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Der Orient · 1848-12-16 · Heft 51 (16.12.1848) · p. Seite 398

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Journal
Der Orient
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 51 (16.12.1848)
Date
1848-12-16
Page
Seite 398 (sequence 3)
Language
German
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— 398 - Deutschlands vereinigte Staaten. Wien, 2. Dcbr. Äsche auf dem Haupte und in einen Sack gehüllt zieht Endlich durch die Straßen Wien's; denn sein „Schild-und Schwert" ist konfiscirt worden. Endlich Muß" über doch die Juden, die Männer der Revolution besudeln. Was ist nun zu thun? Endlich hat ein neues Auskunftsmittel gefunden, trotz eines Preßverbotes sein Blatt fortzusetzen. Er geht nämlich zu seinen Abonnenten und sagt ihnen mündlich, was er schreiben wollte. — Das Programm unseres neuen Ministeriums spricht sich für die Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen aus. Wir werden sehen, was die Zukunft uns bringen wird. — N Leipzig, 8. Debr. Josef Men d elssohn, ist gestorben. — Dr. A r e nhei m in Braunschweig ist zum Abgeordneten von der demokratisches Partei gewählt worden.;— In Dresden soll Dr. Hirsch el, Kandidat des Vaterlandsvereins, zum Abgeordneten gewählt werden. —- Im ,,Dresdner Anzeiger" werden die Juden aufgefordert, nur freisinnige Männer in die Kammer zu wählen. — Cremie ux in Paris hat sich für Louis Napoleon ausgesprochen, Goudchauv und Fould stimmen für Cavaignae. —. Dr. Goldmark, Abgeordneter des österreichischen Reichstags, hat auf Betrieb des Generals Melden, ein Mistrauensvotnm erhalten. Das ist ein standrechtliches' Mistrauenvotum. — Dr. F i sch h o f hat seine Stelle als Ministerialrats) niedergelegt. — Gneserr, 1. Decbr. Erklär it n g. Der hiesige Kaufmann, Herr B o n h e i m S e n at or-hat im Jahre 1843 der hiesigen Korporation zum Neubau unserer Synagoge 3000 Thlr. geborgt, deren Rückzahlung nach Verlauf von 2 Jahren erfolgen sollte, welche Rückzahlung aber bis' heute wegen Mangel an Fond nicht hat geschehen können. Diese edle Handlungsweise des Herrn Bonheim Senator ist von dem % Korrespondenten der allgemeinen Zeitung de§ Judenthums Nr. 47, Artikel Gnestn, auf eine schamlose Weise verdächtigt worden. Wir halten es daher für unsere Pflicht zu erklären, daß Hr. Bonheim Senator durch oben benanntes Darlehen sich um die hiesige Ko rporar i ou w oh lverdien t gemacht hat. Der Korporations-Vorstand. M. Russak. M. Strelitz. Leipzig, 1. Debr. (Erklärung.) Die Lüge geht ewig Hand in Hand mit dem Unrecht, und die Gerüchte, die mit jesuitischer Emsigkeit über die unschuldig widerrechtlich Gemordeten zu Wien verbreitet und von Zeitung zu Zeitung geschleppt werden, sind fast ebenso empörend, so.niederträchtig, wie die grausamen, unverantwortlichen Greuelthaten selbst. So ist in der,Weser-Zeitung und andern über den edlen Jellinek zu lesest , dast „die Aufschlüsse, welche er über die ungarisch.ey und. demokratischen Verbindungerr und geheime Verkettungen gegeben, nicht vermochten, die Begnadigung deS Märtyrers zu erwirken." Unser Grundsatz ist keineswegs: „ve mortui8 nil iiisibene“, und mehr als. die Partei zu der wir gehören, gilt uns die Wahrheit, und dieser zu genügen, erklären wir, daß Jellinek, den: wir nahe gestanden,, mit dem wir kollegiasisch verbunden waren, weder etwas zu verrathen hatte, weil die demokratische Partei in Wien leider nur zu osten und im Vertrauen auf ihr gutes Recht, auf die Heiligkeit der Sache, die sie vertrat, ohne die versteckten Künste, wie sie ihrer Gegenpartei eigen, zu Werke gegangen ist, noch jemals im Stande gewesen wäre, durch ein solches Verbrechen stille Lebensrettnng zu versuchen. Die letzten Tage und Stunden Jellineks warell seines ganzen übrigen Lebens würdig uild der Auditor, der'Jellinek gerichtet, hat, wie uns ans sicherer Quelle bekannt, erklärt, daß dein würdigen Püblicisten seine unerschütterliche Festigkeit und Energie bei jenem Verhör das Leben gekostet. Wozu brallcht der blutdürstige Alba Oesterreichs die lnoratische Schändung der edlen Männer, da er sie so bequem und ohne Allstand physisch morden kann, mit) die deutsche Presst sollte sich nicht so buhlerisch bereitwillig hergeben, mn den Gemordeten nach Art der Henkersknechte auf Befehl Brandmale einzubrenileil. Die deutsche Presst sollte nicht auf diese Weise ihr letztes bischen Ehre preisgeben. Deutsch, Gritzner jun., Ko lisch aus Wien. Leipzig, 5. Dcbr. Die hier erscheinenden „Vaterlands-Blätter" veröffentlichen einen Auszug aus der in der vorigen Nummer d. Bl. erwähnten Gedächtnißrede auf den Tod H e r m a n n I e l l i n e k' s *: „Kaum hat man uns Zeit gegönnt, über einen thcucrn Todten das Leichentuch zu decken, da hatte man bereits einen zweiten hingcmordet. Am Sonntage von der Trauerfeier Blnnls heimgekehrt, harrte unser die neue Schreckensknnde von dem gleichen Schicksale Jellinek's. Sie erinnern sich noch des Jellinek l Viele von Ihnen vergegenwärtigen sich noch jenen jungen begeisterten, philosophischen Sprecher desRedenbungsvereills tut Schützen-, haust. Ja, er hat gut gewählt der fürstliche Mörder. Er entriß uns den M a n n nlld den I ü n g l i u g: im Manne den vollendeterl Kämpfer der Gegenwart, im Jüngling den hoffnlmgsvollen Sieger der Zllknilst; im Manne die reife Frucht der That, im Jüngling die Blüthe der treibenden Idee; den Mann verjüngt ln edlem Jnnglingsfeier, den Jüngling nlännlich in Mannesernst. So hat ein trauriges Geschick zwei Wesen auf *) Rede zur Gedächtrnßfeier, gehalten im deutschen Vaterlandsvereine zu Leipzig am 28. Rvbr. 1848. — (Im Auszuge mitgetheilt.) /

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