Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 10 (1849)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1849)
- Date
- 1849-01-13
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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10 au# der Religion ein Geschäft Zu machen, und so kommt tö, daß die Schlechtesten eine große Lust ergreift, Rabbiner $it werden, und die göttliche Religion artet in schmutzige Habsucht aus. Solche Rabbiner, die sich ihre Stelle erschlichen oder erkauft — bcnn cs kam in den letzten Jethrcn die Frechheit zum Vorschein, daß einige „Diener Gottes" ihre Stellen durch große Bestechung erkauften, ~~ müssen natürlich ihre Gemeinden dcmoralisiren und selbe in der Dummheit, von welcher sie so großen Nutzen zu ziehen wissen, zu erhalten suchen. -- Die mährischen Rabbiner de6 neunzehnten Jahrhundert, namentlich der letzten Jahre, sind der Ausdruck der Charakterlosigkeit, Faul- und Trägy heit, sie sind die vornehmen Proletarier, die gewissenlosesten Menschen, welche ohne zu arbeiten aufKosten der Gesellschaft, der sie schädlich sind, ihr Leben fristen. Sie hatten keine Hochschulen mehr, denn der Talmud ist ihnen nur ein Zauberbuch, in welchem sie ihre Wünsche erfüllt sehen. Die Religion ist ihnen: Spekulation. — Diese Rabbiner, die kein Hauptwort sind, aber auch kein Zeitwort, da sie weder der vergangenen, gegenwärtigen noch zukünftigen Zeit angehören. Sie/sind ein Empfindungswort. Mahren zählt 52 jüdische Gemeinden, in welchen — nur einige, als Proßnitz, Lundenburg ausgenommen — der Kultus auf die niedrigste und unserer jetzigen Zeit hohnsprechendste Weise auSgeübd wird. Die Synagogen in ihrer äußern Bauart erinnern mehr, daß die Juden einst Ziegel gemacht, als daß sie in der Baukunst fortgeschritten — Das Innere 'trägt Alles an sich, was uns in die finstern Zeiten zurückführt. Es wird Einem recht unheimlich, wenn man diese Gotteshäuser" betritt. (Mit Recht sagt der Jude, wenn er 'in die Synagoge kommt: „Wie furchtbar ist dieser Ort. •* ).— £>ie Synagogen dürfen nicht gereinigt werden. Je älter der Schmutz und der Mist ist, desto heiliger. So wie das alte . Portepee eines Offiziers verräth, daß er schon längere'Zeit Offizier gewesen sein muß, ebenso verräth der dichte Schmutz an den Wanden einer Synagoge, daß die --Herrlichkeit" schon'.lang da geweilt. Der Ausspruch: „Ihr machet aus Gottes Haus ein Kaufhaus" läßt sich im vollesten Sinne auf die Juden in Mahren anwenden, da sie in ihren Gotteshäusern von ihren Geschäften sprechen, sich unterhalten, Zeitungen lesen, mit einem Worte sie treiben da ein Spiel, wodurch sie sich herabwürdigen.. Kinder von zwei Jahren werden in die Bethäuser mitgenommen, die nicht selten durch Schreien und Weinen, die größte Störung verursachen. Ich will absichtlich über diesen Punkt nicht ausführlich sein. — Die Erziehung der Jugend, der. Kernpunkt für eine bessere Zukunft, ist im höchsten Grade vernachlässigt. Die Erziehung des weibischen Geschlechtes wird ganz außer Acht gelassen, und so weiß das Mädchen oder die Frau von ihrer Religion und den Pflichten gegen die Gesellschaft gerade so viel, wie der Theologe von einer „reinen Vernunft." Die mährischen Rabbiner haben ihr hauptsächlichstes Augenmerk auf dir Gesundheit der Gänse. Das Heranbilden der Jugend kümmert sie gar nicht. Die mährischen Rabbiner erkennt man vorzüglich durch die orientalisch-polnisch - deutsche Tracht, an dem'? krankhaften Gange und dem zur Erde gesenkten Kopse, dessen Haare wohl zeigen, daß die Herren nicht eitel sind und daß sie sich gerne mit fremden Federn schmücken. Eine Ausnahme macht Proßnitz — dort war der gebildete Weiße, jetziger Rabbiner in Gaya, Oberlehrer; dort hat der einsichtsvolle Fasset seine Aufgabe erkannt. Fasse! ist der einzige Mann in Mähren, der unter dem alten System schon für die sociale Stellung der Juden Schritte machte. Seine Bemühungen wurden mit Undamk belohnt. — Loschitz zeichnet sich durch den Rab. Neida-.der seit Jahren leider sehr krank ist, aus. Austerlitz hat einen gebildeten Rabbiner, er fühlt aber nicht seiner Gemeinde an den Puls, und weiß die Pulsschläge der Zeit nicht zu zählen. Herr Weiße in Gaya sorgt für den Jugenduntecricht. Er schleuderte den „Bann" gegen diewelche von den Christen Butter essen; dadurch hat er seine Heuchelei an den Tag gelegt.— Fasse!, N e i d a und Duschak sind die einzigen, welche sich von den mährischen Rabbincn unterscheiden. Am meisten leistet Faffel, am wenigsten Duschak. Herrn Laridrabbiner Hirsch, versteht sich von selbst, mengen wiv nicht unter die mährischen Rabbiner. Wir werden über Hirsch eine besondere Charakteristik geben. — Die mähr.;.Rabb. sind durchgängigmit Ausnahme der benannten und Herrn Schmied!, der deutschen Sprache nicht mächtig. Ihre Vorträge sind daher die alten Derascha'6. Welchen Werth sie für unsre Zeit haben, darüber glaube ich braucht man kein Wort zu verlieren. Der mährische Jude legt alles der christlichen Intoleranz zur Last. Er selbst vergißt, daß er nichts thut, um sich mit der Zeit auszusöhnen. Er verlangt von dem Christen das, was er selbst nicht einsehcn will. Sic wollen kein Haar breit von ihren hergebrachten Lächerlichkeiten abgehen,'und selbst solche Dinge, die mit ihrer Religion nichts gemein haben, nicht ablegen. Die Art und Weise, wie die Begrabnißfeier bei ihnen vorgenommen wird, die Unordnung und der dabei herrschende Lärm, muß natürlich in den Augen der Christen den lebenden Juden herabwücdigeu. — Die Juden werden doch gewiß gehörig geklopft, und doch klopfen sie noch selbst zweimal des Tages zum Gebet. — Der Jude lebt isolirt vom Christen, giebt sich von vornherein eine sklavische Stellung, was Wunder wenn er als Sklave behandelt wird. Unter solchen Umständen und Verhältnissen muß der mährische Jude, der schon durch seine Beschäftigung demoralisirt ist, noch mehr demoralisirt werden, und kann sich kaum aus dem Schlamm und Koth des gemeinen Lebens hecausarbeiten. — Dies ist das Unglück der Juden en Mähren, und diesteht ihrer Entwickelung so sehr im Wege. Ich habe hierin kurzen Sätzen die Hauptgcbcechen der Juden in Mähren angegeben. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Freundlichkeit, aus wahrer Menschenliebe, aus praktischer Erkenntnlß, aus dem Mitgefühle des großen Unglücks und deö härtesten Druckes meiner Brüder, eines Druckesunter dem selbst der Mensch, der zufällig dem Iudenthumc angehört, so sehr leidet. Warum treibt ihr es so weit, daß