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Der Orient · 1849-01-06 · Heft 1 (6.1.1849) · p. Seite 6

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 1 (6.1.1849)
Date
1849-01-06
Page
Seite 6 (sequence 11)
Language
German
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Dreöd en über, und diese Auswanderungen.haben nicht nur die Stamm-, sondern auch die Tempelgeineinde. bedeutend gelichtet, so daß Prag schwerlich seine alte Kraft wird behaupten können. Ich brauche cs wohl kaum zu erwähnen, daß dieser Umstand, uctCumfccu mit der Unsicherheit unserer politischen Zustände, in dem ganzen Gemcindewesen eine unendlich große Verwirrung hervorgebracht, die wohl der Schilderung und Zeichnung werth. wäre, aber ohne daß sie wohl dadurch beseitigt werden könnte, und da voraussichtlich diese nur mit der Lösung der politischen Fragen erledigt werden kann, so will ich jetzt davon schweigen. Sie werden eS vernommen haben, daß die Judeuftage auf dem Reichstage gar nicht Vorkommen , sondern den Provinziallandtagen überwiesen werden soll und was wir Inden Böhmens und Mährens zu erwarten haben, daö können Sie sich denken, darmn will ich nufere trübe Zukunft unberührt lassen und bloö einige Notizen über dicTempelgcmeinde geben. Ludwig Pollak, der verdienstliche Begründer des schonen Tempclinsti.tutö, ist während der hiesigen Wirren gestorben, und wir wundern uns, daß . keine Freundeshand bis jetzt einen Nekrolog über denselben, wenn auch nur einen kurzen, in den „Orient" eingcrückt. * Was die Tempelgemcinde an diesen Mann verloren, weiß jedes Mitglied und wir ehren sein Andenken. David Fischel zog nach Dresden. Er war lange Zeit Vorsteher deö Tempels mtb Wohlthätcr der Armen und auch dieser Verlust war uns sehr schmerzlich. Unfer Prediger Dr. Kämpf ist unermüdlich in seinem Berufe, und manchen Gebeugten hat schon sein religiöses Wort aufgerichtet. Bei dem Bekanntwcrdm des Thronwechsels Oesterreichs fand in unserem Tempel eine wenn auch ■ gewissermaßen improvisirte Feierlichkeit zur Thronbesteigung Franz Josef l. statt, die einen guten Eindruck gemacht. Diese Feierlichkeit bestand einfach darin, daß Hr. Dr. Kämpf vor der Predigt ein eigens von ihm verfaßtes Gebet für den neu eil und dann eines für den alten Kaiser bei Erfassung der 'Tora verrichtet hatte. Die Inden waren stets als Volk des Gesetzes die. ersten Anerkenner der Gesetzlichkeit und darum mußte dieser Akt, so geringfügig an sich, einen guten Eindruck machen. Wir wundern uns übrigens, daß Hr.Dr.K., der uns in Prag ans seinen gediegenen Aufsätzen in Ihrem Literatnrbtatte zuerst bekannt wurde, seit seinem Hiersein nichts wieder daselbst hat erscheinen lassen. Es wäre doch erfreulich, wenn er aus dem Schatze seiner Forschungen über die Mischna-Lchrer, vielleicht in -einzelnen biographischen Skizzen, in Ihrem trefflichem Literatnrblattc Manches mittheilcn mochte. Ist doch die jüdische Literatur der einzige unvergängliche Boden des Judenthuniö, den weder politische noch religiöse Umwäl- *) Möge.es ein Freund des Verstorbenen noch nachholen.. ' Red. znng zu erschüttere vermag. Auch von unserem Hrn. Landau, obgleich seine Zeit mannigfach von Gemcindegeschäftcn absorbirt wird, wundere ich mich sehr, daß er sich literarisch lisolirt, und zwar um so mehr, da jetzt nicht einmal irgend ein censurlichcö Hemmniß mehr vorhanden ist. Wien, 15. Dcbr, 1848. Die Abtheilungen des Reichstags haben bei der Bcrathung der Grundrechte die Gleichheit der Staatsbürger nur unter der Bedingung ausgesprochen, daß diese Staatsbürger Christen sind. In einer Diskussion der Grundrechte, der Me nsch enrech te, wie man zu Ende deö letzten Jahrhunderts sagte, klingt eine solche Beschränkung sehr befremdend. Der.Sinn dieses Zusatzes ist mir zu klar, er bedeutet die Ausschließung vom Rechte für alle israclitischetr Bewohner dieses Staates. Wir sagen es laut —- das ist Reaktion. Wir werden und können in diestnr Augenblicke die alte, verjährte Debatte über einen so unglücklichen Stoff nicht anfnchmen; er ist abgeschtoffcn und erschöpft, er liegt so hinter uns, wie die politische Freiheit und Gleichheit, deren man sich in Deutschland und in Oesterreich vor dem März deö Jahres 1848 erfreute. Nur auf den engeren Raum unserer besonderen Vcrhättniffe wollen wir unö beschränken. Es ist noch möglich, ganz ohne Leidenschaft zu sprechen, weil wir nicht glauben können, daß die neue Fassung k0 Artikels der Grundrechte, welche in den Abtheilungen beliebt hat, zum Gesetzesbeschlnß erhoben werde. . Wenn Regierungen durch den Mißbrauch des Gedankens fallen, der ße eingesetzt hat, so ziehe'., berathenk Versammlungen die Verachtung auf sich, wenn sie die Maximen vergessen, denen sie ihr Entstehen verdanken. Die Regierung Oesterreichs hat sich vor diesem Fehler bis jetzt bewahrt. — Die Empörung in der Hauptstadt hat daö Erheben kr Militärgcwalt zur nothwcndigen Folge gehabt; der Kaiser war Herr, er hätte es vermocht, den Abhang, welchem Ereignisse und Ideen seit dem März gefolgt waren, wieder hinanfzugehcn, zurückzudrängen und auf der Höhe Fuß zu fassen. Cs ist nicht geschehen. Ein neues Kabinet übernahm die Geschäfte, und das erste Wort, daö cs auösprach, war das Wort der Gleichheit und der Gleichberechtigung. Mit diesem Gedanken erklärt die Negierung, daß sie auf dem Wege der Erneuerung, der Verjüngung fortzuschreitcn entschlossen sei. Der konstituiren.de Reichstag tritt nach den Wirren des Landes aufs neue zusammen, und es sollte möglich sein, daß er durch willkürliche Nonnen eine Million Menschen in ihrem Recht tmb in ihrer Hoffnung kränke? Wir wiederholen es, das wäre — Reaktion. Was ist Belagerungszustand einzelner Städte, erhöhte Militärmacht, die Unterbrechung des gesetzlichen Lebens anders, als eine provisorische Maßregel einer verantwortlichen Gewalt? Die Umstände ändern sich, die Ruhe kehrt in die

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