Gemeinde zu dieser Acquisition gratulircn. — Verlag von C. L. Fr i tz schc./ ' ^/ ' - - Druck von I. H. Nagel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.