Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1848)
- Date
- 1848-11-26
- Page
- Seite 379 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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383 „Wir wollen: G taube. W ir wollen: positive R el igion. Wir wollen: Judenthum. und erklärt dieses dahin: .. Z. 1. Wir wollen: Glaube. Das heißt: wir wollen das Bckenntn.iß eines einzigen und unendlichen Gottes, n'cht erst von der philosophischen Entwickelung dieser Idee, oder sonst einem auf'dem Wege der Wilsenschaft zu erlangenden Verfahren abhängig machen; sondern wir nehmen das Dasein eines einzigen und unendlichen Gottes als eine von den Vätern uns überkommene Voraussetzung, als einen Artikel unseres Glaubens an. Bemerkung. Es sind vier Fälle möglich. Ein Individuum a. ist auf dem Wege philosophischer Forschungen zu dem Resultat gelangt, daß ein einziger und unendlicher Gott vorhanden. Ein anderes t>. hat Forschungen angestellt, ohne auf dies Resultat zu kommen; aber auch ohne vom Gegentheil überzeugt zu sein, und begnügt sich mit dem Glauben an Gottes Existenz, ohne den philosophischen Beweis. Ein drittes c. hat überhaupt keine philosophischen Forschungen angestellr, und nimmt das Dasein Gottes als Voraussetzung an. Ein viertes <!. hat philosophische Forschungen angestellt, und ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß es keinen solchen oder mehrere Götter gebe. Es sind a b und e hiernach mit dem ersten Grundprinzip der Genoffen einverstanden; und nur ck kann kein Genosse sein. §.2. Wir wollen: positive Religion. D. h. : wir wollen das Bekenntniß eines einzigen und unendlichen Gottes, und das daraus hervorgehende Verhältniß des Menschen zu Gott, durch bestimmte Formen gemeinsamer religiöser Handlungen, wie durch bestimmte religiöse Einrichtungen manifeftiren. Bemerkung.- Scwohl a wie b und c könnten entweder eine Manifestation ihres Bekenntnisses überhaupt verwerfen, ihrem Glauben weder Form noch Ausdruck geben wollen, was bei vielen Individuen der Fall ist; oder sie könnten die G e m ein sa m k e i t derselben verwerfen, und,? wie viele Individuen, sagen: ich manifestire meinen Glauben in meiner individuellen Weise, bete Gott in meiner Einsamkeit , beim Spaziergang, bei einem Sonnenuntergang, oder sonst wie an, und will, daß jeder auch so nach seiner Individualität verfahre. Hiernach hätten1 a b und e wohl die Disposition, um Genossen zu werden, allein, mit dieser Ansicht könnten sie keine Genossen einer positiven Religion, die bestimmte übereinstimmende Normen als sichtbaren Ausdruck ihres Bekenntnisses hat, bilden» §. 3. Wir wollen: I u d e n t h u m. D. h.: wir wollen die bestimmten Formen und gemeinsamen Einrichtungen, die unser» Glauben an einen einzigen und unendlichen Gott, wie. die Grundlehren über Gott, den Menschen, und dessen Verhältniß zu Gott und seinem Nebenmenschen manifestiren sollen, aus den hierzu geeigneten Formen und Einrichtungen, Sprüchen und Lehren der von. der Geschichte auf uns vererbten Religion der Juden: aus dem Judcnthum, sowohl entnehmen wie sortentwickeln. Bemerkung. Wenn a b und c auch eine positive Religion wollen, können sie sedoch, entweder ganz neue noch nirgend dagkwesene Formen und Einrichtungen hierzu erfinden, und würden so eine neue Neligionsgesellschaft, oder - diese aus-ande rn bestehenden Religionsgesellschaften entnehmen, und so entweder in jene NeligionsgeseUschasten aufgehen, oder eine neue Art derselben bilden. Zusätze zu Z. 3. Ueber die Grundquellen der Religion des I uden th um s. Als Grrmdguclle der Religion der Juden, erkennen wir das in den jüdischen Vorvätern offenbar gewordene Gottesbewußtsein, d. h. die Offenbarung Gottes durch den Geist unserer Vorfahren. Die Bethatigung dieses Gottesbewußtseins durch bestimmte Formen und Institutionen hat das Leben unserer Vorfahren durchdrungen, und diesem eine Gestaltung gegeben, welche wir Iudenthum nennen; diese Formen und Institutionen, die ehemals nur im Leden zur Erscheinung gekommen sind, wurden später in Schriften niedergelegt, welche wir die heiligen Schriften nennen. - ' ' Bemerkung. Wir weisen hiermit die bisher, wenn auch in neuerer Zeit wenig mehr geglaubte, so doch noch gepflegte Offenbarungslehre in supernaturalistischem Sinne, nach welcher eine einmalige Offenbarung Gottes unter Naturwundern statt gefunden, zurück, und glauben nur an eine Offenbarung Gottes durch den Geist der Menschen, d. h. durch das in Menschen zu Ueberzeugung und Ausdruck gekommene Gottesbewußtsein, das namentlich in den jüdischen Vorvätern in sehr hohem Maaße der Fall gewesen. Nur in diesem Sinne sagen wir : Gott habe, sich vorzüglich unfern Vorfahrern offenbart. Wir äußern hiermit ferner, daß wir die Offenbarung, d. h» den zu Bewußtsein gekommenen Glauben an Gott für älter halten als das Iudenthum, als die Betätigung dieses Glaubens durch das Leben, für älter halten, als die auf uns gekommenen Schriften. Wir stehen hiermit im Gegensatz zu der bisher recipirten Annahme, daß die Schrift, namentlich die mosaischen Bücher das Iudentdum geschaffen, wir halten vielmehr diese Schriften nur als E r- Zeugnisse des Judentums. Erst später, zur Zeit des zweiten Tempels, sind sie als Wiedererzeuger des neu zu begründeten Judenthums ausgenommen worden. Ueber die heiligen Schriften. In den Büchern der heiligen Schrift verehrt die Genossenschaft sowohl die Zeugnisse jener Offenbarung wie die Erkenntnißquelle der in den Vätern zum Ausdruck gekommenen Gottesverehrung. Sie verehrt also die Bücher der heiligen Schrift als Erzeugnisse des von hohem Gottesbewußtsein erleuchteten Geistes unserer Vorfahren, und entnimmt aus ihnen die Lehre über Gott, sein Perha'ltniß zu den Menschen, und die daraus hervorgehcnden Pflichten, des Menschen gegen Gott, gegen sich.und gegen seinen Nebenmenschen, als ewige Wahrheiten. Die in der heiligen Schrift enthaltene Geschichte Israels, erkennt sie der Idee nach als wahrhaft an, ohne eine Verpflichtung zum Glauben an die'wörtliche Wahrheit derselben anzuerkennen. Die Gesetze endlich, die besonders in den fünf Büchern Moses niedergelegt sind, verehrt sie als d-id