Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1848
- Issue
- Außerordentliche Beilage zu Nr. 48 (26.11.1848)
- Date
- 1848-11-26
- Page
- Spalte 1-2 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9897534-9897587--5694-3534635- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Außerordentliche Beilage zum LiteraturblatL des Zwei Briefe bim einem meiner gelehrten Freunde, dem komgl. dän. Oancl. jur. Hrn. Jok'el @mtou Jakob in Kopenhagen, über die Kritik deZ Hrn. L. Skreinka im Literaturblatt des Orients 1848 Nr. 26, 27 und 29. an H. Ph. Noe. I. Kopenhagen, den 27. August 1848. P. P. Sie wünschen meine, Meinung über die Kritik, womit Hr. L. Skreinka Ihre Ansicht von der Etymologie und der daraus folgenden Bedeutung des Tetragrammatonö bekämpft hat. .Obgleich ich recht wohl fühle, nvie sehr ich der Regel huldigen muß: Dipon HDyn!?n so hat der Gegenstand doch ein so hohes Interesse für mich gehabt, und ich habe so viel darüber nachgedacht, daß ich mir ein füglich unmaßgebliches Urtheil darüber gebildet, welches ich Ihnen hier mitzutheilen nicht anstchen will. Bevor wir aber zur Kritik kommen, muß ich einige Bemerkungen vorangehen lassen. Der Herr Skr. nennt das Tetragr. den allerheiligsten Namen. . Was bezweckt a mit dieser pompösen Überschrift? Wir wissen alle, daß es nach den jüdischen Ritualgcsetzen nicht darf verlosch! werden, daß dieses Wort also hochheilig gehalten werden muß. Nach jüdischen und vielleicht auch mach christlichen Ansichten ist dieser Name das nomeu proprium Gottes, und bezeichnet also das Wesen, das der Inbegriff aller Vollkommenheiten ist, das Wesen demnach, das wir im höchsten Grade veueriren müssen. Ist dieser Name also auch zufolge seiner Bezeichnung hochheilig, so fragt es sich dennoch, ob er cs zufolge seiner Bedeutung ist, und dieses wollen wir jetzt untersuchen. Ich glaube, es ist über allem Zweifel erhaben, daß Heiligkeit nur von moralischen Eigenschaften bedingt ift; allein weder in dem Begriffe des ewiger: , oder vielleicht richtiger des absoluten Seins, noch in dem der Allmacht liegt direkt eine moralische Eigenschaft, und daher kann man ebenso wenig sagen , daß Sie durch Ihre etymologische Erklärung des Tetrgr. der Heiligkeit dieses Namens zu nahe getreten, als man behaupten kann, Hr. Skr. habe durch sein Festhalten an die ältere Etymologie die Heiligkeit desselben fortwährend vindicirt. Bei dem heiligen Eifer des Hrn. Skr. hat er doch einen Punkt mit.Stillschweigen übergangen, worüber ich doch seine Meinung hätte wissen mögen, nämlich Orients Nr. 48. 1848. von der Entstehung dieses Namens; ob er annimmt, Gott habe ihn drn Menschen offenbart, oder die Menschen hätten ihn selbst gebildet. Ist das letztere der Fall, so darf er ohne Zweifel ein Gegenstand der etymotogisirenden Kritik seir^ und muß. also nach menschlicher! Ansichten beurtheilt werden; im ersteren Falle aber — wer darf bte• Gedanken Gottes ergründen wollen? — Da Herr Skr. zu diesem letztern Argumente seine Zuflucht sticht genommen, so muß man voraussetzen dürfen, er gestehe Ihnen cm, das Tetrgr. sei menschlichen Ursprungs, und wirklich findet man ihn nicht nur öfters in der Geschichte, sondern auch circa 40 Mall in dein Munde der Patriarchen und ihrer Zeitgenossen, darunter sogar 7 Mal in dem Munde eines Betuels, Labans und Abimelechö. So wie das Schweigen des Hrn.' Skr. mir auffallend getvesen, so hat es anderseits etwas sehr sonderbares an sich, daß er stets seine eigene Grammatik citirt, als wenn er die Arbeiten anderer entweder gar nicht kennt, oder gar nicht achtet. Ich rnuß meine Unwissenheit gestehen, daß mir diese Grammatik, bevor ich sie in seiner Kritik genannt gefunden, gänzlich unbekannt gewesen, und ich folgere demnach also: Lehrt er in seinem Werke etwas Neues, so muß er warten, bis dieses sich Bahn gebrochen; lehrt er etwas Altes, so hätte er klüger gehandelt, wenn er frühere, weltbekannte Grammatiken , deren cs doch einige geben muß, citirt hätte. Dieses beständige Berufen ans sich selbst giebt seiner Kritik etwas Sonderbares, etwas Verdächtiges, und darum wollen wir es lieber gänzlich ignoriren. Nicht weniger sonderbar sind seine Seitensprünge, seine Seitenhiebc, so daß man irre an ihn wird, und nicht weiß ob er Rationalist, Mystiker, Exeget, Etymologiker oder was sonst in der Welt ist. Höchst auffallend ist seine Behauptung, oder richtiger seine Anspielung, als wäre das Menscheugeschlecht seit den Zeiten der Sündfluth oder etwas später, in seinen Begriffen von dem allerhöchsten Wesen nicht weiter geschritten. Sollte namentlich die Offenbarung in dieser Rücksicht gar keinen wohtthäligerr Einfluß gehabt haben; oder davon abgesehen, so ist es doch offenbar, daß wir das 'Wesen der Gottheit unmöglich a priori erforschen können. Nur durch das unermüdliche Studium seiner Werke erfassen wir die Ideen seiner Eigenschaften, seines Wesens, wie der unsterblich^ Dichter des mbü “TO fc schön geschildert. Ilm a ia Skreinka zu reden, so würde der König Atphons, wenn er daS copernikanifche System gekannt hätte, gewiß nicht behauptet haben, daß er, wenn er bei der Schöpfung gewesen, dieselbe vernünftiger geordnet hätte. Es wäre eine Versündigung gegen das Menschengeschlecht, ja gegen den allweisen Schöpfer desselben, dcr cs vor alten irdischen Wesen mit Per-