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Der Orient · 1849-01-06 · Heft 1 (6.1.1849) · p. Seite 4

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Journal
Der Orient
Volume
10 (1849)
Issue
Heft 1 (6.1.1849)
Date
1849-01-06
Page
Seite 4 (sequence 7)
Language
German
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Für ehrliche, unbefangene (?) Juden feilte, die es nur aus , der fußen Macht der Gewohnheit und weil sie darüber seit der Kinder- und Schulstnbc noch nicht zmii Nachdenken gekommen sind, also nicht für die Herren Marx, Harkort und Konsorten setze ich die jWorte des jüdischen Volkslehrcrs Mannheimer, gesprochen in Wien, dm 17.März v. I., bci der abgehLltenen Leichenfeier her, um ihnen die Ueberzcugung zu verschaffen, auf welchem Standpunkt sich die Juden „in ährcn vornehmsten Vertretern^ stellen. „Was nun zu ihun sei für uns? für uns? Nichts! Alles für Volk und Vaterland, wie Jhr'ö in den letzten Tagen gcthan. Unter den Ersten, dic das Wort.ergriffen und geführt in den stürmischen Tagen, waren die Juden.' Unter den Ersten, die gefallen dort auf der blutigen Statte, vor dem Hause, wo die Stände des Reiches das Heil berathcn werden —- waren die Juden! Nur zu! immerfort! Jetzt Nichts für uns! Kein Wort von „Jlib-enemanzkpation " wenn cs Andere nicht sprechen für uns! — Wir haben genug 30 Jahr lang gebeten, fußfällig, mit cmporgehobencn Händen gebeten um Recht und Menschlichkeit. Nichts mehr da! Wir nehmen und tragen in Geduld und Ruhe unser Geschick, erheben nicht eine Hand für unser Recht. — Erst das Recht des Menschen, zu leben, zu athmen, zu denken, zu sprechen; erst das Recht des Bürgers, des edlen, freien; — nachher kommt der Jude! man. soll uns nicht vorwerfen, wir denken immer und überall an uns, zunächst an uns.— Wir sind die Leidenden in jedem Falle. Wo oie rohe Gewalt ein bricht, bricht sie gegen uns ein; wo die Gewalt der Herrschaft reagirt, reagier sie gegen uns. Alle Beschränkung über uns! All« Ausschließung über uns! Thut Nichts,, unsre Zeit die kommt und bleibt nicht aus! Lasset die Geister gewähren, schließet euch den Edleren und Besseren im Volke an-".— Und so rufe ich zum Schlüsse Herrn Karl Marx dieselben Worte zu, mit welchen schon vor Jahren der „Scheintodte"* , von den Lebendigen Abschied nahm. „Gemeinschaftliche.Sache — Eint uns noch nicht zur Zeit: Du willstuuc Deine Rache — Ich will Gerechtigkeit. Mag auch der Donner rollen, — Wir stehen unverzagt; — Nicht schmollen wir, nicht grollen, — Wir wissen, was wir wollen : — Der Morgen sicher tagt! -— Ich grüß* Euch die Lebendigen! — Doch jetzt — der AbschiedSgruß. Mit Euch mich zu verständigen — Den. Wahn ich lassen muß. Wer hat sich je verständigt — Mit Selbstsucht, Haß und Wuth, --Die nimmer sich, gebändigt? Bei solcher stets es endigt — Mit lieber muth, nicht Muth. n» . *) Versuche eines Scheintodten. Breslau, 1846. Deutschland's vereinigte Staaten. Frankfurt <u <©♦, 19. Deo. Unser Rabbiner Dr. I sa a k so hn ist, wie Sic vielleicht schon wissen, gegenwärtig in Emden, die Stelle des Sams. Raph. Hirsch vertretend, und wir sind vorläufig ohne Rabbiner. Unser Neligionslchrcr Dr. C. Lcvysohn predigt jetzt provisorisch allmonatlich an dessen Stelle und diese Predigten erfüllen denselben Zweck. Die von Dr. L. gegründete Ncsigionöschnle, worin ein gediegener und allscitiger Religionsunterricht gegeben wird, erfreuet sich der allgemeinsten Theilnahme und wird sehr stark besucht. Die Konfirmationen sollen regelmäßig zu Ostern— nicht zu Pfingsten — stattfinden. Was den synagogalcn Kultus anlangt, so ist nach vielfachen Wandlungen fast ein Urzustand eingctretcn; unästhetisch und unerbaulich, aller Bildung, alter Gesittung Hohn sprechend, wird hier' der Gottesdienst so begangen, daß er eher als Karrikatur cincö Gottesdienstes angesehen werden kann. Nirgend eine Spur, daß hier vormals ein zeitgemäßer gebildeter Rabbiner verweilt und für einen bessern Gottesdienst gestrebt. Es ist auch vorläufig auf Besserung keine Aussicht, da man die Politik mit vollen Zügen verschluckt, und alles Andre beiscit laßt. Leipzig, 16. Dee. Der traurige Zustand in. Wien , der eine jede deutsche Brust mit Entrüstung erfüllet, ist' so schrecklich, daß wir nicht einmal wahrhafte Berichte über die Lage der unglücklichen Stadt .erfahren y denn die rohe Hand der Soldaten lastet so schwer, daß sie nicht wagen, ihre Worte durch die Post zu verschicken. Wir veröffentlichen daher Folgendes aus ' dem Hebräischen übertragene -Briefchen, welches Hr. S. - Deutsch von .der Hand eines Freundes zu kam: '„Freund! Sei nicht ungehalten darüber, daß ich. Dir einmal in meinem Leben gar hebräisch schreibe, denn . wahrlich ich darf in einer andern Sprache Dir nicht , schreiben. Unser Leben schwebt beständig in Gefahr, .unsere. Dränger füib wach und wehe dem, der mit dem Gefe hurten korresporidirt! Mancher hat bereits sein Leben, eingebüßt. — Ihr habt das Vaterland verlassen imb . euer Leben gerettet, hütet Euch aber zurückzukehren, ihr würdet es unfehlbar mit Pulver und Blei büßen, denn man fahndet auf Euch. Ich habe keine Worte, unser Leid und unfern Jammer darzustellen, und hatte ich auch Worte, ich dürste sie nicht brauchen. Unser Freund,- Dr. S — l wurde gestern bereits zum zweiten Male in den Kerker geschleppt! Und unser neuer Kaiser, der unter der Zuchtruthe seiner Mutter steht, hat seit seiner Thronbesteigung noch kein freundliches Wort gesprochen und an eine Versöhnung ist nicht zu denken. Nächsten Frühjahrs wandere ich aus in das Land'der Freiheit, nach Amerika u. f. w. - ' Bamberg, 15. Dec. Mit Verwunderung lieft man in Nr. 46 des Orients einen Artikel eins Bamberg,

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