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Der Orient · 1849-01-06 · Heft 1 (6.1.1849) · p. Seite 7

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 1 (6.1.1849)
Date
1849-01-06
Page
Seite 7 (sequence 13)
Language
German
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7 (^cifict zurück, und die unbeschränkte, aber gesicherte Freiheit tritt wieder in ihre alten Bahnen. Was aber ist die Beschränkung, die Veruichtang cincö großen Grnnd- ^sctzcö anders, alö daö Zerstören der Idee dc.r Freiheit selbst, alö Reaktion? Daß ein solches Wort in Oesterreich von den Vertretern des sreLgcwordcnen Landes ausgesprochen werden könne, dachte und denkt noch heute Niemand. Alö daö Erwachen einer neuen Zeit vom Mittelpunkte des Staates bis an den fernsten Saum des Landes Jedem, selbst tem kleinsten Stamme Recht und Gleichheit verhieß, glaubten auch die Israeliten, daS Band des Hasses und Vorurthcils werde gelöst werden. Die Regierung war galt; unter dem Eindrücke derselben Ideen. Ein Gesetzverschlag in diesem Sinne wurde zugesagt, und die Konstitution vom 25. April wiederholt förmlich das Versprechen.^ In allen Präliminar-Eiurichtuirgen, wie in ten Wahlgesetzen zum konstituirenden Reichstage werden politische Rechte den Israeliten zuerkannt. Israeliten waren Wähler, Israeliten wurden gewählt, und ein Gesetz des Ausschlusses sollte jetzt gegeben werden? Es wäre die schnödeste Beleidigung, die man nur Menschen zuzusügen vermöchte, cs wäre im eigentlichen Sinne des Wortes Reaktion. , Wir sind umsonst bemüht, den Grundsatz aufzusinden, der Euch hierin leiten könnte? Ist eö die Idee des Christenthums? Seine Lehre ist Liebe und Gleichheit. Ist eö das Prinzip der Nützlichkeit? Dann sagen wir Euch, Ihr seid Gesetzgeber ohne Einsicht, ohne Kenntnis; der Menschen, ohne Folgerichtigkeit des Gedankens. Der neue Staat fordert gebieterisch, daß alle geistigen und materiellen Kräfte der Bürger zum großen Zwecke gemeinsamer Thätigkeit, zur Erhöhung der Macht und des Wohlstandes verwendet werden; daö ist in allen Ländern nothwcudig, daö ist unentbehrlich in Oesterreich. Als 1789 seine Revolution begann, verlangte ein Priester, der Bischof von Bloiö, die Gleichstellung der Israeliten; mit den Privilegitn deö Adels zugleich fiel das Vornrtheil des Glaubens. Frankreich hat seitdem manche unheilvolle Zeit bestanden, aber fragt vom Ocean bis au den Jura, von Dünkirchen bis nach Marseille, und Jeder, wie sehr ihn auch Glaube, Stamm und Sprache trennen mögen,, ist Franzose. Bedürfen wir der Einheit in Oesterreich so wenig, daß cs Euch ungefährlich scheint, zerstreut auf der ganzen Fläche des Landes in allen Kreisen des Lebens, in allen Bahnen des Verkehrs Hundcrttauscnde von Geschmähten, von Beleidigten zu lassen? Ihr seid unklug, Ihr'müßt sie ganz unschädlich machen, Ihr müßt ihnenden erworbenen Neichthum nehmen, Ihr müßt sic an die Scholle fesseln, von der Ihr den Bauer befreit habt; Ihr müßt sie ganz unterdrücken , nachdem Ihr selbst kaum frei geworden seid. Dann würden wir wenigstens Euern Jdeengang begreifen. Beruft Euch nicht auf das Beispiel Englands. Es wäre gefährlicher, alö Ihr vielleicht glauben möget. Die Freiheit in England ist nicht ans einer Drang- und Sturmperiode der Ideen hervorgegaugen, wie bei uns; sie ist daö Ergcbniß eines Kampfes, der hoch hinaufreicht, und die Gelehrten werden Euch beweisen, daß die Freiheit in diesem Lande sich fortwährend organisch entwickelt hat. Ist es so bei unö? Sind wir so stark, daß eine Majorität Unrecht beschließen darf? — Der Vorschlag, die Joracliten in England zu cmaneipiren, d. h. ihnen Sitz und Stimme im Parlamente zu geben, hat ein eigenthümlicheö Geschick erfahren. Die Kommunen Englands stimmten zu verschiedenen Malen und mit großer Mehrheit dafür. Alles, was Großbrittanien an bedeutenden Geistern aufzuweisen hat, Katholiken und Protestanten, der Irländer Shit, der cS nur zu gut weiß, wie eö den Elenden, den Geknechteten zu Muthe ist, Staatsmänner, wie Robert Peel und Lord John Rüssel, sprachen sich für unbedingte Freiheit aus; und wer verwarf daö Gesetz? Das Hauö der Lords, die Kammer der erblichen Pairs und der Hochkirche von England. Ist cs Erich erlaubt, einer Kammer, die aus dem allgcmeiucu Wahlrecht hervorgegaugen ist, und die, wie wir hören, ein Hauö von erblichen Gesetzgebern zu schaffen nicht eben Lust hat; ist eö Euch erlaubt, wie die Lords von England zu handeln? — Wir wagen einen solchen Gedanken noch immer nicht zu fassen. Wir denken nicht so klci.n von Euch, daß wir glauben könnten, die Ereignisse des Oktobers, das überspannte Treiben hirnverbrannter Köpfe hätte Erich diese Idee des Rückschrittes eingelegen. Wollt Ihr ehrwürdig im Angedenken der spätesten Geschlechter leben, so dürft ihr den heiligen Boden des Rechts und der Freiheit nicht verlassen; thnt Ihr anders, so könnte die Geschichte von Euch sagen: Eö war eine Versammlung von Freigelassenen, welche keine Herren wollte, — aber Knechte. — (Die Presse.) Desterreichische Nebenländer. Krakau, 8. Dccembcr. Ich habe Ihnen bis nun nichts über Gcmcindeangclegenhciten mitzutheilen gehabt, welches Ihrem Blatte emzuvcrleiben verdient hätte, und jch-t nur ein paar Worte über unfern jüd. Verein zur Förderung re. wie auch über eine bevorstehende Neuwahl zum Reichstag nach Kremsier. Die in Folge der Abdankung deö von Seiten deö jüd. Bezirks gewählten Dcputirten D'r. Jakobowöky nöthig gewordene Neuwahl rief gestern Abends eine interessante Debatte im Vereine hervor wegen des gestellten Antrags, ob auch der Verein auf die Wahl influireu lind ob von ihm ein Caudidat vorgcschlagcn'wcrderi solle, der in der öffentlichen Meinung empfohlen werden kann, welche beide Anträge

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