Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1848)
- Date
- 1848-12-09
- Page
- Seite 389 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Kritiken kleinster Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buckbandlungen auf ein Jahr. sür jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M 50. den 9. Dccembcr eips'g 1848. Inhalt. Deutschland's vereinigte Staaten Nekrolog aufHermannJellinek. Leipzig. Urtheile der Leipziger Presse. Leipzig. Sitzung des Vaterlandsvereins. Wien. Endlich in seinem Privatleben. Leipzig. Schriftenverzeichniß. München. Hoffnung. Wien. Jüdische Geißel. Frankfurt a. M. Die Nationalversammlung. Leipzig. Drei Zeitschriften über den Mord. Wien. Das Bluturtel. Posen. Die Juden. Mieskow. Entfernung von Reaktion. Kremsier. Eindruck.' Prag. Rechtsboden. Terrorismus. — Betrachtungen über das Prinzip der Emancipation. — LB. d. Or. Deutschland's vereinigte Staaten. Dr. Hermann Jellinek. Geboren im December 1822, standrechtlich ermordet am 23. Nov. 1848. Auch die Judenheit mußte den blutdürstigen Henkern der Freiheit einen Märtyrer, einen großen und herrlichen Geist, einen tiefen und scharfsillnigen Denker, einen uneigennützigen Forscher der Wahrheit, einen Vorkämpfer der Gerechtigkeit liefern. Durch seine an Wissen wie an Tiefsinn zugleich staunensiverthen Schriften, sowie durch seine schriftstellerische Thätigkeit in den Wiener Freiheitskämpfer!, hat er sich einen unvergeßlichen Platz in der Geschichte der Wissenschaft und der Freiheit errungen. Kaum 26 Jahre alt, war sein Leben dennoch reich an innern und äußern Kämpfen, jeden Kampf aber führte er für die Wahrheit, ohne Rücksicht ob er selbst dabei zu Grunde gehe. Spinoza war das Vorbild seines Lebens; gleich diesem Heros der Wissenschaft kümmerte er sich nicht um Verfolgungen, wei,n er nur in den Tempel der Wahrheit eindringen konnte. Das Leben galt ihm nichts, so er es nicht im Dienste der Befreiung der Menschheit von politischen, religiösen und socialen Vorurtheilen anwenden konnte. In Wien war er unter den Publicisten der Anführer der deutschen Partei, die für deutsche Wissenschaft, deutsche Bildung und deutsches Leben muthig kämpfte. In seinen bisherigen wissenschaftlichen Arbeiten zeigte er sich als einer der tiefsinnigsten Kritiker unserer Zeit, der viele Gebiete menschlichen Wissens in seinem Geiste umfaßte, und bei reiferem Alter würde er vielleicht Spinoza übcrtroffen haben. Die Leser dieses Blattes kennen ihn aus seiner Kritik der. Bauer'schen Judensrage im Jahrgange 1843 des „Orient", welche sein erstes schriftstellerisches Produkt war. Er kämpfte und forschte sür Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit und gab auch sein Leben für diese edlen Güter der Menschheit hin. Er starb muthig wie ein Nachkomme der Makkabäer, entschlossen wie Sokrates, besonnen und klar wie Spinoza. Mögen seine Ideen der Wahrheit einen Boden in der Geschichte finden. Die Geschichte der Juden wird seiner ruhmvoll gedenken. Leipzig, 28. Nvbr. Ueber die Hinrichtung des Dr. Hermann Jellinek in Wien, die hier allgemeine Sensation und Entrüstung erregte, berichten hiesige Blätter in vielfacher Weise. Wir stellen diese Berichte hier zusammen, und machen die Leser daraus aufmerksam, daß dessen Biographie, welche nicht bloS das Leben, sondern auch die Ideen, und Freihcitökämpfe des Märtyrers darstellen wird, jetzt ansgcarbeitet wird. Die D. A. Z. 'vom 23. d. M. schreibt: Wien, 50